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Millionen-Deckel für das Hügelgrab

Deponie Wittorferfeld Millionen-Deckel für das Hügelgrab

Bei ihrer Inbetriebnahme im August 1991 galt sie als die modernste Mülldeponie Europas, im September 2014 war dann Schluss mit Abfall in Wittorferfeld in Neumünster. Ab 2023 soll mit der endgültigen Abdeckelung begonnen werden. Die SWN rechnen mit Kosten von 30 Millionen Euro.

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Norbert Bruhn-Lobin mit Proben von der 2,5 Millimeter dicken Kunststoffdichtung und der Mergelschicht, die die wesentlichen Bestandteile des Deponiedeckels bilden werden. Im Hintergrund der „Berg“ und rechts das kleine Aggregat, das Deponiegas in Strom umwandelt.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Die Kosten allein für den neuen Deckel für den Deponieberg beziffern die Stadtwerke Neumünster auf 15 Millionen, die gesamte Nachsorge auf 30 Millionen Euro.

Auf 40 Meter über Geländehöhe und eine Fläche von 14 Hektar erstreckt sich der längst begrünte Deponieberg, den Norbert Bruhn-Lobin, kommissarischer SWN-Geschäftsführer, das „Hügelgrab der Wegwerfgesellschaft“ nennt. 2,5 Millionen Tonnen Abfall schlummern darin, davon 1,5 Millionen Tonnen aus der grauen Tonne. „Ab 2005 wurden hier nur noch Aschen und Schlacken von der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage angeliefert.“ Schon länger wird konkret über den „Deckel“ nachgedacht, für den die SWN seit vielen Jahren finanzielle Vorsorge getroffen haben.

Aber noch ist es nicht soweit. „Die schweren Aschen und Schlacken obendrauf lasten wie ein Ziegelstein auf dem absackenden Müll-Material darunter“, schildert Bruhn-Lobin anschaulich. Allein 40000 Kubikmeter Wasser im Jahr sickern aus der mit einer Kontrolldrainage abgedichteten Deponie, die in einer Kläranlage auf dem Gelände gereinigt werden. Einen eindeutigen Trend, in die Breite zu wachsen, zeigt „der Berg“ nicht. „Aber an einigen Stellen sackt der Hügel pro Jahr um 20 Zentimeter ab. Deshalb wäre es verlorenes Geld, schon jetzt eine teure Abdeckung zu realisieren, dessen Schweißnähte dann womöglich reißen“, sagt Bruhn-Lobin.

Absacken und sich Abarbeiten lassen (aus dem entweichenden Gas werden heute nur noch 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr gewonnen; 20 Prozent der Menge von vor zehn Jahren) heißt die Devise, bevor „einmal und dann ordentlich“ die etwa drei Jahre dauernde Deckelung erfolgt. Dafür werden 2,5 Millimeter dicke Polyethylen-Folienbahnen verschweißt, auf die Mergelschichten in drei Lagen à 25 Zentimeter aufgebracht werden. Darauf kommt eine zwei Meter dicke Bodenschicht, die begrünt wird. „Zum Schutz der Umwelt wird das Ding für immer eingesargt“, erklärt Bruhn-Lobin.

Das ist der gesetzliche Auftrag. Aber in seinen Augen gibt es durchaus den politischen Auftrag, diese Lösung zu überdenken. „Solange wir den Standort hier professionell betreiben, geht keine Gefährdung davon aus. Schadstoffe wie Chemikalien schlummern hier nicht“, versichert Bruhn-Lobin. Die Versorgung der Altdeponie mit Gasmessung, Gutachten, Entwässerung lassen sich die SWN 400000 Euro im Jahr kosten. „Die abschließende Deckelung ist ein Konzept aus den 1980er-Jahren. Wenn man eines Tages an die wertvollen Rohstoffe in den verwertbaren 1,5 Millionen Tonnen Müll da unten möchte, dann war der Deckel teuer.“

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Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

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