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Junge Leute in der Schuldenfalle

Beratungsstelle zieht Bilanz Junge Leute in der Schuldenfalle

Der typische Kunde der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Altholstein hat mehrere Ratenkredite laufen – und in 14 Prozent aller Fälle ist er unter 25 Jahre alt. Es wirkte, als ob man sich alles leisten kann, doch dann wuchs der Schuldenberg. Jetzt sucht er Hilfe, Rat und Unterstützung.

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Auch spielerisch kann man lernen, richtig mit Geld umzugehen. Sibylle Schwenk (links, Fachbereichsleitung) und Andrea Dobin (Geschäftsbereichleitung Soziale Hilfen) zeigen das Spiel „Ein x Eins – Augen auf im Geldverkehr“.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Nennen wir ihn Stefan. Stefan ist 24 Jahre alt, hat keine Berufsausbildung, eine Tochter (1), lebt aber nicht mehr mit der Mutter zusammen. Er hält sich mit Jobs bei Zeitarbeitsfirmen über Wasser, wird aber immer mal wieder gekündigt, landet beim Jobcenter, sucht sich neue Arbeit. 6500 Euro Schulden hatte er. Bei den Stadtwerken, bei Telekommunikationsunternehmen, im Fitnessstudio, dazu kommen zwei Schmerzensgeldforderungen. Er ist ein typischer Kunde der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Altholstein. Und die versucht zu helfen.

 489 Neumünsteraner zwischen 18 und 80 Jahren nahmen im vergangenen Jahr die allgemeine Schuldnerberatung der Diakonie in Anspruch. Dazu zählt die akute Hilfe bei einer Stromsperre oder Pfändungen ebenso wie Hilfe bei Rechtsstreitigkeiten. Zahlreiche dieser Beratungen münden in der Verbraucherinsolvenzberatung, von der es 543 laufende Fälle im Jahr 2015 gab. 77 Klienten sind bis 25 Jahre alt, also 14 Prozent.

 Immer wieder rutschen junge Menschen in die Verschuldung, weil sie die Kosten für ein selbstständiges Leben nicht richtig einschätzen. „Der erste Schritt in die Schuldenfalle sind oft Ratenkredite“, sagt Sibylle Schwenk, Fachbereichsleitung bei der Schuldner- und Insolvenzberatung. Jugendliche und junge Erwachsene sollen deshalb besser aufgeklärt werden, was das Leben wirklich kostet.

 Dafür gehen die Schuldnerberater in Schulen: Im Rollenspiel werden die Schüler zum Azubi, zum Studenten, mieten eine Wohnung, kaufen ein Handy, Möbel, gehen in die Disco. Und dann ziehen sie Ereigniskarten, die alles durcheinanderwirbeln. „Kurzschluss im Toaster – Wohnungsbrand“ zum Beispiel, oder „Freundin ist schwanger“. 15 Veranstaltungen gab es im vergangenen Jahr an allgemeinbildenden Schulen, gerne würden die Berater auch an Berufsschulen gehen. Und sie verleihen das Spiel „Ein x Eins - Augen auf im Geldverkehr“ auch.

 „Der Königsweg in der Schuldnerberatung ist die außergerichtliche Einigung“, so Sibylle Schwenk. Bei Stefan hat es geklappt, er zahlt monatlich Geld auf ein Treuhandkonto der Diakonie, bei sechs Forderungen gab es einen Vergleich, der Schuldenberg ist auf 3600 Euro geschrumpft. Stefan kümmert sich, sucht Perspektiven, die Schuldner- und Insolvenzberatung hilft weiter.

 Schulen können sich bei der Schuldnerberatung melden und Termine vereinbaren: Tel. 04321/25271010, E-Mail: sibylle.schwenk@diakonie-altholstein.de

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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