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Merkel fordert Unterstützung für Günther

Auftritt der Kanzlerin Merkel fordert Unterstützung für Günther

Kanzlerin Angela Merkel hat von ihrer CDU Mut für neue Lösungen eingefordert. Die Union sei „keine Mäkelpartei oder Problem-Auflistungs-Partei, sondern eine Partei mit Lösungskompetenz“, sagte die Bundesvorsitzende am Freitag in Neumünster zum Auftakt einer Reihe von Regionalkonferenzen.

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Besuch in Schleswig-Holstein: Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm neben Schleswig-Holsteins CDU-Chef Daniel Günther Platz.

Quelle: Frank Peter

Neumünster. Gleich am Eingang haben verdiente Parteifreunde Gelegenheit, sich noch schnell mit der Kanzlerin fotografieren zu lassen. Wie Angela Merkel da in ihrer fliederfarbenen Jacke mit den großen Knöpfen steht, die Hände zur Raute gefaltet, den Mund zum Lächeln geformt, sieht sie beinahe aus, als wäre sie einem Wachsfigurenkabinett entsprungen. Es ist ihr erster Auftritt vor der Parteibasis, seit sie am Sonntag angekündigt hatte, bei der nächsten Bundestagswahl wieder als CDU-Spitzenkandidatin anzutreten. 600 Parteifreunde aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind an diesem Donnerstagabend zur Regionalkonferenz in die Holstenhallen Neumünster gekommen, um sich von der Regierungschefin eine Art Kompass zu holen.

„Ich habe eine Bitte an Sie alle“, sagt Merkel gleich in den ersten Minuten und wirkt plötzlich sehr lebendig: „Unterstützen Sie Daniel Günther. Er hat das Zeug dazu, Ministerpräsident zu werden.“ Bis zur Landtagswahl 2017 seien noch über 150 Tage Zeit. „Da kann man fast zu allen Menschen gehen. Also, ran an den Speck und losgelaufen.“ Zum Bundesparteitag Anfang Dezember in Essen will sie einen Leitantrag mit dem Titel „Orientierung in schwierigen Zeiten für ein erfolgreiches Deutschland und Europa“ einbringen.

Bekenntnis zu Leistung und Bildung

Merkel hebt den Wert der sozialen Marktwirtschaft hervor: Deutschland könne seinen Einfluss am besten dann ausspielen, wenn es wirtschaftlich stark ist und die Menschen Arbeit haben. Ein Bekenntnis zu Leistung und Bildung gehöre dazu. „Praktische Fähigkeiten sind uns genauso lieb wie die intellektuellen. Das hat Deutschland stark gemacht.“ Wobei das Leistungsprinzip schon in der Schule beginnen dürfe. Leistung und Freude müssten einander nicht ausschließen. Auch Sicherheit sei wichtig, der Kampf gegen Einbrüche, die Wertschätzung für die Leistung von Soldaten und Polizisten.

Nach dem schwierigen Jahr 2015 spricht Merkel ausführlich über das große Thema Integration und betont, dass das Ganze auch eine Bringschuld sei: Flüchtlinge müssten bereit sein, die Sprache zu erlernen, deutsche Gesetze einzuhalten und die deutsche Kultur kennenzulernen. Wer kein Aufenthaltsrecht hat, müsse konsequenter als bisher abgeschoben werden.

Merkel als Konstante

Als dann Fragen gestellt werden dürfen, tritt eine Frau aus dem Kreis Steinburg ans Mikro, dankt Merkel für ihren Mut und ihre Beharrlichkeit während der Flüchtlingskrise und stellt ihr dann den syrischen Flüchtling Jassem Al-Essa vor. Der 30-Jährige aus Aleppo, der inzwischen als Dolmetscher in der Flüchtlingshilfe arbeitet, würdigt Deutschlands Leistung. „Wir möchten etwas zurückgeben.“ Dann überreicht ein Kollege der Kanzlerin Blumen. „Es ist beklemmend für mich, jeden Abend Bilder aus Aleppo zu sehen“, antwortet Merkel. „250.000 Menschen ohne medizinische Hilfe: Dass das syrische Regime systematisch alle Krankenhäuser bombardiert, ist ein Kriegsverbrechen.“

Der neue Parteichef Günther bezeichnet Merkel im Anschluss als „Stabilitätsanker“. Dass sie erneut die Kanzlerschaft anstrebt, habe im Landesverband Erleichterung ausgelöst und werde sich positiv auf die Landtagswahl auswirken. „In Zeiten wie diesen brauchen die Menschen eine verlässliche Konstante.“

Nach Neumünster plant die CDU weitere Regionalkonferenzen in Heidelberg, Münster und Jena.

dpa

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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