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Wenn die „Sonny“ scheint

VHS in Kiel Wenn die „Sonny“ scheint

Sie kommen aus allen Herren Ländern, haben unterschiedliches erlebt und doch eint sie ein Ziel: möglichst schnell Deutsch zu lernen, um einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben, eine Ausbildung zu machen und sich ein gutes Leben aufzubauen. Gabriele Zimnak ist seit 2002 Deutschlehrerin an der Förde-VHS und begleitet viele bis zum Einbürgerungstest.

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„Sie arbeiten hart und bringen viel Leistung“, sagt Gabriele Zimnak, die seit 2002 Deutsch als Zweitsprache an der Volkshochschule lehrt. Hier mit ihrem Schüler Bassey Edem aus Nigeria (24), der seinen Bachelor in Anglistik in der Ukraine gemacht hat und nun seinen Master in Deutschland absolvieren möchte.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Die Nachfrage an Kursen steigt. 2013 besuchten 2359 Teilnehmer Deutschkurse an der VHS, 2014 waren es schon 3079. Für jeden Bereich gibt es Wartelisten. „Denn ganz gleich, wie gut jemand Deutsch spricht, solange er dies nicht durch ein Sprachenzertifikat nachweisen kann, hat er weder auf dem Arbeitsmarkt, beim Ausländeramt oder an den Hochschulen eine Chance“, erklärt Gabriele Zimnak. Zertifikate, die von Behörden, Hochschulen und der Universität gefordert werden, gibt es in vielen Stufen, von der Alphabetisierung bis hin zur Oberstufe, alles nach dem Europäischen Referenzrahmen.

 Was treibt Gabriele Zimnak im Deutschunterricht an? „Es heißt ja gemeinhin, dass ein Mensch im Moment der Migration in ein fremdes Land mit seiner Muttersprache 30 Prozent seiner Persönlichkeit verliert. Wenn wir Lehrkräfte unseren Kursteilnehmer wieder zu einer ,Stimme’ verhelfen, geben wir ihnen damit auch ihr Selbstbewusstsein und ihre Würde zurück“, ist sie sicher. Die Kurse umfassen zwischen 300 und 900 Unterrichtseinheiten. Der Deutschtest für Zuwanderer zum Beispiel ist eine Prüfung, die es in den Stufen A2 bzw. B1 gibt. „Alles was über die Basis hinausgeht, muss der Teilnehmer selbst bezahlen. Und um studieren zu können, muss die Prüfung mit sehr gut oder gut abgelegt werden“, erklärt sie. Die A1-Prüfung sei die niedrigste Stufe – quasi die Eintrittskarte für Deutschland. „Sicher ist Sprache nicht alles. Aber ohne Sprache ist alles nichts“, das ist ihre Erfahrung aus den Kursen.

 Manchmal käme eine richtige Welle an Schülern aus dem Ausland. „Wenn ich im Fernsehen von politischen Ereignissen höre, weiß ich, die sitzen bald bei mir im Unterricht“, erklärt sie. Deswegen sei es für Lehrkräfte im Bereich Deutsch als Zweitsprache wichtig, sich zu informieren, um zu verstehen, aus welcher Situation einige kämen. „Wir erleben oft, wie sie im Laufe des Kurses trotz der traumatischen Erlebnisse aufblühen“, erzählt Gabriele Zimnak. Von ihren Schülern kann sie eigentlich nur schwärmen. „Es ist die Herzlichkeit und der Respekt, den sie mir als Lehrerin, als Frau und als Vertreterin der älteren Generation entgegenbringen.“

 Sie freut sich auch darüber, dass die VHS als große Einrichtung in der Lage ist, differenzierte Kurse für Langsam- bis Schnell-Lerner anzubieten. „Die meisten sind sehr fleißig“, lobt die Deutsch-Dozentin, die ihre Schüler aus allen Herren Länder nicht mehr missen möchte. Denn wenn sie einmal nicht so gut drauf ist, wandelt sich die Laune spätestens dann, wenn sie den Kursraum betritt und sieht, was ein Schüler an die Tafel geschrieben hat: „Der Himmel ist grau. Sonny scheint nicht.“

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