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Angeklagter schläft bei Prozessauftakt mehrfach ein

Amtsgericht Neumünster Angeklagter schläft bei Prozessauftakt mehrfach ein

Einen Mülleimer als Spuck-Vorsorge sieht man nicht aller Tage im Amtsgericht Neumünster. Der Gesundheitszustand eines 38-jährigen, angeklagten Kielers ließ den Prozessauftakt wegen gemeinschaftlichen Einbruchs und Diebstahls gegen ihn und einen weiteren angeklagten Neumünsteraner ein wenig verblassen.

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Der Angeklagte war kreidebleich, schwitzte und hatte Magenkrämpfe.

Quelle: dpa

Neumünster/Kiel. Schon zu Beginn der Verhandlung nickte der Mann immer wieder ein, schwitzte stark und hielt sich während der ersten Zeugenaussagen den Bauch. Der aufmerksame Richter unterbrach die Sitzung. Der Angeklagte übergab sich auf der Toilette, bestand aber anschließend auf das Fortfahren der Verhandlung und verwehrte einen Arzt. Eine vorherige Drogeneinnahme oder Entzugserscheinungen verneinte der bereits wegen Konsums in Erscheinung getretene Mann vehement. Er habe nur zwei Tage nicht geschlafen, Sodbrennen und nichts gegessen.

 Der Richter veranlasste dennoch einen Besuch vom Rettungsdienst, der einen leicht gesunkenen Blutdruck, aber die generelle Verhandlungsfähigkeit feststellte. Mit einem Mülleimer am Tisch, weiteren Nickerchen und einer zweiten Unterbrechung wurde die Verhandlung fortgesetzt.

 Vorgeworfen wurde dem 38-Jährigen, an einem Mehrfamilienhaus in der Braustraße in Kiel am 21. Februar 2015 gegen 22.30 Uhr Wache gehalten zu haben, während sein 34-jähriger Begleiter durch das angekippte Schlafzimmerfenster der Erdgeschosswohnung eingedrungen zu sein und Schmuck, rund 280 Euro Bargeld sowie die Handtasche der Bewohnerin gestohlen zu haben. Zudem soll der jüngere Beschuldigte bereits gegen 21.30 Uhr im Penny-Markt in der Werftstraße eine Nähmaschine im Wert von 149 Euro gestohlen haben.

 Der Neumünsteraner gab an, sich wegen seines Heroin- und Kokain-Konsums nicht mehr an die Tat bei Penny erinnern zu können. In das Haus sei er ohne Wissen des zweiten Angeklagten eingestiegen. Dieser habe auf der anderen Straßenseite gewartet, weil er ihm gesagt habe, er müsse austreten. Der Verteidiger des Kielers sagte aber in dessen Namen aus, dass die beiden sich zum Fahrraddiebstahl verabredet hätten, um an Geld für Drogen zu kommen. Der 38-Jährige habe deshalb geglaubt, sein Begleiter wolle gegenüber nach Rädern schauen.

 Als der Hund im Haus anschlug, sei der 34-Jährige durch die Wohnungstür in die Tiefgarage geflohen. Das Bewohnerpaar, das zum Tatzeitpunkt in der Wohnung war, hörte nur die Tür. Parallel beobachte ein älteres Paar aus dem Haus gegenüber den Einbruch und den zweiten Mann im eigenen Hauseingang. Sie riefen die Polizei.

 Durch die Tiefgarage sei der 34-Jährige ans Ende des Mehrfamilienhauses zwei Hausnummern weiter gelangt. Dort habe er im ersten Stock an einer Tür geklingelt und wollte einer Frau die Handtasche geben. Sie lehnte das ab. Daraufhin habe er die Beute im Fahrstuhlschacht versteckt. Die Polizei schnappte ihn noch im Haus. Der Neumünsteraner entschuldigte sich bei den Bewohnern. Er bleibt in Haft. Das Gericht vertagte sich auf den 8. September.

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