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Das Privileg des Wochenmarktes

Ausstellung in Neumünster Das Privileg des Wochenmarktes

Mit der Tatsache, dass Neumünster seit über 250 Jahren – exakt seit 1764 – das Marktrecht besitzt, setzt sich die jüngste Ausstellung im historischen Marktmeisterhäuschen auf dem Kleinflecken auseinander. Großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen dokumentieren das Marktgeschehen von den 50er bis zu den 70er Jahren.

Marktmeister Erich Rohwer kassierte die Standgebühren ein. Die Ausstellung zeigt Wochenmarkt-Szenen aus den 50er bis 70er Jahren.

Quelle: Walter Erben / Archiv M. Krebs

Neumünster. Das Recht, einen wöchentlichen Markt abzuhalten, bedeutete für den Flecken Neumünster ein ausdrückliches Privileg, nachdem bisher nur einmal im Jahr ein Markt gestattet war. Und zwar am Todestag Johannes des Täufers. Der steht zwar nicht genau fest, aber ein kirchlicher Gedenktag wird am 29. August gefeiert.

 Das Privileg wurde für einen Freitags-Wochenmarkt erteilt, auf dem Fremde und Einheimische Holz und Torf, Eier, Butter und Speck, Fisch und Geflügel sowie Garten- und Feldfrüchte anbieten konnten. Durch diesen Direkt-Handel „sollte das Aufkaufen, das fuderweise Wegfahren und eine damit verbundene Teuerung verhindert werden“, wie Autorin Irmtraut Engling in ihrem Beitrag zu „Das Neumünster Buch“, erschienen 1985 im Karl Wachholtz Verlag, berichtet. Wiederverkäufer durften erst ab 12 Uhr übrig gebliebene Ware erstehen.

 1769 soll der Großflecken den Kleinflecken als Marktplatz abgelöst haben. Später begann die Diskussion darüber, wenigstens den Viehmarkt auf den Kleinflecken zu verlegen, was die Kleinflecken-Bewohner durchaus befürworteten: mit Hinweis auf seine ungünstigeren wirtschaftlichen Bedingungen. Dort gab es 1825 nur eine Gastwirtschaft und einen Schlachter mit Krugwirtschaft, am Großflecken sechs Gastwirte, außerdem acht Landwirte mit Krugwirtschaft und zudem das einzige Weinhaus.

 Erst nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahr 1948, wurde der Kleinflecken zu Neumünsters angestammtem Marktplatz, wo freitags und später auch dienstags rund um die Gildeeiche die Neumünsteraner ihre Einkäufe tätigten. Erst als im Jahr 2010 der Umbau begann, um Neumünsters historische Keimzelle, an der neben der Stadthalle schließlich auch das Museum Tuch + Technik gebaut worden war, attraktiver zu gestalten, musste der Markt wieder auf den Großflecken umziehen.

 Was als Provisorium gedacht war, kam bei Marktbeschickern und Kunden so gut an, dass im April 2011 eine Befragung ergab: Der Markt bleibt auf dem zentralen Stadtplatz. Die Geschichte des Kleinflecken-Marktes erzählt derweil die aktuelle Ausstellung mit Fotos des einstigen Pressefotografen Walter Erben.

Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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