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Abbruch verlangt Feingefühl

ZOB in Kiel Abbruch verlangt Feingefühl

Der Kompaktlader stellt sich auf die Hinterräder, als Torben Claußen am Steuer versucht, die Asphaltplatten herauszubrechen. Diese Arbeit gestaltet sich mühsamer, als geplant, weil die Schicht dicker ist, als angenommen. Aber der Abriss des ZOB schreitet voran.

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Das neue Parkdeck des Kieler ZOB soll ab Mitte 2017 fertig sein.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ab Mitte kommender Woche wollen die Arbeiter der Firma Lindenblatt aus Gudendorf bei Brunsbüttel die Galerie zerlegen. Ein großer Bagger steht schon bereit.

Große Teile des oberen Parkdecks sind bereits vom alten Asphalt befreit. Ein Mitarbeiter sägt Quadrate in den Teerbelag, denen Claußen dann zu Leibe rückt. Immer wieder knallt die Gabel des Kompaktladers gegen die Asphaltkante und rutscht schließlich darunter. Dabei wirkt der Lader wie ein motorisiertes Arbeitstier und stellt sich auf die Hinterbeine, bis der Asphalt schließlich aufbricht. Claußen stapelt dann mehrere Platten übereinander, schiebt sie Richtung Rotunde und schließlich in den Abgrund. Laut krachend landen sie unten auf einem Haufen und zerbersten mit einer Staubwolke in zahlreiche Stücke. Wenn die Firma Lindenblatt die Rotunde zerlegt hat, wird der Asphaltberg aus den Resten beider Etagen abgefahren.

 Wegen der fragilen Statik des alten ZOBs aus dem Jahr 1972 kann der Fachbetrieb für selektiven Rückbau diese Arbeiten nicht mit großem Gerät bewerkstelligen. Allein schon der Einsatz der vergleichsweise kleinen Kompaktlader versetzen die Stahlkonstruktion in sanfte Schwingungen. „Mit einer für den Straßenbau üblichen Fräse und dem Herausbrechen mit großen Radladern würde es deutlich schneller gehen, das geht aber aus Gründen der Sicherheit nicht“, erklärte Rainer Schönwetter, ZOB-Beauftragter beim städtischen Tiefbauamt. So wird den deutlich zierlicheren Maschinen alles abverlangt – der Bruch einer Hydraulikleitung ist die Folge. Doch der Schaden ist schnell behoben, und weiter werden Platten für Platten herausgebrochen.

 „Kommende Woche tragen wir die Galerie ab. Ende Mai wollen wir den ganzen ZOB zerlegt haben“, sagte Firmenboss Gunnar Lindenblatt. Dazu wird die Fahrspur der Auguste-Viktoira-Straße vom Bahnhof zum Stresemannplatz gesperrt und in der Gegenrichtung als Einbahnstraße ausgewiesen. Parallel zu den Abbrucharbeiten der Galerie holen Lindenblatts Mitarbeiter dann auch aus der ersten Etage den Asphalt heraus. Das eigentliche Parkdeck wird schließlich von der Seite des Hotel Atlantic her abgetragen. Zunächst schneiden die Männer die Brüstung ab, brechen den Beton heraus und brennen anschließend die Stahlträger durch, das ist der Plan. Die Überbleibsel lädt ein Bagger in Container, die werden zu einer Deponie gefahren. Für den Stahl erwartet die Stadt noch einen guten Schrottpreis, der bei den Kosten von etwa 400000 Euro für den Komplettabbruch gegengerechnet wird.

 Das neue Parkdeck soll ab Mitte 2017 fertig sein. „Wir haben dann 520 Parkplätze auf sechs Etagen“, erklärte Monika Hanke, Werkleiterin des Eigenbetriebs Parken der Stadt. Was genau die Zech-Gruppe auf dem Areal direkt hinter ihrem Hotel Atlantic plant, ist noch immer nicht genau klar. Dazu soll es im Mai ein Spitzengespräch mit der Stadt geben.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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Foto: Die Zufahrt ist gesperrt, dennoch brennt Licht, um den Angstraum ZOB zu erleuchten.

Die Farbe blättert ab, überall blüht der Rost: Die Ära des ZOB geht am Montag definitiv zu Ende. Zunächst werden Lampen, Bänke und andere Einrichtungsgegenstände sowie der Müll entfernt. Anschließend wird die Asphaltdecke des Provisoriums abgefräst, das aus Anlass der Olympischen Segelwettbewerbe 1972 gebaut wurde.

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