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Auch in der Stadt muss gejagt werden

Auf der Pirsch Auch in der Stadt muss gejagt werden

Dass Waschbären ordentlich zubeißen können, hat Holger Meyer schmerzhaft erlebt. Der 52-Jährige ist Jäger, sein Revier liegt in der Stadt. In Neumünster-Einfeld greift er zur Waffe und stellt Fuchs, Marder, Iltis, Damwild oder Rehe – und einen Waschbären. Der hatte sich in einem Dachgeschoss eingenistet.

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Holger Meyer, seine Tochter Martje und der Hund namens Heister gehen auch schon mal gemeinsam auf die Jagd.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. In der Stadt haben Jäger viel zu tun, auch wenn die Arbeit oft anders aussieht als in einem ländlich geprägten Revier. Zwischen Roschdohler und Eichhofweg liegt ein großes Feld. Im Knick liegt Holger Meyer auf der Lauer. Links und rechts ist Wohnbebauung, hinten rauscht die Autobahn. Idylle sieht eigentlich anders aus. Meyer schwärmt trotzdem. Seit vier Jahren hat er einen Begehungsschein für das Einfelder Revier. „Ich war auf der Suche nach einem Hobby“, erzählt er. Er hat die Jägerei gefunden. Kein Hobby, sondern eine Passion. „Es ergreift einen wie ein Feuer“ – er ist mit Herz und Seele dabei.

 Tochter Martje (19) hat ein Pirschrevier bei Mörel, ihr Vater jagt in der Stadt. Neumünster ist in acht Reviere aufgeteilt. Das in Einfeld ist das größte in der Kreisjägerschaft, es umfasst 1400 Hektar. 800 davon sind bejagbar. Im Einfelder Moor gibt es auch Dam- und Schwarzwild. Wohngebiete, Friedhöfe, Gewerbegebiete oder Parks sind für die Jäger tabu – es sei denn, es gibt Sondergenehmigungen von der Unteren Jagdbehörde.

 Auf was zielt Meyer? Marderhunde, zum Beispiel. „Die ziehen durchs Land und vermehren sich, das heimische Wild gerät ins Hintertreffen“, erklärt er. Füchse nimmt er auch ins Visier. „Wenn das Wild zu wenig Lebensräume hat, dann wird es krank.“ Räude, Staupe, Fuchsbandwurm – das kann auch gefährlich für die Menschen werden. „Also müssen die Füchse stärker bejagt werden“, so der 52-Jährige.

 „Eine Kugel fliegt fünf Kilometer weit“, klärt Meyer auf. Bevor sie den Lauf des Gewehres verlässt, muss der Jäger sicher sein, niemanden zu gefährden. Und das ist nicht einfach in einem Stadtrevier. Die nächste Straße ist schon zu sehen, Spaziergänger, Mountainbike-Fahrer, Hundebesitzer genießen die Natur. Oft vergessen sie aber auch, dass sie oder frei laufende Hunde das Wild aufscheuchen, hetzen und verjagen. „Eine Krux!“

 40 Stück Rehwild stehen auf der Liste des vergangenen Jagdjahres, aber nur 24 davon sind geschossen worden. „16 Stück haben wir auf der Straße eingesammelt.“ Auch das gehört zum Job der Jäger. Oft werden die Tiere nur angefahren und fliehen schwer verletzt. Mit seinem Hund Heister, einem vierjährigen Deutsch Langhaar, macht sich auch Meyer dann auf die Nachsuche.

 Von Hausbesitzern werden Jäger schon mal um Hilfe gebeten, wenn ein Marder im Haus oder auf dem Grundstück sein Unwesen treibt. Beim Bau der Holsten-Galerie sollten die Jäger die Tauben-Plage in den Griff kriegen. „Mitten in der Stadt? Da musste der Kämmerer ran“, erinnert sich Meyer. Aaskrähen in der Innenstadt werden auch gerne mit Vögeln bejagt, „da werden dann Falkner gerufen“, weiß Martje Meyer. Und falls ein Reh im Garten die Rosen abknabbert? „Tja, dann muss eben der Zaun erhöht werden.“

 Wenn nachts in Einfeld das Jagdhorn tönt, kann es sein, dass Holger Meyer einen Fuchs zur Strecke gebracht hat. Die Jagd sieht er differenziert. Einerseits werden Urinstinkte befriedigt, andererseits wird Leben ausgelöscht. Für ihn gehört der Respekt auch vor dem toten Tier zwingend dazu. „Das Versorgen des Wildes, das Verabschieden und auch das Verblasen mit dem Jagdhorn sind feste Rituale“, erklärt er. Das kann allerdings auch nachts um 2 Uhr sein.

 „Jäger zu sein, kostet unheimlich viel Zeit“, gibt Meyer zu. Besonders wichtig ist für ihn, die Leidenschaft mit Tochter Martje teilen zu können. Gemeinsam ziehen sie auch los, tauchen in die Natur ein, sie besprechen Erfolge und Probleme.

 Die Sache mit dem Waschbären im vergangenen Sommer ging übrigens blutig zu Ende. Für das Tier, aber auch für Meyer, der eine ordentliche Bisswunde an der Hand davontrug und sogar krank geschrieben war. Jäger zu sein ist spannend, abwechslungsreich, aber manchmal auch gefährlich – selbst in der Stadt.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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