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Angehörige können Gefangene via Skype besuchen

Justizvollzugsanstalt Angehörige können Gefangene via Skype besuchen

Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Neumünster können sich von Angehörigen künftig über den Internetanbieter Skype virtuell „besuchen“ lassen. Über das Projekt informierte sich am Mittwoch Justizministerin Anke Spoorendonk.

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Anke Spoorendonk begrüßt die Skype-Möglichkeit der Häftlinge.

Quelle: Ulf Dahl

Neumünster. Adnan S. (Name geändert) sitzt vor einem Computer und kommuniziert über den Telekommunikationsanbieter Skype mit seiner Familie in der albanischen Heimat. Ein alltäglicher Vorgang in unserer heutigen digitalen Welt. Doch Adnan S. ist kein gewöhnlicher Mann. Er ist ein Gefangener, sitzt eine fünfjährige Haftstrafe wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in der Justizvollzugsanstalt Neumünster ab und hat seine Familie zuletzt vor knapp zwei Jahren gesehen. Er ist der erste Häftling, der das neue Projekt des schleswig-holsteinischen Justizministeriums ausprobieren darf: eine virtuelle Besuchsmöglichkeit für Familienangehörige von Häftlingen via Skype.

„Das ist ein wichtiges Projekt im Rahmen des familienorientierten Strafvollzugs. Viele Angehörige haben weder die Zeit noch die finanziellen Mittel, um das Besuchskontingent in der Justizvollzugsanstalt ausschöpfen zu können. Doch wir wissen, wie wichtig es für Gefangene ist, während der Haftzeit ein Teil ihrer Familie sein zu können. Da bietet diese Technik im Vergleich zu Telefonaten den wichtigen face-to-face-Kontakt“, erklärte Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) die Hintergründe des zunächst auf sechs Monate angelegten Modellprojekts. „Die Häftlinge sollen ihre sozialen Kontakte zu Angehörigen im Sinne der Resozialisierung erhalten“, ergänzte Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki.

Während Adnan S. mit seiner Familie redet, sitzt im Nachbarraum der Vollzugsbeamte Klaus Riepen. Er hat ebenfalls einen Computerbildschirm vor sich und überwacht das Gespräch. Mithören kann er nicht. „Das unterscheidet sich im Grunde nicht vom normalen Gefangenenbesuch in unserem Besuchsraum“, erläuterte Vollzugsabteilungsleiterin Kati Kummer. Erblickt Riepen andere als die zuvor angemeldeten Gesprächspartner, kann er die Verbindung unterbrechen. „Passiert etwas, wo wir sagen: Das haben wir so nicht verabredet, können wir einschreiten“, sagte Kummer.

Wollen Häftlinge das neue Angebot wahrnehmen, müssen sie im Vorfeld einen Antrag stellen. Dann wird im Einzelfall geprüft, ob die Anfrage förderungswürdig ist. Bevorzugt würden Anträge von Häftlingen, bei denen die Familien weiter weg wohnen, vornehmlich im Ausland, sagte Kummer. „Doch vielleicht sind die Vorgaben in zwei Wochen ganz anders. Das wird die Zeit zeigen. Wir haben gerade erst angefangen und müssen Erfahrungen sammeln.“

Für das Projekt wurde eine neue DSL-Leitung in der JVA verlegt. Aufzeichnungen der auf 30 Minuten begrenzten Gespräche finden nicht statt. „Alle Sicherheitsfragen wurden im Vorfeld genau durchleuchtet“, betonte Ministerin Spoorendonk.

Für Adnan S. ist es das zweite Gespräch mit seiner Familie über Skype. Den ersten Kontakt gab es vor einer Woche. Weitere der knapp 400 Insassen in Neumünster werden ihm folgen. „Wir haben jetzt den Startschuss für das Projekt gegeben und natürlich fragen einige schon, wann sie das Angebot wahrnehmen dürfen“, sagte Kummer. Anhand der gesammelten Erfahrungen soll in sechs Monaten eine Auswertung des Projekts erfolgen, das dann möglicherweise auf andere Anstalten ausgeweitet wird.

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