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Gedenkstätte für Opfer von Gewalt

Zehnjähriges Bestehen Gedenkstätte für Opfer von Gewalt

Labyrinthe faszinieren die Menschen schon seit mehreren Tausend Jahren. Vielleicht, weil sie sich auf höchst unterschiedliche Weise interpretieren lassen, vielleicht weil sie einfach schön anzusehen sind, wahrscheinlich aber aus beiden und noch allerlei anderen Gründen. Aus einem ganz besonderen Grund jedenfalls entstand das seit genau zehn Jahren bestehende Labyrinth im Werftpark.

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Mit Urheberin Rafaela Schmakowski vorneweg begingen die Frauen und einige wenige Männer das Labyrinth im Werftpark.

Quelle: Martin Geist

Kiel. So schnelllebig ist die Zeit: Angelika Volquartz war Oberbürgermeisterin, Annegret Bergmann Frauenbeauftragte, und andere Frauen, die das Werk an der Werft maßgeblich auf den Weg gebracht hatten, sind ebenfalls nicht mehr in Amt und Würden. Trotzdem waren sie alle da, denn ein klein bisschen stolz ist frau in Kiel immer noch auf das Geschaffene. Schließlich wurde im September 2005 mit dem Labyrinth das bundesweit erste Mahnmal eingeweiht, das weiblichen Opfern von Gewalt gewidmet ist.

 Gleichstellungsbeauftragte Helga Rausch zeigte sich zufrieden über die Wirkung des Labyrinths. „Es ist ein sehr wichtiger und lebendiger Ort in Kiel geworden“, stellte sie fest und verwies zugleich auf die Schattenseite: Immer noch seien viel zu viele Frauen Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt.

 Michaela Peschel vom Autonomen Mädchenhaus Kiel und Elisabeth-Christa Markert vom Frauenwerk Altholstein erinnerten an die lange Vorgeschichte des Projekts. Demnach gab es unter dem Motto „Nein in Stein“ in den Reihen des Frauennotrufs schon 1996 entsprechende Ideen, die jedoch an zu wenig Geld und auch zu wenig offenen Ohren scheiterten.

 Jahre später war die Zeit dann reif, und dabei half auch der Zufall nach. Während die Kieler Frauen einen neuen Vorstoß unternahmen, tauchte im Rathaus die in Basel und Berlin lebende Künstlerin Rafaela Schmakowski auf und schlug eine Gedenkstätte in Form eines Labyrinths vor. Und innerhalb von nur zwei Jahren war diese Idee tatsächlich verwirklicht.

 Markert und Peschel hoben hervor, dass dies nicht zuletzt einer bunten und breiten Kampagne zu verdanken war. An vielen Orten der Stadt warben die Frauen mit kleinen Labyrinthen für ihr Anliegen. Ebenso mit der Aktion „Tausend Trolle“, bei der Massen von Kieler Schülern im Werftpark ein menschliches Labyrinth bildeten.

 Und was soll uns dieses Labyrinth sagen? Rafaela Schmakowski frischte zum zehnten Jahrestag die Erinnerung der Anwesenden auf und blickte kenntnisreich auf die mythische und religiöse Bedeutung von Labyrinthen im Lauf der Jahrtausende zurück. Künstlerisch hat sich Schmakowski von der Überlegung leiten lassen, dass strukturelle Gewalt etwas mit mangelnder Struktur in der Gesellschaft zu tun haben müsse. Dem setzte sie ein Labyrinth als Zeichen vollendeter Struktur entgegen. Elisabeth-Christa Markert fügte dem hinzu, dass das Labyrinth, das auch für Auswege aus der Gewaltspirale steht, darüber hinaus ganz unmittelbar Wirkung zeige. Wer die sieben Umgänge hinter sich hat, erfährt nach ihrer Überzeugung: „Man kommt nie so raus, wie man reingegangen ist.“

 Bewegender Höhepunkt der vom Arbeitskreis Gewalt gegen Frauen organisierten Feier im Werftpark war der Auftritt von drei Frauen, die teils unter Tränen über ihre Fluchterfahrungen in Armenien, Syrien und am Ende des Zweiten Weltkriegs berichteten. Dabei wurde deutlich: Auf der Flucht sind Frauen oft in noch viel höherem Maß von Gewalt bedroht als Männer.

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