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Pläne für Containerdorf sind vom Tisch

Suchsdorf Pläne für Containerdorf sind vom Tisch

In Suchsdorf an der Au wird kein Containerdorf für Flüchtlinge entstehen. Stattdessen werden auf der Fläche preiswerte Wohnungen gebaut. Sie sollen Menschen mit niedrigem Einkommen und Flüchtlingen mit einem Aufenthaltsstatus zur Verfügung stehen.

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Die veränderte Planung in Suchsdorf bedeutet nicht, dass die Stadt keine Flächen für Gemeinschaftsunterkünfte mehr benötigt: Auf dem Parkplatz Tempest in Kiel-Schilksee wird ein Containerdorf für Flüchtlinge errichtet.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Das hat Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) auf Anfrage bestätigt. In Schilksee bleibt es bei dem geplanten Containerdorf auf dem Parkplatz. Dort sollen Flüchtlingsfamilien untergebracht werden.

Das stadteigene Grundstück in Suchsdorf ist – wie auf der Bürgerveranstaltung am 6. Februar angekündigt – inzwischen von der Stadt geprüft worden. Flächen für Containerunterkünfte müssen in Kiel bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Bei dem Grundstück am Steenbeker Weg sind wesentliche Kriterien gegeben: Die Stadt hat Zugriff auf die Fläche, diese ist zur Aufstellung von Containern geeignet, das Wohnen ist dort erlaubt, die Integration möglich und der Stadtteil noch nicht mit Integrationsaufgaben übermäßig belastet.

Weitere mögliche Flächen

Es hakte aber an zwei Kriterien: Die Erschließungskosten sind für ein vorübergehendes Projekt zu hoch. Und: Die Fläche kann alternativ noch sinnvoller genutzt werden. „Sie gehört zu der wenigen Grundflächen, die der Stadt gehören und die sich gut für eine Wohnbebauung eignen“, sagt der Oberbürgermeister. „Deshalb wird die Fläche von einem Hektar jetzt für den Bau von Wohnungen zu günstigen Mietpreisen vorbereitet. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass noch weitere Flächen für den Wohnungsbau folgen. Denn das Gelände ist insgesamt etwa 40 Hektar groß. Das alles werden wir aber erst einmal mit dem Ortsbeirat klären.“

20 Prozent an Flüchtlinge

Fest steht, dass dort, wo ein Containerdorf angedacht war, günstige Mietwohnungen entstehen. Wahrscheinlich baut die Stadt nicht selbst, sondern sucht sich einen Partner. „Wir brauchen schnell mehr Wohnraum für Menschen, die mit ihrer Arbeit kein großes Einkommen erzielen“, sagt Stöcken. Ebenso wichtig: Suchsdorfer, die im Alter eine kleinere und gut zugängliche Wohnung suchen, sollen so in ihrem Stadtteil bleiben können. „Außerdem sollen möglichst 20 Prozent der Wohnungen an Geflüchtete mit Integrationsperspektive vergeben werden, denn wir können nicht zulassen, dass diese neuen Kieler nur in Mettenhof und Gaarden Wohnungen finden“, ergänzt Kämpfer.

Weiterer Zuzug

Die veränderte Planung in Suchsdorf bedeutet nicht, dass die Stadt keine Flächen für Gemeinschaftsunterkünfte mehr benötigt. Zwar kommen durch die Schließung der Balkanroute zurzeit weniger Menschen nach Deutschland. In Kiel ist das aber noch nicht spürbar: Seit Jahresbeginn wurden 647 Menschen neu aufgenommen. Von den 5340 Asylsuchenden in den Landesunterkünften muss Kiel in den nächsten Wochen 8,7 Prozent, also 465 Personen unterbringen. Fazit für den Oberbürgermeister: Kiel muss sich auf weiteren Zuzug einstellen. Und: Kiel muss für eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in der Stadt sorgen. „Die Integration kann nur gelingen, wenn alle Stadtteile, auch die wohlhabenden Ränder, ihren Teil dazu beitragen“, betont Stöcken.

Gemeinschaftsunterkunft in Schilksee

Deshalb könne auch auf die Gemeinschaftsunterkunft in Schilksee festgehalten werden. „Dort sind alle Kriterien für ein Containerdorf erfüllt“, erklärt Kämpfer. Man nehme aber den Vorschlag der Bürger auf und bringe dort ausschließlich Familien unter. „Die Container sind extra für die Familiennutzung ausgelegt“, sagt Stöcken. „Familien machen auch deshalb Sinn, weil die Schule in Schilksee noch Kapazitäten hat. Insgesamt müssen wird auch bei Schulen und Kitas darauf achten, dass einzelne Stadtteile nicht überlastet werden.“ Das Containerdorf für etwa 170 Personen soll ab April auf dem nördlichen Viertel des Parkplatzes Tempest entstehen. Andere Parkflächen waren verworfen worden, weil dort der Abstand zu Wohnhäusern viel geringer gewesen wäre.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Wohnungen statt Container in Suchsdorf – muss man nur laut genug protestieren und schon wird eine Flüchtlingsunterkunft gekippt? Nein. Auf der Informationsveranstaltung im Februar hatte Sozialdezernent Gerwin Stöckern immer wieder betont, dass noch nichts entschieden sei.

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