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Sanierung mit Denkmalschutz

25 Millionen Euro für die JVA Sanierung mit Denkmalschutz

Ein Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neumünster ist erreicht: Am Montag wurde das komplett modernisierte C-Haus nach insgesamt neun Jahren Bauzeit offiziell übergeben. Gesamtkosten: stolze 25 Millionen Euro.

Abteilungsleiterin Kati Kummer demonstriert: Auf den Denkmalschutz wie bei der Backstein-Ummauerung der Türen wurde Wert gelegt.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. „Es handelt sich um die größte Einzelmaßnahme seit Beginn des Investitionsprogramms zur Sanierung der Gefängnisse im Lande im Jahr 2000“, erklärte Justizministerin Anke Spoorendonk. Bei dem unter Denkmalschutz stehenden C-Haus – mit einer Fläche von 9400 Quadratmetern und 237 Haftplätzen das größte Hafthaus im Lande – handelt es sich um einen Backstein-Kreuzbau aus dem Jahre 1905.

 „Aller guten Dinge sind vier“ sagte in Anspielung auf die Anzahl der Gebäudeflügel Hans-Adolf Bilzhause, Geschäftsführer der federführenden Gebäudemanagement Schleswig-Holstein. In Einzelmaßnahmen waren nacheinander alle viergeschossigen Trakte komplett entkernt und mit neuer Heizung, Lüftung und Elektrik versehen worden.

 Ein Phänomen, das selbst ausländische Delegationen anlockte: In alle vier Flügel wurden nachträglich „Versorgungskeller“ eingezogen. Leitungen „baumelten“ nicht länger in den langen Galerie-Fluren; Handwerker müssen zwecks Reparatur und Wartung nicht mehr den Gefangenenbereich betreten. Außerdem zog mit unterteilten Gebäudeabschnitten und Schutztüren endlich moderner Brandschutz in das mehr als 100 Jahre alte Gemäuer ein, dessen architektonischer Charme selbst in Details wie Tür-Ummauerungen in rotem Backsteinziegel gewahrt wurde.

 Die Hafträume – je eine Doppelzelle pro Abteilung – sind nun mit einer per Vorhang abtrennbaren Sanitärecke mit WC und Waschbecken ausgestattet. Pro Etage gibt es drei Gemeinschaftsduschen, zudem Pantryküchen und Waschmaschinen. „Auch das ist ein Aspekt für die Resozialisierung“, betonte Bilzhause. Und: Die JVA hat jetzt auch ihren ersten barrierefreien Haftraum zu bieten.

 Allein 7,4 Millionen Euro hat der Südflügel gekostet. „Man könnte fragen, ob sich die Sanierung eines so alten Hafthauses lohne“, gab Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki zu bedenken, die genau wie ihr Vorgänger Jörg Alisch die Sanierung zur Chefsache erklärt hatte. „Aber Baugrundstücke für Vollzugsanstalten sind nicht leicht zu finden. Und außerdem haben Dank der offenen Zwischendecken Licht und Luft schon beim Bau vor 100 Jahren eine große Rolle gespielt.“

 Auf dem Areal hinter der hohen Mauer an der Boostedter Straße gehen die Arbeiten weiter. Demnächst wird das A-Haus umgebaut, um Untersuchungshäftlinge unterbringen zu können. Deren bisheriges Domizil B-Haus, dessen aus den 1960er Jahren stammende Substanz abgängig ist, wird abgerissen. Hier sollen eine Tagesklinik für 24 psychiatrisch auffällige Gefangene und eine Sozialtherapie mit 24 Plätzen entstehen.

Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung