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Die DNA-Spur war eindeutig

Missbrauch in Flüchtlingsheim Die DNA-Spur war eindeutig

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines vierjährigen Jungen in einer Flüchtlingsunterkunft bei Neumünster hat das Kieler Landgericht einen 22-Jährigen zu einer Haftststrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

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Das Kieler Landgericht hat einen 22-Jährigen zu einer Haftststrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Urteil im Prozess um den Missbrauch eines vierjährigen Jungen in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt (Kreis Segeberg) vom März 2016: Gegen den Hauptangeklagten (22) aus Afghanistan verhängte die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts gestern zwei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Sein wegen Beihilfe angeklagter Landsmann (29) wurde freigesprochen.

Die Kammer sah es nach sechstägiger Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der 22-Jährige das Kind einer Familie aus dem Irak am späten Abend des 29. März in einem Toilettentrakt der Landesunterkunft mit in eine Klokabine nahm. Hinter verschlossener Tür habe er dem Jungen und sich selbst die Hose heruntergezogen und das Kind zum Oralverkehr veranlasst.

Der Angeklagte hatte den Vorwurf abgestritten und behauptet, er habe dem Jungen „nur beim Toilettengang helfen“ wollen. „Die Beweislage ist eindeutig“, widersprach der Vorsitzende Richter Stefan Becker in der Urteilsbegründung. Den Ablauf habe der Vierjährige noch in der Tatnacht gegenüber der Polizei so berichtet und später als Zeuge im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestätigt.

Zwar sei der anfangs schweigende Junge bei seiner ersten Anhörung mit Versprechungen zum Reden gebracht worden. Seine Mutter habe ihm Schokolade angeboten und erklärt, er müsse helfen, den Täter ins Gefängnis zu bringen. Doch aus dieser Einflussnahme sei keine falsche Beschuldigung abzuleiten, so das Urteil.

Der Dolmetscher habe offene Fragen gestellt und keine suggestiven Vorgaben gemacht, sagte Richter Becker. Der Junge habe den Oralverkehr von sich aus geschildert, dessen Bedeutung ihm nicht klar gewesen sei. „Wie und warum sollte ein Vierjähriger sonst so etwas berichten?“

Als wichtigen Tatbeweis wertete die Kammer eine DNA-Spur des Jungen, die beim Angeklagten sichergestellt wurde. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Milliarden : 1 stamme das genetische Material vom Opfer, so das Urteil. Eine Sekundärübertragung der Spur schloss die Kammer aus. Die Frage nach einem weiteren Besuch der Toilette habe der Angeklagte spontan verneint. Zudem habe er sich danach nachweislich die Hände gewaschen.

Bestätigt werde der Verdacht zudem von der Aussage des Vaters des Jungen, der von seinem älteren Sohn (8) zum Tatort geholt worden war. Er überraschte den Angeklagten „in flagranti“ mit herabgelassener Hose in der Kabine.

Weil der Täter keine Gewalt angewendet habe, blieb die Kammer im Urteil nur wenig über der Mindeststrafe von zwei Jahren. Trotz Alkoholisierung von bis zu 2,3 Promille habe der Angeklagte zur Tatzeit keine Ausfallerscheinungen gezeigt und schlagfertig auf Vorhaltungen des Vaters reagiert. Das Gericht erkannte auf volle Schuldfähigkeit, von einem minder schweren Fall könne keine Rede sein.

Der Mitangeklagte (29) dagegen war laut Urteil freizusprechen, weil der ältere Bruder des Opfers im

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