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Schwerer Stand für Peter Todeskino

Windpark Flintbek/Meimersdorf Schwerer Stand für Peter Todeskino

So eine gewaltige Kulisse wird einer Bauausschuss-Sitzung nur selten zuteil. Fast 500 Menschen drängten sich am Dienstagabend in der Turnhalle der Johanna-Mestorf-Schule. Laut Tagesordnung ging es um einen Meinungsaustausch zum geplanten Windpark Flintbek/Meimersdorf.

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Eindrucksvolle Kulisse für eine hitzige Diskussion: Etwa 500 Besucher kamen die Sporthalle der Johanna-Mestorf-Schule, um an der Sondersitzung des Bauausschusses zum geplanten Windpark Flintbek/Meimersdorf teilzunehmen.

Quelle: Sven Janssen

Kiel . Doch statt Argumenten prallten zwei Stunden lang vorwiegend Emotionen aufeinander.

Dabei hatte die Stadt, so gut es ging, Vorsorge getroffen. Große Plakate an den Wänden mahnten die Besucher, einander zuzuhören und respektvoll miteinander umzugehen. Doch mit zunehmender Hitzigkeit der Wortgefechte drohten solche Mahnungen in Vergessenheit zu geraten.

So lief die bewusst von externen Moderatorinnen geleitete Veranstaltung fast aus den Fugen, als sich ein Meimersdorfer Bürger direkt an den Baudezernenten Peter Todeskino mit der Frage wandte: „Wie ist es zu erklären, dass das erst 2008 zum Landschaftsschutzgebiet erklärte Areal für den geplanten Windpark jetzt aus seiner Schutzwürdigkeit entlassen werden soll?“

Todeskino blieb jedoch eine Antwort darauf schuldig, verwies stattdessen auf den Umstand, dass dies eine von den Ratsfraktionen initiierte Veranstaltung sei: „Da hat die Verwaltung Sendepause, daran halte ich mich.“ Daraufhin wogte eine lautstarke Welle der Entrüstung mit wütenden „Buhs“ und „Pfui“-Rufen durch die Halle.

Angefacht wurde der Zorn der Windpark-Gegner, die offenbar eine deutliche Mehrheit in der Halle bildeten, durch die Ausführungen der Bürgerinitiative „Windvernunft“. Deren Vorsitzender Mathias Werner fuhr in seinem Kurzvortrag mit dem provozierenden Titel „Das Vorzeigeprojekt der Kieler Energiewende? Täuschen, drohen, manipulieren“ schwere Geschütze gegen den Dezernenten auf.

Nach Einsicht in die Akten gäben diese Aufschluss über „jede Menge Ungereimtheiten“. Trotz intern kommunizierter mehrfacher Warnungen und Bedenken seiner Mitarbeiter habe Todeskino das Projekt „durchgedrückt“. Wider besseren Wissens werde der Öffentlichkeit bewusst Kompromissbereitschaft zur Höhe der Windkraftanlagen von 200 Metern „vorgegaukelt“, obwohl solche Kompromisse verwaltungsintern als „definitiv ausgeschlossen“ gelten würden. Zudem beschuldigte Werner die in der FM Wind GmbH zusammengeschlossenen Investoren, Druck auf die Verwaltung auszuüben.

Die Behauptung des Vorsitzenden der Bürgerinitiative, Todeskino habe die Fläche für die Windkraft-Anlagen „an allen relevanten Gremien vorbei“ beim Land als Eignungsgebiet für Windkraft angemeldet, wies Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am Mittwoch als „unwahr“ zurück und forderte die Initiative zur Rücknahme dieser Behauptung auf.

Auch die Befürworter des Windparks mit insgesamt fünf je 200 Meter hohen Windkraftanlagen (drei auf Kieler, zwei auf Flintbeker Gebiet) nutzten am Dienstag die Chance, ihre Argumente für die Umsetzung des Projekt zu erläutern. Mit rund 900 Metern Entfernung zum nächstgelegenen Wohnhaus liege dieser Wert noch 100 Meter über dem gesetzlichen Mindestwert, erklärte der FM-Wind-Geschäftsführer Hans-Günther Lüth.

Ungläubige Lacher und „Buh“-Rufe musste sich Lüth allerdings nicht nur bei der Schilderung von Vorteilen wirtschaftlicher („mehr Gewerbesteuern für die Gemeinde“) oder ökologischer Art („sauber erzeugter Strom aus und für die Region“) anhören. Besonders heftige Entrüstung schlug ihm bei seiner Antwort auf die Frage entgegen, ob sich Windparks nicht negativ auf den Wert benachbarter Immobilien auswirkten. Lüth: „Ganz im Gegenteil. Mir wurde berichtet, dass gerade Häuser in unmittelbarer Nähe der Anlagen im Wert sogar gestiegen sind.“

Am Ende der Debatte versuchte Moderatorin Nicola Harder den Besuchern eine beruhigende Nachricht mit auf den Heimweg zu geben: „Es ist noch nichts entschieden.“ Alle auf Papierbahnen notierten Argumente würden vom Ausschuss erst noch abgewogen.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Windpark Flintbek/Meimersdorf
Foto: Mathias Werner, Vorsitzender Bürgerinitiative: „Die von uns nicht beabsichtigte, missverständliche Deutung der Formulierung haben wir in Außenwirkung und Bedeutung unterschätzt, was wir ausdrücklich bedauern.“

Die Bürgerinitiative „Windvernunft“ rudert im Streit mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zurück. Die Formulierung, Bauderzernent Peter Todeskino habe Planungen „an allen relevanten Gremien vorbei“ beim Land angemeldet, zieht die Initiative nun zurück.

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