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31-Jähriger muss dauerhaft in Psychiatrie

Zwei Kinder missbraucht 31-Jähriger muss dauerhaft in Psychiatrie

Ein Opfer missbrauchte er in dem Kindergarten, in den auch seine Söhne gingen. Das zweite kleine Mädchen lockte er mit einer Puppe in seine Wohnung. Jetzt muss der Mann dauerhaft in die Psychiatrie. Die Prognose ist ungünstig.

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Im Awo-Kinderhaus am Gustav-Schatz-Hof in Kiel-Gaarden soll sich der Tatverdächtige am 6. Januar an einem fünfjährigen Kind sexuell vergangen haben.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Taten machten eine ganze Region fassungslos. Acht Monate nach dem schweren sexuellen Missbrauch von zwei kleinen Mädchen in Kiel hat das Landgericht die dauerhafte Unterbringung des Täters in der Psychiatrie angeordnet. Der 31-jährige Beschuldigte sei psychisch krank und eine Gefahr für die Allgemeinheit, sagte der Vorsitzende Richter Steffen Becker am Mittwoch.

Die Aussagen der Kinder und DNA-Analysen ließen keine Zweifel an seiner Schuld, sagte der Richter. Aufgrund einer paranoiden Schizophrenie mit Wahnvorstellungen sei der Beschuldigte aber für die Taten nicht verantwortlich. Juristisch wurden sie im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen.

Opfer identifizierten den Täter

Der 31-Jährige hatte am 6. Januar zunächst ein fünfjähriges Mädchen auf der Toilette eines Kindergartens in Kiel-Gaarden schwer missbraucht, in dem auch seine beiden Söhne betreut wurden. Als er seine Kinder am Nachmittag des Tattages dort abholte, erkannte ihn das kleine Mädchen sofort als Täter wieder, der ihr „wehgetan habe“, sagte Becker. Sie reagierte bei seinem Anblick höchst auffällig, zitterte und suchte Schutz bei einer Kindergärtnerin. Doch obwohl er festgenommen wurde, kam der Mann wieder frei. Er hatte die Tat bestritten. Trotz dringenden Tatverdachts sah die Staatsanwaltschaft keine Notwendigkeit für einen Haftbefehl. Dafür geriet sie heftig in die Kritik.

Denn sein zweites Opfer fand der 31-Jährige nur drei Wochen später. Die Siebenjährige lockte er mit dem Versprechen auf eine Barbie-Puppe in seine Wohnung. Nach dem Missbrauch ließ er sie durch einen Hinterausgang frei. Sie führte die Beamten kurz darauf zielsicher zur Wohnung ihres Peinigers, und auch sie erkannte ihn eindeutig wieder, sagte der Vorsitzende. Das Mädchen musste wegen der Verletzungen notoperiert werden.

Der Beschuldigte hatte vor diesem brutalen Übergriff auch versucht, die Cousine der Siebenjährigen vom Schulhof mit zu sich zu locken. Doch das Kind kehrte um und alarmierte die Eltern, die sofort die Polizei zur Hilfe riefen. Beide Kinder sind in dem Verfahren Nebenklägerinnen. Ihre Eltern saßen bei der Urteilsverkündung mit im Gerichtssaal. Noch immer sichtlich betroffen wollten sie sich danach nicht äußern.

Erst im Schlusswort Reue, aber kein Geständnis

Laut dem Gutachten einer psychiatrischen Fachärztin, dem sich auch der Verteidiger anschloss, konnte der Angeklagte wegen seiner krankhaften seelischen Störung das Unrecht seiner Taten nicht einsehen. Statt eines Strafverfahrens fand daher ein sogenanntes Sicherungsverfahren statt, in dem es von Anfang an um die dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie ging.

Der Beschuldigte hatte im Prozess geschwiegen. Erst im Schlusswort zeigte er Reue, sagte der Vorsitzende. Er gestand aber nicht. Doch er stimmte zu, dass die Videoaussagen der Kinder vor der Polizei im Prozess verwendet werden durften. Damit ersparte er den Opfern die erneute Befragung.

Der Vorsitzende wies darauf hin, dass sich die Krankheit schon früher gezeigt habe. So habe sich der Beschuldigte wegen Halluzinationen einmal aus dem 4. Stock gestürzt. Er sei auch mehrfach in der Psychiatrie gewesen. Die Prognose für den Mann sei derzeit ungünstig.

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