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Vom Container-Revier in den Streifenwagen

Neumünster Vom Container-Revier in den Streifenwagen

Birgit Malecha-Nissen ist in Neumünster mit auf Streifenwagen-Fahrt gegangen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete wollte mit den Beamten unter anderem über ihre Arbeitsplätze reden: Das 1. Polizeirevier in Neumünster residiert in Containern an der Altonaer Straße.

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Kristin Scheel (links) und Ralf Lüthje haben die Bundestagsabgeordnete Birgit Malecha-Nissen einen Nachmittag lang auf ihrer Streife mitgenommen. Auch sie hat sich eine schusssichere Weste übergestreift – man weiß nie, was passiert.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Es ist eng in den Containern. „Die Umkleidekabinen sind eine Zumutung“, sagt ein Polizist. Aber Besserung ist in Sicht, der Neubau im Entstehen. Nach einigen Verzögerungen ist als Einzugstermin nun September geplant. Seit gut fünf Jahren, seit dem Umzug aus der Parkstraße, gibt es keine Gewahrsamszellen mehr in Neumünster. Man merkt sofort, dass das große Schwierigkeiten verursacht. Gerade ist eine hilflose Person aufgegriffen worden. Der Mann ist offensichtlich volltrunken. Zwei Beamte müssen ihn jetzt nach Rendsburg oder Kiel bringen. Ein extremer Zeitaufwand – oft mehrfach die Woche. Im Herbst wird das Problem aber endlich gelöst sein.

 Birgit Malecha-Nissen steigt zu Polizeiobermeisterin Kristin Scheel (29) und Polizeioberkommissar Ralf „Moses“ Lüthje (49) in den Streifenwagen. Ein ganz neues Modell, schon mit Touch-Screen im Armaturenbrett. Darüber läuft schnell der erste Einsatz ein: In einem Geschäft am Großflecken ist ein junger Ladendieb erwischt worden. Der Junge, nennen wir ihn Sergej, sitzt im Hinterzimmer, als die Streifenwagenbesatzung ankommt. „Wie alt bist Du?“, fragt Lüthje. Der Junge spricht Deutsch. Und er behauptet: „Fünf.“

 Tatsächlich ist er 13 und lebt in der Erstaufnahmeeinrichtung am Haart. Zwecks Personalienfeststellung geht es mit ihm in die ehemalige Kaserne zu seiner Familie. In dem Fünf-Bett-Zimmer in Haus 4 wirken die Eltern entsetzt, der größere Bruder übersetzt. Ein Walkie-Talkie und einen Füller habe Sergej eingesteckt. „Mach‘ das nicht nochmal“, sagt Lüthje. Der kleinlaute Junge schnieft – lehnt aber das Taschentuch, das ihm Birgit Malecha-Nissen anbietet, ab.

 Auf der weiteren Fahrt durch die Innenstadt bleibt zwischen kleineren Einsätzen Zeit für Gespräche. „Ich habe höchsten Respekt“, sagt die SPD-Politikerin. Die beiden Polizisten berichten von ihrer Arbeit. „Es ist abwechslungsreich und interessant“, berichtet Kristin Scheel. Malecha-Nissen glaubt es ihr aufs Wort.

 Das Arbeitsklima ist gut. Aber Polizeihauptmeister Peter Kuhlmann und ein paar Kollegen sprechen die vielen Sondereinsätze an. Fußballspiele, Rockertreffen, Demonstrationen – bei zusätzlichen Einsätzen am Wochenende „fliegt schon mal der gesamte Dienstplan durcheinander“. Die vielen Überstunden durch die Flüchtlingssituation im vergangenen Jahr sind inzwischen größtenteils abgebaut. Malecha-Nissen macht sich Notizen. Und sie würde gerne wiederkommen. Der Einblick in den Polizeialltag war interessant. Und Gesprächsbedarf gibt es allemal.

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