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Anrempeln gehört dazu

Jahrmarkt in Neumünster Anrempeln gehört dazu

Mit wildem Gekreische sausen Kinder mit ihren Vätern, Mütter mit ihren Töchtern und Senioren mit ihren Enkeln in den Elektrofahrzeugen auf der Bahn des „Super-Scooter“ von Schausteller Ludolf Fock beim Sommer-Jahrmarkt auf dem Jugendspielplatz in Neumünster herum. Anrempeln gehört dabei zur Ehrensache und macht den Fahrspaß zum Vergnügen.

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Anrempeln ist Ehrensache beim Autoscooter: Mit den Elektrofahrzeugen über die Piste rasen und dabei möglichst mit anderen zu kollidieren, gehört seit über 90 Jahren zum Hit auf den Jahrmärkten Europas.

Quelle: Karsten Leng

Neumünster. Mit Argusaugen verfolgt Ludolf Fock das Treiben auf der 26 Meter langen und elf Meter breiten aus 26 Metallplatten bestehenden Bahn. Laute Discomusik hämmert aus den Lautsprecherboxen. Doch das fröhliche Gejohle der Fahrzeugbesatzungen kann die Musik nicht übertönen. Mit strahlenden Gesichtern und der sichtbaren Vorfreude auf den unausweichlichen und gewollten Rempler mit den anderen Fahrzeugen drehen die Besatzungen ihre Runden. Die Geschwindigkeit kann Fock mit einem Griff an einem Drehregler steuern. „Wir belassen es meistens bei etwas schnellerer Schrittgeschwindigkeit“, erklärt der Neumünsteraner Schausteller.

 Schon sein Großvater war in den 50er-Jahren auf den Jahrmärkten mit einem Autoscooter mit dem bezeichnenden Namen „Ramling-Car“ unterwegs. 1963 kam ein weiterer Scooter zum Einsatz. „Das war die Avus-Bahn, an die sich noch viele ältere Neumünsteraner mit großer Freude erinnern“, weiß Fock. Der 55-Jährige ist durch und durch Schausteller. Der Scootertradition seines Großvaters und Vaters, der 1961 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, ist er treu geblieben. 1999 kaufte Fock den „Super-Scooter“, der damals erst zwei Jahre alt war, aus einer Insolvenzmasse. Über die Investitionssumme bewahrt Ludolf Fock Stillschweigen. Der Vorbesitzer habe für das Fahrgeschäft rund 1,5 Millionen DM bezahlt, verrät er schmallippig.

 Im Gegensatz zu den Vorgängerscootern braucht es für Aufbau und Abbau nur noch zwei Mitarbeiter. Das Fahrgeschäft wiegt rund 45 Tonnen, es ist komplett auf einem Lastzug gelagert und wird dank Hydrauliksteuerung ausgefahren. „Das geht mittlerweile alles automatisch, ohne dass wie früher -zig Helfer mehrere Tage benötigten, um jedes Einzelteil heranzuschleppen und zu montieren“, berichtet Fock. Das Schwierigste sei das Austarieren. Die Fahrbahn muss absolut in der Waage sein. Sie ruht auf 144 Stempeln, die je nach Gelände mit Holzbalken unterlegt werden. „Dazu benutzen wir ein Lasermessgerät“, sagt der Schausteller aus Neumünster. Rund acht Stunden werden benötigt bis der Scooter einsatzbereit ist.

 Die Autos sind erheblich sicherer geworden. Dicke Kunststoffummantelungen an der Stromabnehmerstange, Lenkräder mit weichen Polsterungen, der Kabinenrand ist ebenfalls so geschützt, und der obligatorische dicke Gummiring um das Chassis verhindern, dass die Fahrer bei den unabwendbaren Karambolagen blaue Flecken oder gar Schlimmeres davontragen. Wer will, kann sich sogar anschnallen. „Seit dem Start unseres Familienunternehmens vor 60 Jahren hat es noch nie einen Unfall mit Verletzten gegeben“, erzählt Ludolf Fock stolz.

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