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Nicht auf die Frühchen verzichten

FEK Neumünster Nicht auf die Frühchen verzichten

Die Diskussion über Entbindungsstationen in Schleswig-Holstein betrifft auch das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster. Auf Vorschlag der Krankenkassen droht dem FEK eine Abstufung im Leistungslevel auf die Stufe 3, weil die Gesamtzahl der jährlichen Geburten unter 1000 liegt.

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Das Friedrich-Ebert-Krankenhaus hat eigene Kliniken für Frauen und Kinder.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Die Diskussion über Entbindungsstationen in Schleswig-Holstein hält weiter an. Ein Positionspapier der Krankenkassen schlägt neben der Schließung von Entbindungsstationen, wie berichtet, auch die Änderung der Eingruppierung von Krankenhäusern für Frühgeburten vor. Dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster droht danach die Abstufung von Level 2 auf 3, weil die Gesamtzahl der jährlichen Geburten unter 1000 liegt. Damit ist die medizinische Leitung des FEK überhaupt nicht einverstanden.

 Krankenkassen, Kliniken, Kommunen als Träger und die Landespolitik arbeiten derzeit als Beteiligte am neuen Krankenhausplan, der 2017 in Kraft treten soll. Die Neuordnung der Geburtshilfe ist dabei ein Aspekt. Die medizinische Leitung des FEK macht Front gegen die Herabstufung der FEK-Geburtshilfe. Der Ärztliche Direktor, Dr. Ivo Heer, sieht laut einem Bericht des Holsteinischen Couriers sogar die Kinder- und Frauenklinik in ihrem Bestand gefährdet.

 Neumünster verfüge über die ärztliche und pflegerische Expertise, um weiterhin Level-2-Frühgeborene zu betreuen, sagt Dr. Ismail Yildiz, Chefarzt der Kinderklinik am FEK. In diese Gruppe fallen Babys, die nicht wie üblich nach der 40. Schwangerschaftswoche, sondern bereits ab der 29. zur Welt kommen und mindestens 1250 Gramm wiegen. Noch früher und noch kleiner sind es Level-1-Babys, die in den Kliniken in Kiel, Flensburg, Itzehoe und Lübeck behandelt werden sollen, so die Position des Verbands der Ersatzkrankenkassen (vdek).

 „Wir halten sogar alles vor, was Level 1 benötigt“, betont Dr. Yildiz. Die Kombination der Geburtshilfe mit einer Kinder- und Frauenklinik sei eine besondere Stärke des FEK, die in der Argumentation der Kassen nicht berücksichtigt werde. Die „gegriffene“ 1000er-Marke, die in Neumünster nur knapp verfehlt werde, hält der Chef der Kinderklinik für unsinnig. Viel wichtiger sei gerade bei Risikogeburten die „wohnortnahe Versorgung“. Vor Ort lasse sich das Umfeld mit Kinder- und Hausärzten besser einbinden. Das mache auch volkswirtschaftlich mehr Sinn, als die Verlegung von Müttern und Kindern.

 Der Verband der Ersatzkassen verweist in seinem Positionspapier, das auf der Homepage des vdek Schleswig-Holstein einzusehen ist, auf nationale und internationale Vergleiche. Danach haben Länder, die die Anzahl der Geburtshilfen und der Kliniken für Risikoentbindungen deutlich verringerten, die Säuglingssterblichkeit senken können. Durch höhere Fallzahlen verbessere sich die Erfahrung des Personals und damit die Qualität der Prozesse.

 Das Thema Frühchen-Level dürfte, wie die mögliche Schließung von vier von derzeit 21 Geburtshilfen, unter anderem in Preetz und Eckernförde, in dem Arbeitskreis für den neuen Krankenhausplan weiter diskutiert werden. Das Kieler Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, dass es selbst keine Veränderung des Geburtshilfe-Levels für das FEK plane.

 Bei den Levels für Frühgeborene geht es natürlich auch ums Geld. Die Betreuung von Frühchen kann sich über Wochen hinziehen und beschert den Kliniken Umsatz. Gerade für das FEK nicht unwichtig, das derzeit praktisch neu errichtet wird und gerade, wie berichtet, die Zusage für eine Millionenzuweisung vom Land für einen weiteren Bauabschnitt erhalten hat. Dass das Neumünsteraner Krankenhaus wirtschaftlich arbeitet, hat es jüngst mit einem Betriebsergebnis von 3,5 Millionen Euro unter Beweis gestellt. Schwarze Zahlen schreiben längst nicht alle Krankenhäuser.

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Ein Artikel von
Sven Detlefsen
Ressortleiter Holsteiner Zeitung

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