18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Ein farbiges Wunder der Natur

Zwillingsbrüder Ein farbiges Wunder der Natur

Die Chance, Zwillinge mit unterschiedlicher Hautfarbe zu bekommen, liegt bei eins zu einer Million – und das auch nur bei zweieiigen Zwillingen. Bei eineiigen Zwillingen schließen Genetiker diese Möglichkeit normalerweise aus. Umso mehr staunen Juliane Goltz und Gausu Karim über die verschiedenfarbige Haut ihrer Zwillinge.

Voriger Artikel
Letzter Ansturm der Schiffsgiganten
Nächster Artikel
Sperrgebiet rechtzeitig verlassen

Juliane Goltz und Gausu Karim haben keine Probleme, ihre eineiigen Zwillingen auseinanderzuhalten: Wahid (2, links) hat von Geburt an hellere Haut und Haare als sein Bruder Tameem. „Das ist für uns noch immer unvorstellbar“, sagt ihre Mutter.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Während Wahid, der Erstgeborene,  mit dem hellen Teint seiner Mutter zur Welt gekommen ist, hat Tameem die dunkle Hautfarbe seines ghanaischen Vaters geerbt. Eine Besonderheit, die viele Menschen gleich zweimal erstaunt in den Kinderwagen schauen lässt, wie Juliane Goltz lachend erzählt.

 Auch die Ärzte der Geburtsstation des Schleswiger Helios Klinikums konnten es kaum glauben, als Wahid und Tameem im Oktober 2013 in der 33. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt kamen. Die Zwillinge galten schon im Mutterleib nach wochenlanger, intensiver Überwachung als eineiig. Nach Angaben von Juliane Goltz teilten sie sich eine Plazenta und eine Fruchthülle. Doch als sie ihre Säuglinge endlich in die Arme schließen durfte, glichen diese sich keineswegs wie ein Ei dem anderen: „Wahid war bei der Geburt fast weiß und hatte sehr helle Haare, Tameem war dagegen dunkel und schwarzhaarig“, erinnert sich die 33-jährige Mutter. Da diese Unterschiedlichkeit für eineiige Zwillinge, die sich aus einer Eizelle entwickeln und das gleiche Erbgut haben, sehr ungewöhnlich ist, schauten die Ärzte noch einmal genauer hin. Nach erneuter Überprüfung von Plazenta und Eihäuten wurde den Eltern bestätigt, dass die Zwillinge eineiig seien. „Das ist für uns noch immer unvorstellbar, sie sind so komplett verschieden“, sagt Juliane Goltz.

 Zur eindeutigen Bestimmung raten Genetiker zur DNA-Analyse. „Nur der genetische Fingerabdruck gibt hundertprozentig Aufschluss darüber, ob es sich um eineiige oder zweieiige Zwillinge handelt“, betont ein Humangenetiker des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel. Eine Ultraschalluntersuchung reiche zur Bestimmung nicht aus, gleiches gelte für das Fehlen einer zweiten Plazenta. „Als Wissenschaftler ist man da immer vorsichtig, weil viele Faktoren eine Rolle spielen.“ Große Unterschiede, wie zum Beispiel die Hautfarbe von Wahid und Tamem, seien bei eineiigen Zwillingen „extremst selten“.

 Eineiig oder zweieiig: Für Juliane Goltz und Gausu Karim ist das letztlich nicht entscheidend. Sie freuen sich darüber, dass ihre Kinder sich inzwischen zu lebhaften, gesunden Zweijährigen entwickelt haben, die fröhlich die Welt entdecken und mit den großen Brüdern Bennet (5) und Dustin (14) spielen. Ganz so hell wie in den ersten Wochen ist Wahids Hautfarbe nicht mehr, doch noch immer unterscheidet sie sich deutlich von der seines Bruders. „Wir ergeben ja auch eine interessante Mischung“, sagt Juliane Goltz, die selbst einen deutschen und einen kongolesischen Elternteil hat. Die Familie erzieht die Kinder dreisprachig. Juliane Goltz spricht deutsch mit den Kindern, Vater Gausu (32) aus Ghana redet in seiner Muttersprache Kotokoli und untereinander wechseln die beiden auch mal ins Englische, wenn Gausu eine deutsche Vokabel fehlt. An die Neugier der Passanten auf der Straße haben sich die beiden gewöhnt. „Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht auf die Zwillinge angesprochen werden.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3