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Pfiffige Ideen für eine bessere Welt

Zukunftstour Pfiffige Ideen für eine bessere Welt

Ob Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) seine Wäsche künftig mit Rosskastanienextrakt aus Kiel reinigt, ist zwar eher unwahrscheinlich. Aber immerhin zeigte der hochrangige Gast bei seinem Kiel-Besuch großes Interesse an dem von findigen Kieler Studenten entwickelten Alternativprodukt.

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Ausrangierte Lattenroste beflügeln Max von Moszczenskis Phantasie. Nach eigenen Konstruktionen baut der Kieler Schiffbau-Student daraus Skateboards und Klappstühle. Seine Upcycling-Kreationen zeigte er jetzt bei der „Zukunftstour“ des Bundesentwicklungsminsiteriums in Kiel.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Schließlich ging es bei der „Zukunftstour“ seines Ministeriums auch um die Frage: Wie können wir durch Änderung unseres Lebensstils einen Beitrag liefern zur Lösung globaler Probleme? Beispiele und Anregungen dazu gab es gestern im Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung reichlich. In fünf Workshop-Stationen konnten sich die größtenteils jugendlichen Besucher Kieler Schulen über die Folgen von Lebensmittelverschwendung bis hin zum Klimawandel informieren. An 13 weiteren Ständen der „Zukunftswerkstatt“ ging es unter anderem um Plastik im Meer, den Sauerstoffverlust der Weltmeere oder nachhaltige Fischerei.

Beim Rundgang fiel dem Minister die Nachhaltigkeit des reinigenden Rosskastanienextrakts sofort ins Auge und lobte die „tolle Idee“ der beiden Kieler Studenten Tim Schmieg und Johannes Glöckler. Denn herkömmliche Waschmittel enthielten fast alle Palmöl. Und dessen Gewinnung führe zur Rodung tropischer Regenwälder, was sich wiederum negativ auf das Weltklima auswirke.

Auch Lattenroste als Baumaterial begehrt

Das Kabinettsmitglied aus Berlin hatte aber noch mehr Gelegenheit über die Kreativität kluger Kieler Köpfe zu staunen. Zum Beispiel über Max von Moszczenski. So meldete der Schiffbaustudent gerade erst ein Patent an auf die von ihm entwickelte Konstruktion eines stylischen Klappstuhls, der nur aus ausrangierten Lattenrosten besteht. Die bezieht der 27-Jährige von Kieler Abfallhöfen und ließ die ersten 15 Stühle nach seinen Plänen in der Behindertenwerkstatt Drachensee fertigen.

Doch das ist noch nicht alles, was Max von Moszczenski in seiner Werkstatt an der „Alten Mu“ aus alten Lattenrosten so zaubert: individuell nach Kundenwunsch gestaltete Skateboards zum Beispiel oder großformatige Gerüste für mit Stoff überzogene Kuppeldächer. „Denn Lattenroste sind ein tolles Material: extrem flexibel und belastbar. Viel zu schade, um als Brennholz zu enden.“ Ob er seine Upycling-Ideen als Geschäftsmodell weiterentwickeln will, ist noch nicht ganz sicher. „Wenn ich ausschließlich davon leben müsste, würde es mir vielleicht nicht mehr so viel Spaß machen. Mal schauen.“

Albig in der Arena

Um ernsthafte globale Aspekte von Ressourcenschonung, Klimawandel bis zu Hunger oder Flucht ging es in der „Politikarena“ mit Vorträgen und einer Diskussionsrunde. So warnte Ministerpräsident Torsten Albig davor, die Gefahren zu unterschätzen, wenn dabei nicht nicht schnell gegengesteuert werde: „Geht alles so weiter, ist die erste Flüchtlingswelle nur ein Vorgeschmack auf das, was uns künftig erwartet. Denn die weltweit 15 Millionen Menschen auf der Flucht halten es in ihrer Heimat aus den verschiedensten Gründen einfach nicht mehr aus.“

Der Minister aus Berlin sah Schleswig-Holstein beim Thema Windenergie bundesweit „ganz weit vorne“: „Jetzt müssen wir nur noch schauen, wie wir die Energie von der Küste in den Süden bringen.“ Bemerkenswert deutlich ging der CSU-Politiker auf Distanz zur offiziellen Linie seiner Partei in der Flüchtlingsfrage: „Wir können unseren Wohlstand durch Mauern nicht abschotten. Wir haben die Pflicht und Schuldigkeit ihn zu teilen.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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