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Klare Ansage für Wettbüros

Stadt Kiel Klare Ansage für Wettbüros

Immer mehr Betreiber von Spielhallen und Wettbüros möchten in Kiel Läden eröffnen. Diese Unternehmen erwirtschaften mit der Spielsucht vieler Menschen satte Gewinne. Eine Ballung derartiger Läden auf engem Raum hat auch negative Effekte für ein Stadtviertel. Die Stadt will jetzt mit einem planerischen Konzept die Ansiedlung neuer Vergnügungsstätten ordnen. Bereits ansässige Betriebe genießen Bestandsschutz.

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In den Wettlokalen können Zocker auf fast alle Sportarten wetten. Besonders beliebt ist der Profifußball, gerne wird aber auch auf den Sieg einzelner Spieler beim Tennis gesetzt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Mehr als drei Spielhallen oder Wettlokale in unmittelbarer Nähe könnten zu einer Abwärtsentwicklung des dortigen Geschäftsbereichs führen, dem sogenannten Trading-Down-Effekt“, erklärt Florian Gosmann, Leiter des Stadtplanungsamtes. Die Ketten könnten durch die hohen Einnahmen hohe Mieten zahlen und so andere Händler verdrängen. Spielhallen mit den zugeklebten Fenstern seien unattraktiv und ein Störfaktor. „Die Folge wären zunehmende Leerstände und ausbleibende Kundschaft. Die Nachbarlagen werden runtergezogen“, so Kiels oberster Stadtplaner.

Bisher gibt es in der Innenstadt vier Wettlokale, zwei davon an der Küste. In Gaarden können Zocker in einem Etablissement auf sämtliche Sportveranstaltungen tippen. Mehr als zehn Hallen mit Spielautomaten stehen auf dem Westufer, drei in Gaarden. Ballungen gibt es wiederum an der Küste, im Cap am Hauptbahnhof und im Bereich Exerzierplatz. „Der Bereich Küste ist mit seinen Bordellen und dieser Art von Vergnügungsstätten etabliert“, sagte Projektleiter Sven Graber. Sie hätten sich bisher nicht durch einen nachweislichen Trading-Down-Effekt oder durch störenden Lärm auf die Innenstadt negativ ausgewirkt. Mit den Leitlinien zur Ansiedlung von Vergnügungsstätten in Kiel soll jetzt eine weitere Konzentration an anderen Stellen im Stadtgebiet verhindert werden.

Das Konzept soll künftig als eine Art Grundlage dienen, die berücksichtigt wird, wenn Bebauungspläne aufgestellt werden. Demnach lässt die Verwaltung weitere Spielhallen und Wettlokale zu, aber nur an drei Standorten. „Das Vergnügungsviertel an der Küste hat jetzt bereits die höchste Dichte mit fünf Spielhallen und Bordellen. Dort ist eine Ansiedlung möglich“, erklärte Graber. Auch rund um die Spielbank am Bootshafen können Betreiber Läden eröffnen. Der dritte Bereich ist das Cap, in dem es bereits zwei Spielhallen und eine Diskothek gibt. „Uns liegen derzeit bis zu zehn Anfragen vor“, sagte der Projektleiter. Die Leitlinien werden jetzt in den städtischen Gremien beraten, ausgelegt, gegebenenfalls nachbearbeitet und dann vom Rat beschlossen.

Echte Zocker setzen auf fast alles

Die Wand hängt voller Monitore, auf denen aktuelle Spiele mit den Quoten angezeigt werden. In Wettlokalen können Zocker auf fast alle Sportarten einen Tipp abgeben: Tennis, Handball, Volleyball, Boxen... Am meisten interessiert der professionelle Fußball. Im Fokus der Tipper stehen auch Ligen in Ägypten, Mexiko – und natürlich die Bundesliga. Gewettet werden kann beispielsweise auf das Endergebnis, den Halbzeitstand, wer das erste Tor schießt. Auch Live-Wetten sind möglich. Die Quoten legen Buchmacher fest. Sie haben alle Spiele im Blick und entscheiden manchmal minütlich, wie viel Geld ein Spieler mit nach Hause nehmen kann – wenn er mit seinem Tipp richtig lag.

 Ein Mitarbeiter berichtet, dass das Büro zu Beginn der Bundesligasaison immer besonders voll sei, weil es die Zocker nach der langen Abstinenz in den Fingern jucke. Viele geben Tipps ab, wer Meister wird oder absteigt. Die Buchmacher achten bei ihren Quoten darauf, dass am Ende das Unternehmen gewinnt. Auf den mehrfachen deutschen Handballmeister THW wird selten gesetzt. Als dominierende Mannschaft sind die Quoten auf einen Sieg nicht hoch. Oftmals bekommt man für einen Euro Einsatz nur 1,05 oder geringfügig mehr Geld heraus, so der Angestellte. Holstein Kiel ist beliebter. Für das Schlagerspiel am Sonnabend in Bielefeld gibt es bereits Quoten. Sollte Holstein siegen, werden für einen Euro Einsatz 3,20 ausgezahlt. Bei einem Sieg der Arminia gibt es nur 2,15 Euro. Große Gewinne haben Zocker aus dem Laden getragen. Wie der Tresenmann sagte, hat ein Kieler für 20 Euro Einsatz 20000 gewonnen. Das Geld habe er dann sukzessiv wieder in das Büro getragen – verzockt. gsc

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Günter Schellhase
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