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Zirkan Jalal Wafik Vom Lehrer zum Hilfsarbeiter

Im Irak war Zirkan Jalal Wafik Lehrer. In Kiel ist der 56-Jährige froh, zumindest als Helfer eine Vollzeitstelle bekommen zu haben.

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Zirkan Jalal Wafik arbeitet als Hol- und Bringedienst im Klinikbereich: „Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, wenn man dafür sorgt, dass die Patienten im Krankenhaus immer mit sauberer Wäsche und anderen notwendigen Dingen versorgt sind.“

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel.  1999 flüchtete Wafik aus seiner Heimat, um der Verfolgung zu entgehen. Er landete in München. „Ich wollte sofort arbeiten, aber das ging nicht“, erinnert sich der Familienvater. Doch er hatte Glück, dass er nur wenige Monate warten musste. Seine Anerkennung war unstrittig. Schwieriger war es mit der Sprache. Anspruch auf einen Kursus gab es damals noch nicht. Alltagskontakte, bei denen er Deutsch hätte lernen können, waren rar. Doch er wollte unbedingt arbeiten, hangelte sich von einem Hilfsjob zum nächsten – vom Schnellrestaurant zu einem Automobilkonzern, dann zum Münchner Universitätsklinikum. Dort hätte Wafik gerne als Sterilisationsassistent gearbeitet, aber dazu wäre eine Ausbildung erforderlich gewesen. Mit mehr als 40 Jahren und rudimentären Deutschkenntnissen war der Iraker chancenlos.

 Als er 2013 mit seiner Frau und den Kindern nach Kiel zog, wurde er vom Jobcenter an das (inzwischen beendete) Projekt 50plus Kernig vermittelt – ein Projekt für ältere Arbeitslose. „Bei Herrn Wafik waren sofort Leistungsbereitschaft, großes Engagement und Freundlichkeit zu spüren“, erinnert sich Anna Mergner vom Jobcenter, „aber das Problem waren die mangelnden Sprachkenntnisse“. Deshalb absolvierte der Iraker zunächst den Kursus „Arbeit und Sprache“. Anschließend durfte er sich mit anderen älteren Arbeitslosen der Kieler Firma Reinwerk Objektmanagement präsentieren. Deren Geschäftsführer Murat Dogan erinnert sich gut an diese Begegnung. „Wir arbeiten schon lange gut mit Arbeitsagentur und Jobcenter zusammen. Dort weiß man, wer zu uns passt. Herr Wafik hat sofort einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“

Reinwerk begreift sich als internationales Team: Von den gut 50 Mitarbeitern im Außendienst haben gerade einmal drei deutsche Wurzeln. „Als Sohn türkischer Einwanderer habe ich allerdings auch keine Berührungsängste, kann mit der Scheu aufgrund der Sprachprobleme gut umgehen.“ Außerdem hat Dogan bereits zwei Syrer eingestellt. „Die Flüchtlinge bei uns sind leistungsbereit. Sie wollen wieder auf eigenen Beinen stehen und sind außergewöhnlich dankbar für den Arbeitsplatz. Dafür helfen wir ihnen aber auch, damit sie sich in unserem Sozial- und Rechtssystem zurechtfinden. Das muss ein Geben und Nehmen sein.“

 Auch Zirkan Jalal Wafik selbst erinnert sich gerne an das erste Treffen mit seinem heutigen Chef. „Nach unserem Gespräch hat er mir gesagt: Ich brauche Sie. Das war ein schönes Gefühl.“ Dass er ein Mittfünfziger war, störte Murat Dogan auch nicht. „Ältere Mitarbeiter sind oft verantwortungsbewusster, arbeitswilliger und weniger krank.“ Seit September 2015 arbeitet Wafik bei der Firma in einem Hol- und Bringedienst im Klinikbereich. Das er mit der Tariflohngruppe Eins weit weg ist von seinem ursprünglichen Beruf als Lehrer, ist ihm klar. Aber er müsse realistisch bleiben, was sprachlich möglich sei, sagt er, und dann zeigt er stolz seinen deutschen Personalausweis: als Beweis, dass er es ernst meint mit der Integration.

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