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Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge

Schon wieder auf der Kippe Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge

Sie sind aus ihrem Heimatland geflüchtet, wurden oft Opfer von Gewalt und Folter. Sie leben in großen Unterkünften ohne Rückzugsmöglichkeit. Seit 1. Juni bietet die Diakonie in der Psychosozialen Anlaufstelle (PSA) Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge an. Das junge Angebot ist schon wieder gefährdet.

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Cornelia Sohlich und Milan Götze arbeiten in der Psychosozialen Anlaufstelle für Geflüchtete, Am alten Kirchhof 12. Sie bieten Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge an.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Psychologe Milan Goetze und Pädagogin Cornelia Sohlich arbeiten in der PSA, ihre Klienten kommen aus Syrien, Afghanistan, Serbien, Tschetschenien und anderen Ländern. Aktuell sind 15 Flüchtlinge in der Beratung. Vermittelt werden sie meist durch die Betreuungskräfte in den Unterkünften oder Anlaufstellen für Flüchtlinge. Der Jüngste ist 14 Jahre alt, der Älteste 65. Und gerade ihn plagt das Gefühl der Isolation. „Er lernt jetzt langsam Deutsch. Als Kurde in Syrien sprach er schon in der Schule eine andere Sprache, jetzt ist die Sprache wieder ein Hindernis“, erklärt Milan Goetze. Wie geht es mit ihm weiter?

 Die Flucht steckt noch in ihren Knochen, sie haben ihre Familien zurückgelassen, fühlen sich ohnmächtig, haben Schlafstörungen, sind nervös, warten, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird. „Der Tag kann lang werden, wenn man nur da sitzt und die Hände in den Schoß legt“, sagt Cornelia Sohlich. Sie möchte mit den Flüchtlingen deren Stärken suchen, ihre Lebenswelt wieder ordnen, Tagesstrukturen schaffen. Kontakt zur Freiwilligenagentur ist geknüpft. „Das Ehrenamt ist da eine Möglichkeit“, erklärt sie. Eine Anfrage im Tierpark ist dort schon auf große Offenheit gestoßen.

 Die PSA leistet also doppelt Unterstützung für traumatisierte Flüchtlinge – sowohl mit psychologischer als auch sozialpädagogischer Beratung. Aus Bundesmitteln wurden dieses Jahr zwei Psychologische Anlaufstellen in Schleswig-Holstein finanziert: bei der Diakonie in Neumünster und beim Paritätischen in Kiel. Die Zusage gilt aber nur bis Ende 2016, für 2017 sind die Mittel noch nicht in den Bundeshaushalt eingestellt worden.

 Mitte November wird darüber entschieden. Gibt es kein Geld vom Bundesministerium, muss das Angebot wieder eingestellt werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so kurzfristig gedacht wird“, sagt Heinrich Deicke, Geschäftsführer der Diakonie Altholstein. Doch die Gefahr besteht. 85000 Euro hatte Neumünster aus dem Topf des Akutprogramms bekommen, „mit Eigenmitteln können wir das nicht leisten“, so Deicke.

 Die PSA ist dem Beratungszentrum Mittelholstein der Diakonie angegliedert, hier gibt es Erziehungs- und Familienberatung, Paar- und Lebensberatung. „Traumatisierungen sind uns bekannt“, erklärt Leiterin Gundula Deicke. Die beiden neuen Mitarbeiter Goetze und Sohlich profitieren vom Team. Sie wurden angelernt, fortgebildet. „Wenn das Projekt jetzt wieder in Frage gestellt wird, hätte man sich die ganze Sache sparen können“, so Heinrich Deicke. Dabei nimmt die Nachfrage stetig zu, der Bedarf ist da. Das Angebot spricht sich herum. Und auch die Dolmetscher stehen bereit. Alle hoffen, dass es 2017 weitergeht.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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