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Platz ist in der kleinsten (Bau-)Lücke

Wohnbauatlas Kiel Platz ist in der kleinsten (Bau-)Lücke

Die Stadt Kiel will alle Register ziehen, um mehr Wohnungen zu schaffen. In einem Wohnbauatlas wurden deshalb alle städtischen und privaten Grundstücke erfasst, auf denen noch Wohnungen entstehen können.

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Das Land will das Containerdorf für Flüchtlinge am Nordmarksportfeld zum Jahresende auflösen. Die Stadt möchte dort Wohnungen bauen lassen und hofft auf das Verständnis der Nachbarn.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Ergebnis: Wenn alle Eigentümer mitziehen würden, könnten 9000 bis 9500 Wohnungen entstehen, ohne dass neue Wohngebiete ausgewiesen werden müssten. „Zwingen können wir die Eigentümer nicht, aber wir wollen sie beraten und überzeugen. Wir können keine Fläche mehr brachliegen lassen“, erklärt Sozialstadtrat Gerwin Stöcken.

Kiel ist eine flächenarme Stadt. Deshalb soll das vorhandene Potenzial so weit wie möglich ausgenutzt werden. Das gilt für Baulücken, die brachliegen, aber auch für die Bebauung in Hinterhöfen. Stöcken hat bereits mit mehreren Eigentümern gesprochen. „Es sind ältere Herrschaften, die nicht mehr selbst bauen wollen, ihr Grundstück aber in der Familie oder im Firmenbesitz halten möchten. Das ist verständlich, aber auch hier appellieren wir an den guten Willen und die gemeinsame Verantwortung“, sagt Stöcken und meint damit die jüngste Prognose. Danach muss in der bereits jetzt angespannten Wohnungssituation in den kommenden Jahren Wohnraum für 26000 zusätzliche Bürger geschaffen werden.

Eine weitere Option sieht Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in der Aufstockung von Gebäuden, die nach den Bombenschäden im zweiten Weltkrieg nur noch als Erdgeschoss oder eingeschossig existieren. Solche Beispiele zwischen mehrgeschossigen Häusern gibt es zum Beispiel in der Holtenauer Straße und im Schülperbaum, also in zentralen Lagen.

Stadt will auch selbst Wohnungen errichten

Die Stadt will den Wohnbauatlas aber auch selbst nutzen und auf eigenen Grundstücken Wohnungen errichten – in Mehrfamilienhäusern oder in gemischten Gewerbe-/Wohngebäuden. Grundlage soll das Kieler Modell sein. Die Wohnungen sollen günstige Mieten ermöglichen und sind für jene Gruppen gedacht, die es schwer haben auf dem Wohnungsmarkt: Ältere, Studenten und Auszubildende, Familien, Flüchtlinge, kurz: Menschen mit und ohne Wohnberechtigungsschein. „Wir wollen eine soziale Mischung und eine gute Nachbarschaft fördern. Deshalb identifizieren wir im Wohnbauatlas zurzeit auch die jeweiligen Integrationspotenziale vor Ort“, sagt Stöcken.

Zunächst sollen so an elf Standorten rund um die Förde etwa 200 Wohnungen entstehen. Den Auftakt macht ein Haus mit 20 bis 25 Wohnungen in Dietrichsdorf. Der Baubeginn ist für Herbst geplant. Bei den genauen Standorten hält sich die Stadt noch bedeckt. Man will zuerst die Ortsbeiräte informieren. Klar ist aber: Wenn die Stadt keine Investoren für die Bauvorhaben findet, will sie selbst bauen. „Das geht auch ohne kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die Verwaltung würden wir in professionelle Hände legen“, sagt Stöcken. Eine weitere Option ist das städtische Grundstück am Nordmarksportfeld. Bis zum Jahresende ist dort noch die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge untergebracht. Das Land will sie – ebenso wie die Erstaufnahme am Niemannsweg – zum nächsten Jahr auflösen. Die Stadt will dort keine Container mehr, sondern lieber regulären Wohnraum schaffen. Das ist eine gute Wohnlage, die sicher auf Interesse stößt, ist man bei der Stadt überzeugt.

Auch bereits bebaute Grundstücke werden geprüft

Aber auch bebaute Grundstücke sieht Kämpfer als Standort für Neubau. Zwei konkrete Beispiele aus dem neuen Wohnbauatlas sind die Kinderklinik im Schwanenweg und die Schwimmhalle in Gaarden. Wenn beide Gebäude – durch den Klinikneubau und das neue Hörnbad – nicht mehr benötigt werden, sollen sie abgerissen und für Wohnungsneubau genutzt werden. Zwei Standorte mit unterschiedlichen Stärken. Die ruhige, zentrumsnahe Lage in Düsternbrook gilt als Selbstgänger. Aber auch die erhöhte Lage mit Weitblick neben der Jugendherberge könnte Gaarden auch für Menschen interessant machen, die sich das Leben dort bisher nicht vorstellen können, hofft Kämpfer.

Nicht zuletzt sollen die Neubaugebiete Meimersdorf und Wellsee zu Ende gebracht werden. Das ist bisher aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse nicht passiert, soll jetzt aber angepackt werden. Und bei der Stadt denkt man noch weiter – an interkommunale Wohngebiete etwa mit Altenholz oder Schwentinental. Was bei Gewerbegebieten klappt, müsse doch auch bei Wohnraum möglich sein.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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