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Noch einmal an die Förde

Wünschewagen Noch einmal an die Förde

Ein neues Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes will Sterbenskranken letzte Herzenswünsche erfüllen. Renate Orthmann profitierte von dem Wünschewagen bereits. Für sie ging es noch einmal mit der Fähre über die Kieler Förde.

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Renate Orthmann möchte noch einmal mit der Fähre nach Laboe fahren. Ohne den „Wünschewagen“ des ASB hätte sich dieser Traum kaum erfüllen lassen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ein typisch nordischer Januartag: kalt, grau, windig, leichter Regen. „Ich wollte gern nochmal mit der Fähre fahren“, sagt Renate Orthmann am Fähranleger in Möltenort, wo in wenigen Minuten die Fähre ablegt. Was für manche Alltag ist, ist für die 75-Jährige etwas ganz Besonderes – sie ist unheilbar an Krebs erkrankt, diese Fördefahrt könnte ihre letzte sein. Ihr Gesundheitszustand erfordert einen Spezialtransport, der mit untragbaren Kosten verbunden wäre. Doch die ersehnte Fördefahrt kann sie dank des „Wünschewagens“ dennoch machen.

 Das Projekt ist im Dezember vom Arbeiter-Samariter-Bund Schleswig-Holstein ins Leben gerufen worden. „Wir wollen sterbenskranken Menschen letzte Wünsche erfüllen, die sie aus eigenen Mitteln nicht verwirklichen können“, erklärt Projektleiter Marc Wagner. Menschen, die aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht mit gängigen Transportmitteln reisen können, werden im komplett ausgestatteten Wagen von zwei Fachkräften medizinisch und vor allem menschlich betreut. Im Wagen soll möglichst wenig an einen Krankentransport erinnern, Angehörige oder Freunde des Reisenden dürfen mitfahren.

 Reise und Begleitprogramm organisiert Marc Wagner ganz nach den Wünschen seines Fahrgastes. Fast täglich gehen in seinem Büro Anfragen ein. Das junge Projekt sei noch in der Findungsphase, sagt Wagner. Die größte Herausforderung sei es jedoch zu entscheiden, welcher Wunsch erfüllt werden kann und sollte – und welcher nicht. Immer dabei: die Konfrontation mit dem Tod. Der erste Fahrgast ist zwei Tage nach der Jungfernfahrt verstorben. Eine bereits geplante Fahrt musste abgesagt werden – die Reisende, deren letzter Wunsch dies gewesen wäre, starb einen Tag vorher. „Daran kann man sich gar nicht gewöhnen“, sagt Wagner gedämpft.

"Eine wunderbare Idee"

 Doch die Freude der Reisenden überwiegt, und auch für die meist ehrenamtlichen Fachkräfte sind die Fahrten im Wünschewagen bereichernd. „Das Projekt ist eine wunderbare Idee, auch weil wir solche Fahrten in dem Maße nicht leisten können“, sagt Maya Franke Peters, Leiterin des Wilhelminenhospiz Niebüll, die Renate Orthmann auf den Wünschewagen aufmerksam machte.

 „Ich habe wunderbare Erinnerungen an die Förde und an Heikendorf“, erzählt Renate Orthmann auf dem Steg. Als echte „Kieler Sprotte“ hat sie hier viele Urlaube mit der Familie, mit ihren Kindern und Enkeln verbracht und liebt die Förde. An ihrer Seite ist Christiane Effenberger. „Alle Wünsche sterbender Menschen sollten erfüllt werden“, findet sie. Ihr Mann verstarb vor wenigen Monaten im Wilhelminenhospiz. Dort lernte sie Renate Orthmann kennen. Heute verbindet die beiden eine Freundschaft, Christiane Effenberger begleitet ihre Freundin viel im Alltag. „Mir war sofort klar, dass ich mitkomme, als Renate mich gefragt hat.“ Vom Projekt Wünschewagen ist sie, genau wie ihre Freundin, begeistert. „Jeder Wunsch wird von den Augen abgelesen.“

 Der Regen hat inzwischen aufgehört, Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken. Renate Orthmann lächelt in die Kamera, bevor sie mit Hilfe ihrer Freundin und der beiden Sanitäter die Fähre besteigt. Später wird sie von der Fahrt nach Laboe und dem „Abstecher nach Friedrichsort“ erzählen. Was jetzt zählt, ist der Moment.

 

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Ein Artikel von
Nelly Eliasberg

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