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Bücherei Einfeld Britisches Menü mit Gruselfaktor

Claudia Toppe hatte den richtigen Animus. Die Krimidinner, bei denen die Gäste in der Stadtteilbücherei Einfeld selbst als Akteure wirken, sind bis zum letzten Leichen-Schmaus Ende Februar ausgebucht. Besonders schöner Erfolg für Toppe und Team: Für die nächste Staffel liegt schon die erste Buchung vor.

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In dieser Krimidinner-Runde stimmte von Anfang an alles: Bert Hellstern (von links), Susanne Brachmann, Gastgeberin Claudia Toppe, Iris Bendzuk und Cornelia Appel-Stender.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Wenn es darum geht, Geld in die Kasse für die ehrenamtlich getragene Bücherei zu spülen, für die die Stadt die Räume stellt, ist man in Einfeld immer erfinderisch gewesen. Unter der Auflage „geschlossener Raum, keine Schauspieler, keine Zuschauer“ erwirkte Toppe beim Blaubart-Verlag die Aufführungsrechte der etwas anderen Art für den Krimi Der Fluch der Grünen Dame.

 Dafür müssen sich die Damen des Teams umso mehr ins Zeug legen; die Logistik ist stets eine Herausforderung. Toppe und Hans-Joachim Wallrodt zeichnen als eingespieltes Team für edle Tisch- und Raumdeko mit violettem Samt, Damast, Tafelsilber und Nobel-Goldrand-Service (aus eigenen Beständen) verantwortlich. Wallrodt ist verantwortlich für das „quälend langsam gegarte“ Roastbeef. „Vier Stunden bei 80 Grad, ist perfekt geworden.“

 Dazu warten auf dem Buffet-Tisch außer giftgrünem Salat und Nachspeise „squeezed peas and potatoes“ (Erbsen-Kartoffel-Püree) und englische Minzbutter, denn die Story spielt schließlich auf Schloss Darkmore. In dem englischen Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert dreht gerade ein Filmteam, dessen Regisseur Oscar Wilder plötzlich in seinem eigenen Blute liegend ermordet aufgefunden wird.

 Wer bei Tisch inmitten von 9500 Bücherei-Medien die Rollen von Schlossherrin Lady Darkmore oder der abgehalfterten Schauspielerin Helen Wirren übernehmen darf, legt normalerweise der Gastgeber fest, der für Gruppen von acht bis zwölf Personen buchen kann. „Wenn zwei fremde Teams bei einem Termin zusammen kommen, übernehme ist das“, erklärt Spielleiterin Toppe.

 Wiebke Wallrodt, die als Mrs. Bustoms den Part am Recorder übernimmt, aus dem sich immer wieder Chief Inspector Watson klärend ins Geschehen an der Tafel einmischt, stellt klar: „Jedem ist es selbst überlassen, wie sehr er sich in seine Rolle einbringt.“ Beim jüngsten Dinner lief von Anfang an alles perfekt: Die Gäste erschienen kostümiert und geschminkt (Magda Hellstern-Hummel mit köstlichem Menjou-Bärtchen); Bert Hellstern mimte den Part des bornierten Filmstars Humphrey Bogwart bereits zum Begrüßungs-Sherry.

 Nach zweieinhalb Stunden war das Dessert verspeist und der Fall gelöst. Toppe sank nach Geschirrspülen daheim nachts um eins ins Bett, traf sich tags drauf mit Wallrodt, um Castle Dartmore wieder büchereigemäß herzurichten. Seit November sind die Krimidinner der Renner gewesen. „Und in der nächsten dunklen Jahreszeit gibt’s ein neues Stück“, verspricht Toppe.

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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