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Erstsemester suchen nach einer Bleibe

Wohnungsnot in Kiel Erstsemester suchen nach einer Bleibe

Der Druck ist riesig. Vor den schwarzen Brettern an der Uni scharen sich Studierende auf der Suche nach einer Bleibe, haben eine frustrierende Wohnungsbesichtigung nach der anderen oder sitzen weinend beim Mieterverein auf Hilfe hoffend. Sie alle haben dasselbe Problem: eine bezahlbare Wohnung in Kiel finden.

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Lena Schadte ist eine von 22 Kielern, die für Studierende im Rahmen der Asta-Aktion „Deine Couch für Erstis“ eine Schlafmöglichkeit bereit halten.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Die Zahlen: Von den 5200 Neulingen an der Uni kommen 402 aus dem Ausland und 1750 aus anderen Bundesländern nach Kiel. Beim Studentenwerk Schleswig-Holstein stehen für Kiel noch 395 Studierende auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz. Nur 20 Prozent aller Erstsemester haben bereits eine Kieler Anschrift. An der Fachhochschule sind es 436 aus anderen Bundesländern und 93 aus dem Ausland. Das bedeutet: Mehr als 2000 Erstsemester müssen teilweise binnen kürzester Zeit eine Wohnung finden.

In Kiel gibt es laut Mieterverein zwar etwa 130.000 Wohnungen, allerdings nur 3000, die öffentlich gefördert werden und somit im Mietpreis relativ stabil sind. „Pro Jahr wächst Kiel um rund 2000 Einwohner, aber es kommen nicht genügend Wohnungen hinzu. Die Stadt schiebt ein Wohnraum-Defizit vor sich her“, erklärt Heidrun Clausen, Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins. Die Folge: hohe Mieten für wenige Quadratmeter.

Übergangsweise in der Flüchtlingsunterkunft

Davon kann auch Aaron Leithäuser ein Lied singen. Der 22-jährige Student der Fächer Wirtschaftspolitik (Wipo) und Geschichte hat schon 15 Wohnungsbesichtigungen hinter sich. „Manche stecken den Vermietern Geld zu, andere nehmen Wuchermieten für ein Zimmer, das mal gerade zehn Quadratmeter hat.“ Zunächst pendelte Leithäuser zwischen Lübeck und Kiel. Mittlerweile wohnt er in dem Notquartier, das das Studentenwerk am Montag eigens in der Flüchtlingsunterkunft der ehemaligen Bundeswehrfachschule in der Herthastraße für Studierende eröffnete. „Es ist eine tolle Lösung, aber wenn das Lernen losgeht, ist das im Achtbettzimmer nicht möglich.“

Sein Zimmergenosse Sotirios Bashkas sieht das entspannter: „Ich suche eine Fünfzimmerwohnung, in der ich mit vier anderen Studierenden eine WG eröffnen möchte.“ Der 19-jährige Archäologie-Student hat sich vor vier Tagen auf Wohnungssuche begeben, kam die ersten Nächte bei Bekannten unter, bevor er in das Achtbettzimmer zog. 39 der 85 in der Notunterkunft angebotenen Betten sind bisher vermietet. 100 Euro pro Monat zahlen die Studierenden.

Schlafplätze bieten auch 22 Kieler Bürger den Studierenden für ein paar Tage an, die sich an der Aktion des Asta „Deine Couch für Erstis“ beteiligen. Eine von ihnen ist Lena Schadte. „Mein Freund und ich haben eine Vierzimmerwohnung, ein Zimmer davon ist ein Gästezimmer. Wir helfen gern“, sagt die 22-jährige Lehramtsstudentin. Bei ihr ist ein Hamburger Jurastudent untergekommen, der ebenfalls nur 100 Euro für den Monat zahlen muss.

 

"Viele wollen keine Erstis"

Eine Odyssee in der WG-Suche hat auch Catharina Lindwedel hinter sich: „Viele wollen keine Erstis, weil die als Partymacher verschrien sind“, sagt die Agrarwissenschaftsstudentin. Sie wurde schließlich im Internet fündig.

Aber auch auf den gängigen Portalen herrscht Gerangel um Wohnraum: „Wir können beobachten, dass ab Anfang Juli der gesamte Markt für studentisches Wohnen anzieht, sowohl auf der Anbieter- als auch auf der Nachfragerseite“, erklärt Carsten Wagner vom Portal Immobilienscout 24. „Das heißt, dass auch die Anbieter erheblich mehr Anfragen bekommen für WG-Zimmer und günstige Wohnungen und diese Inserate schneller wieder vergeben sind.“

Mauricio Ojeda (22) und Jenny Hildebrandt (21) haben in der Jugendherberge eine Zwischenstation eingelegt. Ojeda kam von Paraguay über Berlin vor vier Tagen nach Kiel, weil er im Losverfahren nachgerückt ist. Hildebrandt überbrückt in der Herberge die Zeit, bis sie am 1. November in ihre Wohnung einziehen kann. „Die habe ich durch Zufall bekommen. Vorher war ich schon fast soweit, im Wohnwagen meiner Eltern zu schlafen.“

Ein Ende der Suche ist also für viele noch nicht in Sicht. Noch bis Anfang November können Nachrücker dazukommen.

Hier gibt es Hilfe

Möglichkeiten für Erstsemester, Wohnungen zu finden, gibt es auch beim Studentenwerk, in der Facebook-Gruppe "Wohnungen frei in Kiel" oder im Projekt "Wohnen für Hilfe", das echte Erfolgsgeschichten schreibt.

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Ein Artikel von
Gunda Meyer
Holsteiner Zeitung

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

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