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Erfrischend in den Bann gezogen

Aktiv-Wochen für Senioren Erfrischend in den Bann gezogen

Die Aktiv-Wochen für Senioren in Neumünster sind eröffnet. Die Zuschauer zeigten sich begeistert von Referentin Annelie Keil. Mit Stadtpräsidentin Katharina Schättiger eröffnete die Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin die Reihe mit insgesamt 38 unterschiedlichen Terminen – vier mehr als im Vorjahr.

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Zum Auftakt der Aktiv-Wochen begrüßte Romi Wietzke (rechts) Annelie Keil, die mit einem pointierten wie erfrischenden Rundumschlag das Publikum in ihren Bann zog.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Die berühmte Stecknadel hätte man zu Boden fallen hören können, so fasziniert lauschte das Publikum im ausverkauften Saal: Mit Annelie Keil als Referentin zum Auftakt der Aktiv-Wochen für Ältere hatte Romi Wietzke vom Seniorenbüro ins Schwarze getroffen.

 Die offizielle Eröffnung blieb zuvor Stadtpräsidentin Katharina Schättiger vorbehalten, die mit launigem „Brille auf, Hörgerät an, dann kann’s losgehen“ offen mit den eigenen Handicaps kokettierte. „In Neumünster erleben die Aktivwochen ihre 39. Auflage“, honorierte Schättiger; die 34 Termine des Vorjahres – mit 870 Teilnehmern – wurden noch einmal um vier getoppt.

 Und dann trat Annelie Keil ans Mikrofon: schon vom Outfit her eine (auch innerlich) unaufdringlich jung gebliebene 77-Jährige, deren frühe Jahre von Flucht und Nachkriegszeit mit alleinerziehender Mutter geprägt waren, die an der Gründung der Universität Bremen beteiligt war, wo sie als Professorin für Sozial- und Gesundheitswissenschaften wirkte, sich im Palliativ- und Hospizwesen engagiert.

 Eigentlich hatte sie über ihr Buch Wenn die Organe ihr Schweigen brechen und die Seele streikt sprechen wollen, aber Keil landete einen vielbeachteten und facettenreichen Rundumschlag. Der fußte auf dem Dreiklang von Körper, Geist und Seele und ging zu der Botschaft über: Liebe zum Leben besteht nicht nur in gesunden Phasen: „Wer krank wird, braucht eine Seele, die das aushält.“

 Annelie Keil sprach vom „Blödsinn der medizinischen Definition: Gesund ist, wer ohne Befund ist“. Sie mahnte: „Was Sie über eine Situation denken, kann sich materiell umsetzen.“ Und sie warnte vor zu viel „Hätte-Bedenken“: „Wenn es darauf ankommt, macht das Leben ohnehin, was es will.“ Eben meistens das Unerwartete, mit dem es umzugehen gelte: wie die Herausforderung, angesichts der Flüchtlingszahl eine neue Balance zum Allgemeinwohl zu finden.

 Die Zuhörer waren begeistert: „Der Vortrag hat viele Denkanstöße gegeben“, fand Cornelia Brosowski, die sich das Buch unbedingt kaufen will. „Super, und vor allem, wie locker und lebendig sie diese Fülle rübergebracht hat“, lobte auch Marianne Kriese. Annelie Keil selbst blieb bescheiden: „Einzelwissen kann sich zur Not jeder allein anlesen. Ich will den Menschen Orientierung geben.“

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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