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Kiel sagt den Pappbechern den Kampf an

Zu viel Müll Kiel sagt den Pappbechern den Kampf an

Sie sind bunt, praktisch, beliebt – und ein Problem: Der Trend, Kaffeespezialitäten aus Einwegbechern zu trinken, ruft Umweltschützer bundesweit wegen wachsender Müllberge und CO2-Belastung auf den Plan. Die Landeshauptstadt will die Nutzung von Einwegbechern eindämmen.

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Schauspielerin Katy Karrenbauer findet es gut, dass die Stadt auf überflüssigen Müll wie Plastiktüten achtet. "Solange die Thermobecher aber 9,99 Euro oder mehr kosten, werden die Leute die günstige Alternative wählen", sagt sie. 

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Noch steht der Kieler Vorstoß, den die Ratsmehrheit von SPD, Grünen und SSW initiierten, am Anfang: Wie auch beim Thema „Plastiktüten freies Kiel“ schlägt die Stadt vor, einen Runden Tisch einzurichten, um herauszufinden, welche Regelung am besten nach Kiel passt. Bundesweit gibt es bereits eine Vielzahl von Aktionen und Bündnissen, die mit Anreiz-, Abgaben- oder Pfandsystemen dem Bechermüll den Kampf ansagten. In Hamburg ging das Projekt „Refill it“, bei dem ein Mehrwegbecher nachgefüllt und zurückgegeben werden kann, an den Start. Die Hansestadt beschloss zudem, zusammen mit Unternehmen in einer zwölfmonatigen Testphase ein Pfandsystem für Pappbecher zu entwickeln. Alle großen Ketten kündigten an, sich daran zu beteiligen. In München war eine Studentin mit der Idee „Coffee to go again“ erfolgreich: Teilnehmende Betriebe machen dabei durch Aufkleber deutlich, dass Kunden ihren eigenen Becher mitbringen können. In Hessen erhält der Kunde auf Initiative des Umweltministeriums einen „Becher-Bonus“ von zehn Cent, wenn er sich den Kaffee in ein wiederverwendbares Gefäß füllen lässt.

 Die Kieler Umwelt- und Abfallpolitiker Lisa Yılmaz (SPD), Lutz Oschmann (Grüne) und Marcel Schmidt (SSW) drängen darauf, gemeinsam mit Politik, Verbrauchern, Wirtschaft und Verwaltung Maßnahmen für die Landeshauptstadt zu finden, die alle mittragen. Wie notwendig ein Gegensteuern ist, erklärte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer im Wirtschaftsausschuss: In Kiel gingen pro Stunde etwa 1000 Einwegbecher über die Theken. Erfolgreicher Vorreiter im Land ist das Studentenwerk Schleswig-Holstein. Seit es 2011 einen Mehrwegbecher zu zehn Cent Mehrkosten einführte, hat sich der Müll in allen Mensen und Cafeterien um eine Million Becher reduziert.

 Während die Strategien, Abfall zu vermeiden, unterschiedlich ausfallen, sind sich alle in einem einig: Die Massen verkaufter Einwegbecher – 2,8 Milliarden Stück in Deutschland im Jahr – schaden der Umwelt: Einwegbecher bestehen überwiegend aus Papierfasern, für deren Produktion in aller Regel Neumaterial eingesetzt wird. Für die Herstellung der Innen-Beschichtungen werden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe jährlich etwa 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht. Durch die Produktion von Deckeln und Bechern fallen bundesweit im Jahr CO2-Emissionen von rund 110.000 Tonnen an.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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