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Wo ist der Sommer?

Eine Suche in Kiel Wo ist der Sommer?

Seit Wochen dieser Sonnen-Wolken-Regenmix, gelegentlich Aufheiterung, oft aber Gewitter mit Starkregen. Auf dem Kalender steht aber Sommer, nur will der einfach nicht erscheinen. Wir haben ihn gesucht – und Menschen gefunden, für die der Sommer auch ohne viel Sonne eine warme Jahreszeit ist."

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Sie haben den Falckensteiner Strand fast ganz für sich allein: Christoph Bünger und Freundin Fee Herz-Hansen genießen die Ruhe. Die Hitze vermissen sie nicht.

Quelle: Hamid Saeidi

Kiel. Sonne(n) ist ihr Job
Heike Wendt hat jeden Tag so viel Sonne, wie sie will. Die kommt zwar nur aus strahlenden Maschinen mit kraftvollen Namen wie Megasun oder Soltron. „Aber man fühlt sich hinterher trotzdem rundum wohl, Kreislauf und Stoffwechsel werden angeregt. Und es ist nicht so heiß wie in der prallen Sommersonne. Wunderbar“, schwärmt die Mitarbeiterin im Solarium Sunlife. Der Schmuddelsommer ist offenbar gut fürs Geschäft. Deutlich mehr Kunden „so 20 bis 30 Prozent“ als sonst im Juli holen sich in diesen Tagen hier ihre Wärme- und Bräuneration ab – „übrigens genauso viele Männer wie Frauen“, ergänzt die 52-Jährige schmunzelnd.
Sie hat Sonne im Buch
Für Sünje Krischak kommt ein Solarium („Tussi-Toaster“) als Ersatz für richtige Sonne auf keinen Fall in Betracht. Trotz dräuend-drohender Wolkenpakete über der Förde zieht die 27-Jährige einen Besuch des Falckensteiner Strandes vor. Dass es in den vergangenen Wochen kein richtiger Sommer war, findet die Maschinenbau-Studentin nicht schlimm. „Da kam ich wenigstens zum Lernen für die Klausuren, ohne mich zwischen Büchern und Strand entscheiden zu müssen.“ Ins Wasser zieht es die Studentin angesichts mäßiger Temperaturen nicht, dafür verheißt das Buch neben ihr auf der Decke immerhin sommerliches Lesevergnügen. Der Titel des Schmökers von Khaled Hosseini lautet: „1000 strahlende Sonnen."
Mit wenig Sonne zufrieden
Den Staub vieler alter Bücher lässt sich am Falckensteiner Strand Christoph Bünger aus Haaren und Kleidern wehen. Versonnen sitzt der Inhaber des Antiquariats „Bücherwurm“ mit Freundin Fee Herz-Hansen am Wasser, lauscht dem Schmatzen kleiner Wellen und den Kreischen der Möwen. „Wer braucht hier schon 30 Grad“, sagt der gebürtige Strander und blinzelt in die winzige Wolkenlücke: „Hier leben zu dürfen, ist auch so ein echtes Geschenk.“ Freundin Fee lächelt dazu. Denn sie musste ihren „Bücherwurm“ erst mit gutem Zureden von einem Strandbesuch überzeugen: „Denn wer hier lebt, weiß: Man muss jede helle Minute nutzen und rausgehen. Hinterher geht’s einem dann gut."
Er hat die Wärme im Herzen
So richtig gut geht es auch Dirk Lindenberg-Richter. Ihn stört es nicht, dass es nach dem Regenschauer unter dem großen Sonnenschirm im Biergarten der Forstbaumschule jetzt fast frostig ist. Er trägt noch das warme Gefühl seiner Reise in die Ukraine in sich und auf der Haut. Über 40 Grad heiß war es da. Aber die innere Wärme kommt von der Genugtuung, Menschen in Not dort geholfen zu haben. Gemeinsam mit Ärzten, Professoren und Mitarbeitern der Kieler Uni haben sie Hilfsgüter in das Krisengebiet gebracht. Was und wohin genau, mag der gelernte Maurer nicht sagen, der seit Jahren seinen Urlaub für die Aufgabe hergibt: „Wir machen unsere Arbeit im Stillen, das ist auch gut so. Urlaub, Sonne brauche ich nicht. Meine Zufriedenheit kommt ganz woanders her."
Für sie ist der Sommer ein Spiel
Mehr als zufrieden sind „Cleo 4.20“, „Pristarrr“ und „Loonakia“. Für die Gamer im Hiroshimapark ist der Höhepunkt des Sommers erreicht. Auch ohne Wärme, Wasser oder Würstchen vom Grill. „Brauchen wir alles nicht“, sagt Basti (18), ohne den Blick vom Smartphone mit dem brandneuen Pokémon-Spiel zu wenden: „Wir sind Vollzeit-Zocker. Unsere Eltern sind froh, wenn wir dabei mal nicht an unseren Rechnern zu Hause sitzen.“ Den Jugendlichen ist es recht, dass die Sonne nicht scheint, würde eh’ nur die Sicht aufs Display behindern. Die sonst hier im Jeppe-Hein-Brunnen plantschenden Kinder und auf Liegestühlen in der Sonne dösenden Eltern sind nun ganz weit weg. Noch.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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