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Thomas Bosch ins Wissenschaftskolleg CIFAR berufen

Zoologie-Professor Thomas Bosch ins Wissenschaftskolleg CIFAR berufen

Der Kieler Zoologie-Professor Thomas Bosch wurde als „Vordenker“ in das renommierte Wissenschaftskolleg CIFAR berufen

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Professor Thomas Bosch, Zell- und Entwicklungsbiologe an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Pocken, Pest oder Polio haben wir überwunden. Stattdessen quälen uns Asthma, Adipositas und Autismus – Krankheiten, die es vor 50 Jahren kaum gab. Was steckt dahinter? Ein Kieler Zoologe kennt Antworten aus der Ur-Matrix des Lebens. Aufgrund seiner Forschungen zu den Beziehungen von Lebewesen, Mikroorganismen und Umwelt sowie als Sprecher des Forschungsschwerpunktes „Kiel Life Science“ und des SFB 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Kieler Uni wurde der Zell- und Entwicklungsbiologe Prof. Dr. Dr. hc Thomas Bosch soeben als „Senior Fellow“ in den erlesenen Kreis des internationalen Wissenschaftskollegs Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR) aufgenommen. Damit ist er nun einer von rund 350 Mitgliedern aus 17 Nationen, die interdisziplinär an Lösungen für globale Probleme in Gesundheit, Technik und Umwelt arbeiten.

 Vielleicht muss dieser Kreis von „Vordenkern“ sogar eines Tages die Welt retten, denn zwar ist es der Menschheit in Kürze gelungen, alte Krankheiten zu besiegen, aber gleichzeitig neue Gesundheitsprobleme zu kreieren. Schuld sind unsere veränderten Sozialstrukturen, unsere Mobilität, unsere Ernährung – lauter Faktoren „die der Biologe in der Vergangenheit kaum betrachtet hat“, so Prof. Bosch. Doch das ändert sich gerade. Plötzlich treffen sich weltweit in interdisziplinären Foren Anthropologen mit Biologen, Philosophen mit Medizinern und wagen „einen neuen Blick auf ganzheitliche Lebensprozesse“, erzählt Bosch. Besonders „wild, sogar bis hart an die Grenzen“ werde etwa in Kanada bei den jährlichen Treffen nachgedacht angesicht zunehmender lebensbedrohlicher Tendenzen. Sogar von Künstlern erhofft man sich Denkanstöße, wie auch beim Internationalen Symposium „Kiel Life Science“ vom 8. bis 10. Juni im Wissenschaftszentrum Kiel.

 In den langen Fluren der „Amöbe“, dem Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität (CAU), ist Prof. Bosch in seinem Element. Hier hat er seine ganz eigene Symbiose gefunden – mit dem Süßwasserpolypen „Hydra“, der hier in Massen gezüchtet wird, und mit den Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern aus Ländern wie Russland, China oder Kolumbien. Sie alle sind für die zentrale Frage „Was ist Leben – und wie funktioniert es?“ eingespannt in die Arbeit mit Hydra, die ähnlich ihrem Vorbild aus der griechischen Mythologie eine riesige Erneuerungskraft besitzt und sich so für die Betrachtung grundlegender Prozesse bestens eignet.

 Doktorand Jinru He aus China legt einige der millimeterkleinen Hydras unters Mikroskop, auf dem Bildschirm präsentieren sich die Organismen vergrößert als durchsichtig-fragile Wesen. Deren 100000 Zellen und eine noch viel größere Anzahl von Bakterien auf der äußeren „Zuckerschicht“ ziehen den Professer nun seit Jahrzehnten in Bann. Wie beeinflussen diese Regeneration oder Fitness? Wodurch wachsen Tumoren? Möglich wurden solche Forschungen erst durch moderne Teleskope, quantitaves Sequenzieren und damit die Entschlüsselung von Erbgut. „Heute können wir ganz tief in Körper hineinschauen. Nun wissen wir, dass wir zehnmal mehr Bakterien als eigene Körperzellen besitzen. Wenn man die nicht hat, ist man krank“, sagt Bosch. Nun gilt es noch, möglichst schnell die Genomik der Umwelt zu durchschauen und die Gesetze der Interaktion zu knacken

 Anwendung sollen die Forschungsergebnisse mit Hydra vor allem bei Darm- und Hautkrankheiten finden, die drastisch zugenommen haben. „Wir haben festgestellt, dass die Diversität des Mikrobions abnimmt“, sagt Bosch, „aber die Vielfalt ist wichtig für unseren Darm und die Haut“. Selbst Tiere litten immer häufiger an Psoriasis oder Dermatitis und müssten sich andauernd kratzen. Ziel sei deshalb vorrangig die Entwicklung verbesserter Therapien für schwerwiegende Umwelterkrankungen. „Dafür wollen wir Empfehlungen geben, denn wir sehen uns als Pioniere“, sagt Prof. Bosch.

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