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Kulturgut oder Tierquälerei?

Zirkus Kulturgut oder Tierquälerei?

Wenn ab Dienstag, 1. September, der traditionsreiche Circus Krone für neun Tage auf dem Kieler Wilhelmplatz gastiert, gehören neben Clowns und Artisten auch zahlreiche Wildtiere wie Seelöwen, Elefanten und Raubtiere zu den Attraktionen. Sie ziehen noch immer viele Besucher an – aber auch viele Demonstranten. Zerstörte Werbeplakate und Proteste von Tierrechtlern sind an den meisten Spielorten an der Tagesordnung.

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An ihnen scheiden sich die Geister: Spektakuläre Tiernummern wie die von Martin Lacey im Circus Krone werden gleichermaßen bewundert und gehasst.

Quelle: Cirkus Krone

Kiel. In Kiel wie in vielen anderen deutschen Städten denkt die Verwaltung außerdem laut über die Möglichkeiten eines Platzverbotes für Zirkusse mit Wildtieren nach. Dagegen wehrt sich jetzt das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Zirkus“: In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Ulf Kämpfer setzt sich die Gruppe „biologisch interessierter Zirkusliebhaber“ für den Erhalt des klassischen Zirkus als Kulturgut ein.

Strenge gesetzliche Regelungen für Tierhaltung im Zirkus, gründliche Kontrollen durch Amtstierärzte und Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung belegen nach Ansicht der Bündnismitglieder, „dass es den Tieren im Zirkus gut geht“. Das von Tierrechtlern skizzierte Bild entwürdigter Tiere habe mit der Realität nichts zu tun. Davon könne sich der OB vor Ort selbst überzeugen, heißt es weiter in dem offenen Brief, den das Bündnis nach eigenen Angaben standardmäßig an alle Verwaltungschefs verschickt. „Wir sind aktiver geworden“, sagt Mitglied Dirk Candidus. Das bedeutet nicht nur, offene Briefe und Flugblätter zu schreiben, sondern auch bei fast allen Vorstellungen von Zirkussen mit Wildtieren Gegendemonstrationen zu starten und Infomaterial zu verteilen. Candidus glaubt an die Zukunft dieser Unternehmen, auch wenn immer mehr deutsche Stadtverwaltungen wie in Potsdam und Schwerin versuchen, Platzverbote durchzusetzen. „Die Menschen wollen Tiere sehen, es ist ein natürliches Bedürfnis.“ Die moderne Dressur von Zirkustieren beruhe zudem auf einem engen wechselseitigen Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier. „Der Circus Krone betreibt für das Wohlergehen seiner Tiere einen enormen Aufwand.“

Hervorgegangen ist das Bündnis aus der Gesellschaft der Zirkusfreunde, die auch eine Sektion in Schleswig-Holstein und Hamburg unterhält. Diese ist seit Beginn der Krone-Tournee in Schleswig-Holstein im Dauereinsatz. Die Mitglieder suchen das offene Gespräch vor dem Zirkuszelt – am liebsten mit Gegnern von Tierzirkussen. „Einige von ihnen konnten überzeugt werden, wenigstens in die Tierschau zu gehen“, sagt Sektionsleiter Ottmar Liebicher. Auch in Kiel plant die Sektion vor jeder Vorstellung Aktionen. Das gilt auch für Tierschutzorganisationen wie Peta Deutschland, die dem Bündnis entgegenhalten: „Tiere gehören nicht zum Zirkus!“ Peta übt scharfe Kritik an der Erteilung der Gastspielgenehmigung für Circus Krone. „Die Liste der Missstände bei Krone wird jedes Jahr länger“, sagt Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta. Die Organisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus und verweist auf die nicht artgerechte Haltung in „zu kleinen Gehegen“, die ständigen Transporte und die von Zwang geprägte Dressur.

Geht es nach dem erklärten Willen der Kieler Ratsfraktionen, wäre auch Kiel bereit, ein Platzverbot für Zirkusse mit Wildtieren auszusprechen. Doch noch gibt es nach Angaben von Stadtkämmerer Wolfgang Röttgers (SPD) keine tragfähige rechtliche Grundlage für ein Platzverbot. OB Kämpfer kündigte im Juni an, sich für eine entsprechende Bundesratsinitiative stark machen zu wollen.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kiel
Foto: Nah, aber nicht distanzlos präsentiert Martin Lacey seine Großkatzen.

Mit Superlativen geizt Circus Krone bei der Ankündigung seines Kieler Gastspiels vom 1. bis 9. September auf dem Wilhelmplatz wahrlich nicht: „Weltstadtprogramm“ mit lauter preisgekrönten Artisten, „weltweit größtes Zirkuszelt“ mit fast 4000 Plätzen, rekordverdächtige 500 000 Besucher seit der Premiere der aktuellen Show „Evolution“ im April dieses Jahres.

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