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25 Jahre Alevitische Gemeinde

Schwierige Anfänge 25 Jahre Alevitische Gemeinde

„Hier in Neumünster werden wir mehr akzeptiert als in unserem Heimatland“, steht für Erdogan Bicici, den Vorsitzenden der Alevitischen Gemeinde Neumünster, fest. Die Gemeinde feiert heute in der Holstenhalle ihren 25. Geburtstag.

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Sibel Catalkas (links), Erdogan Bicici und Güler Oztürk vom Frauenvorstand posieren mit dem Einladungsplakat für das Jubiläumsfest vor den Räumen der Alevitischen Gemeinde in der Altonaer Straße.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster.  Als die ersten vor mehr als 25 Jahren kamen, stellten die Aleviten rund ein Drittel der türkischen Bewohner Neumünsters. „Seit dem Osmanischen Reich sind wir daheim unterdrückt und verfolgt worden. Deshalb gaben sich die Aleviten hier zunächst auch nicht zu erkennen“, schildert Bicici.

 Das änderte sich mit der „zweiten Generation“, die angesichts der Diskriminierung daheim den engen Zusammenschluss in Neumünster suchte. Ein Dutzend Aleviten gründete hier nach Hamburg die zweite Alevitische Gemeinde in Norddeutschland. Vorsitzender war Ihsan Yigit, der damals 22-Jährige Bicici 1. Sekretär. Die ersten Treffen fanden im Kiek In statt. „Es waren schwierige Anfänge, auch hier gab es Anfeindungen.“

 Aber das Selbstbewusstsein, sich zur eigenen Kultur zu bekennen und gemeinsam aufzutreten, war größer. Der Alevitismus orientiert sich lediglich am Glaubensbekenntnis des Islam; im Mittelpunkt stehen gelebte Nächstenliebe, Geduld und Bescheidenheit. „Bei uns Aleviten herrscht Gleichberechtigung von Mann und Frau; sie beten auch gemeinsam in demselben Raum.“ Die Vereinsjugendgruppe wird mit Kader Sevindik von einer Frau geführt.

 Die ersten eigenen Vereinsräume wurden in der Anscharstraße 23 angemietet: Man traf sich, trank gemeinsam Tee, betete. „Wir hatten sogar zwei eigene Fußballteams.“ Und eine Folkloregruppe. Die Aleviten waren bei der Orientalischen Nacht des DGB dabei, bei „Neumünster singt und spielt“, mischen jeden Sommer bei der Holstenköste mit. Sie engagierten sich bei „Bunt statt braun“ gegen Neonazis und marschieren im Mai-Umzug mit.

 Auf die Vereinsräume an der Wasbeker Straße folgte schließlich der Kauf des Gebäudes Altonaer Straße 12: ein 130 Quadratmeter großer Saal, kleines Büro und kleine Küche. „Das ist quasi unser zweites Zuhause“, beschreibt die fröhliche Sibel Catalkas. „Hier treffen wir uns, kochen manchmal spontan, feiern Hochzeiten, kommen zum Traueressen zusammen. Wir platzen hier eigentlich aus allen Nähten, die Kinder bräuchten eine Außenspielfläche.“

 Die Tür der Gemeinde steht täglich offen. „Nicht nur für die 150 Mitglieder. Jeder ist willkommen der sagt: Ich bin ein Mensch“, sagt Bicici und lädt zum Jubiläumsfest in der Holstenhalle 2 ab 16 Uhr mit den Künstlern Filiz Kilic und Erkan Özbay ein. Karten (10 Euro) gibt es an der Kasse.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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