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Lieber gleich auf die richtige Schule

Zentrale Anmeldestelle Lieber gleich auf die richtige Schule

Die Verteilung junger Flüchtlinge auf Kieler Schulen soll nun in geordnetere Bahnen kommen. Dabei helfen soll die am Montag eröffnete Zentrale Anmeldestelle an der Gutenbergschule.

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Großer Bahnhof zum Start eines landesweiten Pilotprojektes: Mitglieder der Ratsversammlung waren zur Eröffnung ebenso gekommen wie Bildungsdezernentin Renate Treutel (5. v. li.), Schurätin Barbara Weber (5. v. re.) oder die Leiterin des Amtes für Schulen, Iris Diekelmann (re.).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Deren Aufgabe: Beratung von Familien zum deutschen Schulsystem und Verteilung der Schüler auf freie Plätze im dreistufigen Bildungssystem „Deutsch als Zweitsprache“ (Daz). Die zuvor starke Konzentration von Daz-Schülern an lediglich zwei Daz-Zentren – mit deren Außen- und Nebenstellen waren es insgesamt 13 allgemeinbildende Schulen – hatte noch im April dieses Jahres zu erheblicher Unruhe geführt (wir berichteten). Hauptkritikpunkt dabei war die räumliche Enge in den Schulen, die vereinzelt sogar zu Vandalismus oder Aggressionen unter den Schülern führte.

Seit Beginn des Schuljahres wurde das System nun auf eine wesentlich breitere Basis gestellt. Die aktuell rund 1400 Daz-Schüler können jetzt an insgesamt 35 Schulstandorten aller Schularten unterrichtet werden. Etwa die Hälfte der Schüler besucht dabei allgemeinbildende Schulen sämtlicher Gattungen, die andere Hälfte verteilt sich auf drei Regionale Berufsbildungszentren (RBZ), wenn Schüler 14 Jahre oder älter sind.

Umständliche Suche soll erspart bleiben

Die landesweit erste Zentrale Anmeldestelle in Kiel soll den Familien nun die umständliche Suche nach einem freien Schulplatz ersparen und ihnen dabei helfen, bei der großen Vielfalt den Überblick zu behalten. Welche Schule die passende sein könnte, wird in den Beratungsgesprächen thematisiert. „Dabei müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden“, betont Recai Kurt, der vor seinem neuen Beraterjob Deutsch und Sport an der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule unterrichtete.

So geht es in den Beratungen nicht nur um eine Einführung in das für viele Familien völlig unbekannte deutsche Schulsystem. Recai Kurt ermittelt dabei auch Deutsch-Vorkenntnisse der Schüler, ihren derzeitigen Wohnort und hilft bei der Klärung der damit verknüpften Frage, wie die Schüler die neue Schule am besten erreichen können. „Natürlich streben wir eine möglichst wohnortnahe Schule an. Die Chancen darauf haben sich ja nun mit der wesentlich größeren Auswahl an Schulen deutlich verbessert.“

"Keine verlässlichen Daten"

Sollte die Schule dann doch weiter als zwei Kilometer vom Wohnort entfernt liegen, bieten die Mitarbeiter der Anmeldestelle ebenfalls Hilfestellung. Zum Beispiel bei Anträgen auf Fahrtkostenzuschuss (Eigenanteil: fünf Euro) aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Auch Eltern sollen vor allem jüngere Kinder zumindest in der Eingewöhnungsphase durch kostenfreie Bustickets in die Schule begleiten können.

Mittelfristig will Recai Kurt seine Beratungsarbeit noch weiter ausdehnen. Zum Beispiel durch eine Vereinheitlichung der im Daz-Unterricht verwendeten Lehrwerke oder eine Angleichung der Methodik. „Das wäre insbesondere bei einem Schulwechsel der Kinder und Jugendlichen hilfreich. Das soll aber nicht bedeuten, dass die Kollegen damit keine pädagogischen Freiheiten mehr hätten.“ Aus Sicht von Bildungsdezernentin Renate Treutel hilft die Zentrale Anmeldestelle beim Aufbau eines „verbindlichen Rahmens mit klaren Strukturen“, ohne den Integration nicht gelingen könne.

Ein paar Unsicherheiten gebe es aber nach wie vor. Zum Beispiel die unbeantwortete Frage, wie viele Kinder und Jugendliche künftig noch im Rahmen des Familiennachzuges in Kieler Bildungs- und Betreuungssystemen integriert werden müssten. „Dazu gibt es derzeit keine verlässlichen Daten“, betonte die Dezernentin. Insofern wären Prognosen zu Aufnahmekapazitäten der Schulen im Falle von Familiennachzügen zurzeit noch reine Spekulation.

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