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Ein fulminantes Feuerwerk zum Finale

Zur Erinnerung an Lars Clausen Ein fulminantes Feuerwerk zum Finale

Der Soziologe Lars Clausen, der am 8. April 2015 seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte, zählte zu den großen Persönlichkeiten der deutschen Soziologie wie auch der Christian-Albrechts-Universität Kiel, an der er 30 Jahre lang forschte und lehrte.

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Seine Vorlesungen hatten Kultcharakter: Lars Clausen war für seine wissenschaftlichen Geistesblitze, seine Redekunst und seinen Humor bekannt.

Quelle: Jan Köhler-Kaeß (Archiv)

Kiel. Als Forscher begründete er hier die Katastrophensoziologie, förderte die Wiederentdeckung des Klassikers Ferdinand Tönnies und entwickelte eine eigene Tauschtheorie. Als Lehrender war er ein vor Geist sprühender Charismatiker, zu dem es passt, dass er in seiner letzten Pflichtvorlesung im Sommersemester 2000 ein kühnes Experiment unternahm und die traditionelle „Einführung in die Theorien der Soziologie“ ganz untraditionell mit einer autobiographischen Perspektive verband.

 Als Lars Clausen im Mai 2010 viel zu früh verstarb, machte sich sein Kieler Schüler Klaus R. Schroeter, heute Soziologie-Professor im schweizerischen Olten, an diesen großen Wurf zwischen Wissenschaft und Kunst und transkribierte die Mitschnitte der legendären Vorlesung. Gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Jan-Frederik Bandel und unter Mitwirkung von Lars Clausens Frau Bettina Clausen hat er sie pünktlich zum 80. Geburtstag seines akademischen Lehrers überarbeitet, gestrafft und in Buchform gebracht.

 Schon der von Clausen übernommene Titel „Meine Einführung in die Soziologie“ bringt in seiner Doppeldeutigkeit den hier vollzogenen Balanceakt des Professors auf den Punkt: In berührender Offenheit berichtet der Sohn der namhaften Theaterfotografin Rosemarie Clausen hier etwa von seiner von Arbeit besessenen Mutter. Er beschreibt das Dritte Reich als ein „riesiges Durcheinander“, in dem er als Kind seine „soziologische Grundausbildung“ erhalten habe. Er lässt das alte Gymnasium wiederauferstehen, in dem die Auseinandersetzung mit der Antike den Schüler noch auf alle Lebenslagen vorbereitete. Und er verzahnt seine spätere Berufskarriere im Verlauf der Buches immer weiter mit der Entwicklung seines Fachs und des deutschen Universitätslebens – Kieler Lokalkolorit inklusive. Nicht zuletzt die für Lars Clausen charakteristische sprachliche Meisterschaft unterstreicht dabei, dass sich im Pelz dieses stets in Grau gekleideten Soziologen einer der letzten Universalgelehrten verbarg – und ein großer Feuerwerker, in dessen Vorlesungen das Firmament der Wissenschaft hell und bunt erstrahlte.

 

 Lars Clausen: Meine Einführung in die Soziologie. 15 Vorlesungen in freier Rede. Stroemfeld Verlag. 365 Seiten. 28 Euro.

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