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Wo der Kieler Abfall landet

Wertstoffhof Wo der Kieler Abfall landet

Großkampftag auf dem Wertstoffhof: Es knirscht und knackt gewaltig, als André Krüger mit dem Rollpacker aus Schränken, Stühlen und Regalen Kleinholz macht. Der Container mit dem Holzmüll ist immer schnell voll beim Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) an der Daimlerstraße.

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Peer Ziese entsorgt eine durchgesessene rote Couch in einer Kammer auf dem Abfallwirtschaftshof an der Daimlerstraße. Er ist mit seinem Freund Mike Stöbe gekommen und hilft bei Ausladen des Wagens.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Am Wochenende biegen hier fast im Sekundentakt Kombis, Pkw mit Hänger und Kleintransporter um die Ecke. Mit der mächtigen Walze des furchterregenden Geräts zerkleinert der Müllwerker den Unrat, um den Platz in dem Stahlbehälter optimal auszunutzen. Sonnabends herrscht hier Hochbetrieb, wenn die Kieler morgens ihre Keller aufgeräumt haben.

 Und was nicht alles weggeworfen wird – so mancher Sammler würde sich darüber freuen: „Massive Barhocker mit rustikalem Holz haben wir schon aus den Container gefischt, jetzt haben wir eine alten NVA-Stahlhelm gefunden“, sagt Oliver Nitz, der hier die Oberaufsicht hat. Fast im Sekundentakt biegen Kombis, Pkw mit Hänger und Kleintransporter um die Ecke. Nitz und sein drei Kollegen fragen, was weg soll, sagen, in welche Behälter der ausrangierte Kram geworden werden soll. Stefan Püstow kommt mit alten Computern an, steigt die Treppe an dem Container hoch und legt die Tastatur auf zahllose Computer, Waffeleisen, Bügeleisen, Ventilatoren, Rasenmäher. „Ich bin häufiger hier, jetzt will ich noch mein Altpapier loswerden, das sich angesammelt hat“, erzählt der Kieler.

 André Paslawski ist Stammkunde und wird von Nitz per Handschlag begrüßt. Heute hat er einen Hänger voller Grünschnitt aus dem Garten eines Kunden. „Ich bin seit zehn Jahren in Kiel und biete als selbstständiger Unternehmer Arbeiten rund um das Haus an“, sagt er. Nitz schüttelt währenddessen immer wieder seinen Kopf, wenn er erzählt, was hier landet: „Neu eingepackte Teppiche werden weggeworfen, weil den Leuten die Farbe nicht gepasst hat. Intakte Röhrenfernseher geben die Menschen ab, weil sie sich einen Flachbild-TV gekauft haben.“ Antike Möbel retten die Männer vor dem Rollpacker, um sie aufzubewahren. „Manchmal organisieren wir am Tag der offen Tür einen Flohmarkt und spenden das Geld einer wohltätigen Einrichtung“, erzählt Kollege Krüger. Schon steht der nächste Kombi vor dem Holzcontainer. Die achtjährige Jone hat sich Handschuhe angezogen, bevor sie mit Papa Raphael Müller Brett für Brett von der Ladefläche zerrt. „Wir renovieren gerade und brauchen die Sachen nicht mehr“, sagt Müller, der sich über die Hilfe seiner Tochter freut. Da biegt schon Katrin Sievers um die Ecke, steigt aus und zieht einen eingepackten Klodeckel aus ihrem Auto: „Der ist leider kaputt und muss weg, einen alten Teppich will ich auch noch entsorgen“, sagt die Kielerin und wuchtet das alte Teil in die Box. Der nächste Wagen hält, Niels Herholz klettert vom Fahrersitz: „Die alte Einbauküche ist über“, sagt er und zieht die zerlegten Teil aus seinem Auto.

 Montags, freitags und sonnabends sind die Müllwerker immer mit vier Mann vor Ort, um den privaten Müllentsorgern den rechten Weg zum vorgeschriebenen Behälter zu weisen. „Oft müssen wir genau aufpassen, weil die Leute einfach nachlässig sind und sich nicht an die Anweisungen halten“, sagt Memet Ali Koyun, mit einem Bügeleisen in der Hand, das er bei den Waschmaschinen gefunden hat. Während André Krüger wieder mit dem Rollpacker Holzmöbel zerlegt, meldet sich Wolfgang Ehrk bei seinen Kollegen: „Na, habt ihr schon was für mich?“, fragt der ABK-Fahrer. Er kann aber erst einmal in Ruhe einen Kaffee trinken, denn noch ist kein Container bis oben hin voll.

 Den Metallschrott fährt er wochentags immer sofort zum Händler am Ostuferhafen. Sonnabends werden die vollen Boxen dagegen erst einmal auf dem Hof geparkt. „Wir haben Verträge mit Verwertern und bringen die Wertstoffe direkt dorthin“, erklärt Nitz. Und dann erscheint an diesem Vormittag auch noch prominenter Besuch. „Was wollt Ihr denn hier?“, ruft Sozialdezernent Gerwin Stöcken erstaunt, als er die Reporter erblickt. Stöcken hat zwei blaue Säcke dabei. „Wir haben die Kinderzimmer aufgeräumt. Meine Frau hat dann gesagt, ich soll das endlich mal wegbringen“, erklärt Stöcken. Auf dem Abfallwirtschaftshof sind eben alle gleich. Und auch Dezernenten müssen ab und zu mal zu Hause aufräumen.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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