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Neue Heimat in Rumänien

Wisentbulle aus Kiel Neue Heimat in Rumänien

Großwildjäger Heino Krannich legt sein Narkosegewehr an und drückt ab. Der Pfeil mit dem Betäubungsmittel trifft ins Hinterteil, Kiwi hoppelt noch drei Schritte und bleibt stehen. Ein paar Minuten später bricht er zusammen. Der anderthalb Jahre alte Wisentbulle aus dem Hasseldieksdammer Gehege soll nach Armenis in den rumänischen Südkarpaten umgesiedelt werden.

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Tierarzt Markus Wirth implantiert Kiwi einen Mikrochip, an dem er später in Rumänien erkannt werden kann. Heino Krannich (von links) hatte das Tier betäubt, Tierpfleger Andreas Staack die anderen Wisente weggelockt. Amtstierärztin Dr. Dorle Tischbirek untersuchte das Tier später auf TBC. Stadtförster Anton Gondorf freut sich, dass alles glatt abläuft.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Kiwi ist das zweite Tier, das die Stadt abgibt, um den Bestand der Wisente in Europa zu sichern. Etwa 5000 gibt es, doppelt so viele müssten es sein.

 Stadtförster Anton Gondorf ist froh, dass Kiwi geht. „Denn Vater Arno, der mächtige 800-Kilo-Zuchtbulle, sieht in seinem Sohn einen Konkurrenten. Wilde Kämpfe sind nicht ausgeschlossen“, sagt er. Kiwi schnarcht mittlerweile tief und fest. Tierarzt Markus Wirth implantiert ihm einen Mikrochip, zapft Blut ab für spätere Untersuchungen. Amtstierärztin Dr. Dorle Tischbirek prüft, ob das Wisent TBC hat. „Nach dem Gesetz gibt es für Transport und Wiedereingliederung einen immensen Papieraufwand. Die Untersuchungen werden zur Stressminderung für das Tier während der Betäubung vorgenommen“, erklärt der Stadtförster. Er freut sich, dass die Stadt auf das Schlachtgeld verzichtet und Grünflächenamtsleiter Günter Horstmann die Umsiedlung befürwortet.

 Wisente lebten in ganz Europa, auch in Schleswig-Holstein waren sie heimisch. Um 1919 wurde der letzte freilebende Wisent im Rückzugsgebiet des Urwalds von Bialowieza in Polen erlegt. Seit 1929 wurde aus den erhalten gebliebenen Tieren aus Reservaten und Tierparks der heutige Bestand nachgezüchtet. Daran waren zwölf Paarhufer beteiligt. Durch die geringe Anzahl haben alle Wisente eine nahe Blutsverwandtschaft und weisen stark ausgeprägte Inzuchtmerkmale auf: Die Tiere werden oft krank und sind häufig unfruchtbar. Um den Bestand zu sichern und die Tiere widerstandsfähiger zu machen, gibt es die Auswilderungsprogramme. „Wir hoffen, dass sich die Tiere in eigenständigen Herden in der freien Wildbahn abhärten und sich durch eigene Nahrungssuche sowie Umwelteinflüsse die Genetik verändert“, erklärt Gondorf.

 Die größte Herde mit 300 Wisenten lebt in Bialowieza an der Grenze zu Weißrussland. Hier wird auch das Zuchtbuch geführt, in dem alle Tiere erfasst sind. So auch der Jungbulle Kimi aus Kiel, der vor zwei Jahren nach Südpolen umgesiedelt wurde. Kiwi geht Ende der Woche auf seine Reise. Der Transporter fährt über die Schweiz, Belgien und Frankreich und lädt 18 Wisente ein, bevor er sich nach Rumänien auf den Weg macht. Derweil hat Krannich Kiwi ein Antiserum gespritzt, das nach wenigen Minuten Wirkung zeigt – der Jungbulle steht auf, schaut verstört und stakst davon.

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Günter Schellhase
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Von Kiel nach Rumänien
Foto: Wisentbulle Kiwi wird verladen: Nach der Betäubungsspritze wird er mit vereinten Kräften in eine Transportbox gezogen.

Wisentbulle Kiwi hat das Wisentgehege Hasseldieksdamm verlassen und ist auf dem Weg in die Freiheit. Am Donnerstag wurde das 300 Kilogramm schwere Jungtier erneut betäubt und verladen.

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