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„Ich fühlte so eine tiefe Zufriedenheit“

Yogatag in Kiel „Ich fühlte so eine tiefe Zufriedenheit“

Wenn Sie am Sonnabend Menschen mit Yogamatten unterm Arm durch Kiel tingeln sehen, bitte nicht wundern. Am 8. Oktober findet nämlich der zweite Kieler Yogatag statt. Das ist die Chance für jeden, einmal unverbindlich einen Einblick in das jahrhundertealte Wissen aus Indien zu bekommen.

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Freut sich, anderen Menschen zu zeigen, wie bereichernd Yoga sein kann: Bianca Rönnau. Zusammen mit zwölf weiteren Studios öffnet sie ihre Türen beim zweiten Kieler Yogatag am Sonnabend, 8. Oktober.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Wir trafen uns vorab mit Bianca Rönnau von Baltic Yoga in der Alten Weide, um schon mal ein bisschen etwas über Yoga zu erfahren. Am Ende lernten wir auch etwas über Einschlafprobleme, halb volle Gläser und den dänischen Sternenhimmel.

Eher ein Zufall spült Bianca Rönnau vor rund 15 Jahren zum Yoga. Sie ist damals gerade mit ihrer ersten Tochter Frieda schwanger und soll keinen Sport mehr machen. Kein Reiten mehr, kein Besuch im Fitnessstudio. „Also ging ich zu einem pränatalen Yogakurs und war begeistert“, erzählt die 43-Jährige. „Nach meinem Sport war ich immer glücklich, aber was ich dort erlebte, war etwas anderes“, sagt sie. „Ich fühlte so eine tiefe Zufriedenheit. Das hatte ich noch nie erlebt.“

Etwas später besucht sie einen anderen Kursus und ist enttäuscht. „Die Yogalehrerin erzählte zwischen den Übungen Geschichten, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte“, schildert Bianca Rönnau. „Die gesamte Stunde hat mich nicht berührt.“ Trotzdem gibt sie nicht auf. Testet weitere Lehrer und bleibt am Ball. Ihr Mann schließlich überredet die gelernte Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin dazu, selbst eine Ausbildung zur Yogalehrerin zu beginnen. Und seitdem geht sie stetig diesen Weg.

Yoga ist eine Lebensphilosophie

Sie reist immer wieder zu neuen Lehrern, lernt komplizierte Übungen kennen, lässt sich in Thai-Yoga-Massagen und in Organic-Yoga schulen, erfährt viel Spirituelles, aber auch alles über den Körperaufbau und Energiezentren. „Yoga ist aber in erster Linie eine Lebensphilosophie, die sich im Denken und Handeln ausdrückt“, hat sie festgestellt. Und das lernen ihre Schüler auch in ihren Kursen. „Es kommt nicht darauf an, eine möglichst tiefe Vorbeuge hinzubekommen oder besonders gelenkig zu sein“, sagt sie. „Viel wichtiger ist die innere Einstellung – Dankbarkeit und Respekt zu empfinden und eine liebevolle Achtsamkeit auch für die kleinen Dinge zu entwickeln.“ Die Übungen seien immer nur ein Weg zu einem selbst.

In all den Jahren hat sich Bianca Rönnau viele Gedanken über das Leben und das Universum gemacht. „Allein die Vorstellung, dass auf der Erde unter unseren Füßen schon Wikinger oder Ritter standen, ist faszinierend“, sagt sie. Oder der Atem, der uns alle miteinander verbindet: Was der eine ausatmet, atmet der andere ein. Auch der Wind und das Meer verbinden uns. Alles kommt und geht, ist im Fluß. „Mit diesem Wissen ist es leichter zu sehen: Wir sind alle eins.“ Vor ein paar Wochen im Dänemarkurlaub hat sie abends lange in den Himmel geschaut. Nichts als Wolken, Sterne und die unendliche Weite. „Wenn man dann versucht, sich das alles als schwarz-weiß Negativ vorzustellen, fühlt man sich ganz schnell eins mit dem Universellen“, schwärmt sie.

"Das Glück liegt in uns"

Beim Yoga lernte sie aber auch, wie wichtig der Atem für Körper, Geist und Seele ist. „Das ist der Schlüssel zu allem“, sagt sie. Und bestens im Alltag zu gebrauchen. „Mit Atemübungen können wir die Lebensenergie spüren, bewusst steuern und aktivieren“, sagt Bianca Rönnau. „Es gibt ausgleichende und beruhigende Techniken, aber auch anregende und aktivierende.“ So könne man mit etwas Training vor Prüfungen beispielsweise die aktive Gehirnhälfte rechts wachrütteln. Das schafft man, indem man das linke Nasenloch zuhält und rechts einatmet, beim Ausatmen umgekehrt. Bei Einschlafproblemen müsse man andersherum verfahren. Eben stand sie längere Zeit im Stau. Um sich nicht zu ärgern, atmete sie kräftig und lange aus. „Das hilft immer“, sagt sie lachend. Doch all das brauche Übung und Erfahrung.

Die Körperübungen in der Yogastunde seien nur ein kleiner Teil von dem, was Yoga ausmache. „Es ist wirklich eine komplette Lebenseinstellung“, sagt sie. „Dazu gehört auch positives Denken, dass ich andere nicht beurteile und das Glas eher halb voll sehe. Dann die Meditation, den Raum für Stille. Die Tiefenentspannung, das leise Ich. Und die richtige Ernährung“, so Bianca Rönnau.

Ob sie mal nach Indien – ins Yoga-Ursprungsland – reisen möchte? „Das Glück liegt nicht im Außen. Das Glück liegt in uns“, sagt Bianca Rönnau, die in Kronshagen aufgewachsen ist und nun mit Mann und drei Kindern in Dänischenhagen lebt. Zum Abschied zeigt sie noch ihre Lieblingspostkarte: „Die Kunst zu leben, besteht darin, zu lernen, im Regen zu tanzen, anstatt auf die Sonne zu warten.“ Wie wahr. Wer das Innen und Außen harmonisch zusammenbringt, der tanzt auch bei Sturm und Hagelschauern. Zum Glück scheint draußen gerade die Sonne.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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