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Die Familien blieben in der Heimat

Flüchtlinge in Schleswig-Holstein Die Familien blieben in der Heimat

Immer mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kommen derzeit in Schleswig-Holstein an. Allein im Juli wurden in Neumünster rund 100 Minderjährige aufgenommen. Das Jugendamt der Stadt und die gemeinnützige Iovu, eine Tochter der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie, die im Stadtgebiet eine Vielzahl von Wohngruppen für diese Flüchtlinge unterhält, stehen vor einem schier unlösbaren Problem.

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Gestrandet in Neumünster: Diese drei Jugendlichen nutzen regelmäßig die kostenlosen Internetportale, um mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben.

Quelle: Leng

Neumünster. „Der Wohnraum ist ausgeschöpft“, berichtet Neumünsters Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth. Doch wie wichtig eine gute Betreuung und Unterbringung ist, zeigt beispielhaft der Fall dreier Minderjähriger aus Eritrea.

 Jussuf, Michel und Hamid (Namen von der Redaktion geändert) treffen sich regelmäßig auf dem Großflecken, dem zentralen Marktplatz in der Neumünsteraner Innenstadt. Auch viele in der Erstaufnahme untergebrachte Flüchtlinge bevölkern den Platz. Das Trio aus Eritrea ist vertieft und schaut auf seine Smartphones. Hier sei der einzige Ort, wo sie kostenlos ins Internet kommen können, um mit ihren Familien in Eritrea Kontakt zu halten, erklärt Jussuf in holperigem Deutsch. Er sei der älteste Sohn von fünf Kindern, erzählt der 17-Jährige. Sein Vater habe nicht gewollt, dass er vom Militär eingezogen wird. Um das zu verhindern, habe es nur eine Möglichkeit gegeben: die Flucht. „Wer sich weigert, den Militärdienst anzutreten, riskiert, dass die ganze Familie im Gefängnis landet.“ Vor rund einem Jahr sei er dann geflüchtet. Auf welchen Wegen er die Bundesrepublik vor zwei Wochen erreicht hat, will der Jugendliche nicht sagen. Er hatte Glück und fand eine Unterkunft in einer der Wohngruppen der Iovu. „Die Betreuung ist sehr gut und ich habe dort neue Freunde gefunden“, sagt Jussuf dankbar. Zurück nach Eritrea? „Das ist unmöglich. Ich gelte als Deserteur. Das kann mich bei einer Rückkehr das Leben kosten“, so der Afrikaner.

 Michel und Hamid sind aus dem gleichen Grund geflüchtet. Sie kommen aus einem Dorf in der Nähe der Hauptstadt Asmara. Sie sind seit ihrer Kindheit Freunde. „Unsere Familien haben für die Flucht mehrere tausend Dollar auch bei Freunden zusammengebettelt“, berichten die beiden. Zu Fuß und per Anhalter haben sie nach mehreren Monaten die libysche Küste erreicht. Mit einem Schlauchboot wurden sie von Schleusern zur griechischen Insel Kos gebracht. „Die Überfahrt war schon schrecklich, aber was wir in Kos erlebt haben, kann sich niemand vorstellen“, so Michel. Die dortigen Behörden seien vollkommen überfordert gewesen. „Es gab nichts zu essen und zu trinken. Wir wurden mehrfach von Sicherheitspersonal verprügelt“. Über den weiteren Weg ihrer Flucht schweigen sich auch diesen Beiden aus. Sie hatten nicht so viel Glück wie Jussuf. In Neumünster vor wenigen Tagen angekommen, sind sie in der mit rund 2200 Bewohnern vollkommen überfüllten Neumünsteraner Erstaufnahme untergebracht. Es sei sehr beengt. Aber die beiden Freunden sind froh, dass sie nun keine Angst mehr haben müssen.

 Die drei Jugendlichen hoffen auf eine Zukunft in Deutschland. Sie möchten studieren, hier arbeiten und eines Tages ihre Familien in die Bundesrepublik holen. „In Eritrea haben wir keine Zukunft“.

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