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Überzeugungsarbeit in Sachen Restsüße

„Winzer des Jahres“ in Kiel Überzeugungsarbeit in Sachen Restsüße

Deutschlands „Winzer des Jahres“ Thomas Haag machte mit seinen Moselweinen in Kiel Station. Das Jahr für seinen Besuch hätte besser nicht gewählt sein können: Ende 2014 wählte der Gault et Millau Weinguide Deutschland Haag zum „Winzer des Jahres 2015“ und verlieh Schloss Lieser zugleich die Höchstwertung von fünf Trauben, die in Deutschland insgesamt nur elf Weingüter tragen.

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Deutschlands „Winzer des Jahres“ Thomas Haag machte mit seinen Moselweinen in Kiel Station.

Quelle: Oliver Stenzel

Kiel. Eines davon ist das elterliche Weingut Fritz Haag, das von Thomas Haags Bruder Oliver bewirtschaftet wird. „Damit halten wir im Gault et Millau zusammen zehn Trauben, das hat es tatsächlich noch nicht gegeben“, berichtet Thomas Haag und ergänzt, dass sein Vater Wilhelm sich bei der Preisverleihung sehr über den Erfolg der Söhne gefreut habe.

 Eigentlich wollte Thomas Haag bis zum Sonnabend in Schleswig-Holstein bleiben, dann nur noch bis zum Freitag: „Aber nach der jetzigen Wetterlage fahren wir wohl schon am Donnerstag wieder an die Mosel.“ Denn auf seinem dortigen Weingut Schloss Lieser geht es jetzt schon wieder an die Ernte – die wichtigste Zeit des Jahres für den Winzer, der am Wochenende ins Hotel Birke gekommen ist, um seine Weine vorzustellen.

 Dass der Endvierziger sich Anfang der 90er-Jahre dafür entschied, nicht an der Seite des legendären Familienoberhaupts groß zu werden, sondern mit Schloss Lieser einen Neuanfang zu wagen, sei ein natürlicher Prozess gewesen, betont Haag: „Eine solche Zusammenarbeit muss schon auch sehr gut funktionieren – ich glaube, ich wäre nicht der Typ dafür gewesen. So konnte ich von Anfang an mein eigenes Ding machen und konsequent meinen Stil entwickeln.“

 Fragt man ihn, wie er diesen in der Fachwelt hoch geschätzten Stil selbst beschreiben würde, gibt er sich bescheiden: „Wir arbeiten relativ traditionell und puristisch, respektieren die Lage, aus der die Trauen kommen. Unsere Rieslinge sind einerseits komplex und intensiv, ohne üppig und fett zu sein. Und sie sind andererseits fein und filigran, ohne dabei dünn zu wirken. Und obwohl wir auch trockene Weine produzieren, zählt die moseltypische Restsüße natürlich zu unseren besonderen Spezialitäten.“

 Haag weiß, dass man dafür heute auch als Spitzenwinzer Überzeugungsarbeit leisten muss: „Das Gros der Weine, die heute in Deutschland verkauft werden, ist trocken. Mir ist es deshalb auch gerade bei solchen Präsentationsveranstaltungen wichtig, zu zeigen, über wie viel Reiz ein Riesling mit einer gewissen Süße und einem niedrigen Alkoholgehalt verfügt.“ Dass es bei Haag ausschließlich um Riesling geht, versteht sich von selbst: „Er ist im Weißweinbereich einfach die spannendste, faszinierendste und vielfältigste Rebsorte, die es gibt.“ Was er seinen Gästen in Kiel ansonsten vermitteln möchte? „Dass wir authentischen Weinbau betreiben – und dass das mit einem Haufen Arbeit verbunden ist.“

 Höchstens zehn Tage im Jahr bleiben ihm diesem Ethos entsprechend Zeit, um seine Weine in Deutschland zu präsentieren. Nach dem Gastspiel im Hotel Birke geht es noch für den verkürzten Trip weiter nach Sylt: „Früher hat man ab und zu mal den Wetterbericht gehört und blieb gelassen“, erinnert sich Haag. „Heute schaut man dauernd aufs iPhone und will auf jeden Hagelschauer reagieren.“

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