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Viel Frust, den sich der Bischof anhörte

Nortorf Viel Frust, den sich der Bischof anhörte

„Ein großes Netzwerk“, stellte Bischof Gothard Magaard nach dem Bericht des Freundeskreises für Asylsuchende im Amt Nortorfer Land (FANL) fest. Der Bischof bereist derzeit seinen Kirchsprengel, um sich einen Überblick über die Situation der Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer zu machen und Probleme zu besprechen.

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Im Garten hinterm weißen Haus wird Integration zum Spiel: Bischof Gothart Magaard testet mit den Flüchtlingen (von links) Abdualltif Alia, Feras Alhalaak und Hamza Nasab sein Können am Tischkicker. Der Bischof bereist derzeit seinen Kirchsprengel, um sich einen Überblick über die Situation der Flüchtlinge und Helfer zu machen

Quelle: Beate König

Nortorf. Konkreter Anlass für Margaards Besuch: Er weiß vom Frust der Flüchtlinge, deren Asylanträge seit Monaten nicht bearbeitet werden, von den Hürden, die es fast unmöglich machen, ein Praktikum, einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle zu finden. Auf der Seite der Ehrenamtlichen, die bis zur Selbstaufgabe arbeiten, sei erkennbar, dass sie an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

FANL-Sprecher Hanns Lothar Kaempfe benannte offen Probleme. Es beginne bei der Unterbringung von Kindern, während die Erwachsenen Deutschkurse besuchen, gehe über schlechten Öffentlichen Personennahverkehr und Mangel an Paten, die Flüchtlinge zu Ämtern und Ärzten fahren und ende beim Umgang mit gezielter Provokation und den Konflikten, die unter den Flüchtlingen beim Leben auf engstem Raum entstehen. Sauer ist er über die „Zweiklassengesellschaft“: Afghanische Flüchtlinge bekommen keinen Deutschunterricht.

Pastorin Anna Trede kritisierte: „Die Politik hat sich in Nortorf ziemlich herausgehalten aus der Integrationsarbeit.“ Im neu gegründeten Integrationsforum sei es mühsam, den Stadtverordneten klar zu machen, dass die Organisation der Flüchtlingsarbeit auch ihre Sache sei. Propst Matthias Krüger stellte fest: „Die aktuelle Entscheidung der Politiker zur Zuweisung von Wohnungen an Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben dürfen, hat Folgen. Die Ehrenamtlichen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Patenschaften zu Flüchtlingsfamilien nicht auf Dauer angelegt sind. Die Familien sollen, anders als gedacht, nicht ins Dorfleben integriert werden.“ Zur Willkommenskultur komme eine „Verabschiedungskultur“. „Das zu akzeptieren, dauert.“

Kaempfe wandte sich an Maargard: Was rechtlich in Ordnung sei, sei menschlich eine Tragödie. „Bei der menschliche Komponente brauchen wir Unterstützung.“ Kaempfe berichtete: „Wir hatten schon freiwillige Rückzüge von Familien, für die das Warten unerträglich wurde. Sie sind zurück nach Afghanistan und in den Irak gegangen.“

Walter Wiegand, Koordinator der Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis, stellte den 30 FANL-Helfern ein Gesprächsprojekt für Deutsche und Flüchtlinge in Aussicht. In kleinen, gemischten Gruppen tauschen sich Flüchtlinge über ihre Ängste in Deutschland und Deutsche über ihre Ängste vor Flüchtlingen aus. „Etwas Ähnliches lief bereits erfolgreich in Rendsburg“.

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