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Licht ist mehr als Helligkeit

Wintersonnenwende in Kiel Licht ist mehr als Helligkeit

In der Vorweihnachtszeit mit ihren kurzen, oft grauen Tagen ist natürliches Licht Mangelware. Die gute Nachricht: Ab sofort gibt es wieder mehr davon, denn am heutigen Dienstag ist der kürzeste Tag des Jahres.

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Lichttherapie gegen Depressionen: Auch Prof. Robert Göder setzt bei einigen seiner Patienten in der Klinik für Psychiatrie am ZIP helle Lichtwände mit Tageslicht ein.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Zwar gibt es Kerzenschein und Lichterketten im Überfluss, doch das für Menschen so wichtige Tageslicht ist nur wenige Stunden am Tag vorhanden – meistens dann, wenn wir bei der Arbeit oder in der Schule sind. Dabei ist Licht viel mehr als Helligkeit, sagt auch Prof. Robert Göder, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Leiter des Schlaflabors im Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) am Universitätsklinikum in Kiel. „Licht ist der wichtigste Taktgeber, den wir überhaupt haben.“

 Licht ist auch für Menschen lebenswichtig: Es steuert den Tag-Nacht-Rhythmus, es kurbelt die Produktion von Vitamin D an, spendet Energie und Lebensfreude. „In der Forschung ist die Bedeutung des Lichts in den vergangenen Jahren sogar noch gewachsen“, sagt Robert Göder. Denn bei allem Guten, das Licht bewirkt, kann ein Mangel deutlich negative Auswirkungen haben – von Müdigkeit über Verstimmungen und Antriebslosigkeit bis hin zur handfesten Winterdepression, einer Unterform der Depression. Die „Saisonal Abhängige Depression“ (SAD) tritt vor allem in den Herbst und Wintermonaten auf.

Hier finden Sie einen Überblick über Kiels hellste Orte.

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 Wenn die Tage kürzer werden, ändert sich der Lebensrhythmus, obwohl die meisten Menschen behaupten würden, dass sie wie immer ihren Alltag leben. Tatsächlich verbringen sie wenig Zeit im Freien und sind weniger aktiv. Auch das Schlafbedürfnis und der Hunger auf Kohlenhydrate wachsen. „Man kann diesen Zustand schon mit einer Art Winterschlaf vergleichen, auch wenn wir unser Leben heute nicht mehr der Jahreszeit anpassen“, sagt Robert Göder. Ursache ist die vermehrte Ausschüttung des müde machenden Hormons Melantonin bei Dunkelheit. Licht dagegen bremst die Melatonin-Produktion und wirkt direkt auf die innere Uhr.

 Eine Therapie mit Lichtlampen und Lichtduschen kann Menschen, die stark auf winterliche Dunkelheit reagieren, helfen. Auch Robert Göder setzt bei einigen seiner Patienten helle Lichtwände mit Tageslicht ein. Wichtig: Sie müssen mindestens 2500 Lux stark sein, noch besser sind 10000 Lux. Je nach Lichtstärke verbringen Betroffene zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden davor. Die Strahlung wird über die Netzhaut aufgenommen. „Licht braucht man, um zu einem normalen Rhythmus zurückzufinden“, sagt der Mediziner. Weitere Möglichkeiten, wie man schneller aus der Dunkelheits-Falle herauskommt, bieten Bewegung und frische Luft – am besten in Kombination. Selbst bei einem wolkenverhangenen Himmel bekommt der Körper so eine natürliche „Lichtdusche“.

 Übrigens sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Chronobiologie sehr arbeitnehmerfreundlich: „Eigentlich sollte man erst anfangen zu arbeiten, wenn es hell ist“, sagt Robert Göder. Auch die Schule fange deutlich zu früh an. „Vor allem Jugendliche sind Eulen-Typen, die können sich um acht Uhr morgens noch gar nicht konzentrieren.“ Und schon gar nicht, wenn es draußen noch dunkel sei. Da sie aber nun mal müssen, bevor sich diese Einsicht auch im Bildungsministerium durchgesetzt hat, können sie sich heute über die Wintersonnenwende freuen. Ab jetzt werden die Tage wieder länger. Und das bedeutet mehr Licht – für Lerchen wie für Eulen.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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