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Neumünster nimmt weitere 300 Flüchtlinge auf

Flüchtlingsansturm Neumünster nimmt weitere 300 Flüchtlinge auf

Die Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen spitzt sich zu: Für das Wochenende werden im Land rund 300 zusätzliche Asylbewerber erwartet. Um sie unterbringen zu können, stellt die Stadt Neumünster erstmals eine Sporthalle als Notunterkunft zur Verfügung.

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Weil in der zentralen Erstaufnahmestelle des Landes am Wochenende überraschend ein Ansturm von rund 300 Flüchtlingen erwartet wird, hat die Stadt Neumünster einen Krisenstab eingerichtet.

Quelle: Karsten Leng

Neumünster. „Es handelt sich um eine kurzfristige Übergangslösung“, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD). „Die Menschen brauchen ein Bett und ein Dach über dem Kopf.“

Mit Neumünster sei abgesprochen, die Sporthalle der Gemeinschaftsschule Brachenfeld mindestens eine Woche als Notunterkunft nutzen zu können. Für den Schulsport ist die Halle gesperrt. Schon heute werden Feuerwehr und Katastrophenschutz 300 Betten aufbauen. „Wir helfen den Menschen gerne“, sagte Oberbürgermeister Olaf Tauras. Doch mittelfristig müssten andere Lösungen her.

Laut Studt ist der Schritt notwendig, weil die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes aus allen Nähten platzen. In Neumünster sind derzeit mehr als 1000 Menschen untergebracht, in der gerade erst eröffneten Unterkunft in Boostedt fast 400. Dort will das Innenministerium die Kapazität kurzfristig auf 500 Plätze erweitern. Zudem soll die provisorische Erstaufnahme in Kiel zum 1. September öffnen, einen Monat später soll die Einrichtung in Eggebek bei Flensburg folgen.

Die Aufnahmezahlen von Flüchtlingen sind in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen. Allein seit Montag haben rund 700 Flüchtlinge in Neumünster um Aufnahme gebeten. Im Juni waren es insgesamt 1665, im Vorjahresmonat dagegen nur 519. „Diese Steigerung hat niemand vorhersehen können“, sagte der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring. Auch Studt spricht von einer „völligen Überraschung“. Grund sei vor allem die angespannte Situation in anderen Bundesländern. So hätten unter anderem Bayern, Sachsen, Thüringen und Bremen einen Aufnahmestopp verhängt, weil die Kapazitäten trotz Not-Maßnahmen erschöpft sind.

Der Ansturm in Neumünster habe „Folgen für alle Kommunen und damit auch für Kiel“, sagte Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Die Flüchtlinge würden aus der Erstaufnahmeeinrichtung schneller über das ganz Land verteilt. „Wir versuchen im Moment, das so gut wie möglich abzufedern.“ Einen Engpass gab es bereits während der Kieler Woche: Weil alle Hotels ausgebucht waren, wurden Flüchtlinge in einer Sporthalle einquartiert. Auch in Lübeck ist die Situation angespannt: „Wir werden in Kürze Notquartiere einrichten, weil wir nicht genügend Gemeinschaftsunterkünfte haben“, sagte ein Stadtsprecher.

Notlösung für Menschen in Not

Ab Freitag muss der Sportunterricht an der Gemeinschaftsschule im Neumünsteraner Stadtteil Brachenfeld ausfallen. Die Sporthallen werden mindestens eine Woche lang als Notunterkünfte für bis zu 300 Asylsuchende gebraucht.

In der Landesunterkunft für Asylsuchende in Neumünster wohnen momentan 1000 Flüchtlinge. Auch die Zweigstelle in der Boostedter Rantzau-Kaserne ist mit 400 Bewohnern komplett ausgebucht. An diesem Wochenende werden bis zu 300 weitere Flüchtlinge in Neumünster erwartet. Auf Bitten des Kieler Innenministeriums hat die Stadt Neumünster kurzfristig die Sporthallen der Gemeinschaftsschule als Notunterkunft zur Verfügung gestellt.

„Wir haben im Lager des Katastrophenschutzes ausreichend Betten, um 300 Schlafplätze in den Hallen aufzubauen“, erklärte der Chef des städtischen Katastrophenschutzes, Branddirektor Sven Kasulke, gestern. Die Hallen sollen so ausgestattet werden, dass Frauen und Familien als auch alleinstehende Männer jeweils einen eigenen Trakt bewohnen. „Ehrenamtliche Helfer der Regieeinheiten werden am Wochenende die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen“, so Kasulke.

Tagsüber werden drei und nachts zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes die Hallen bewachen“, erklärte der Chef des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring. Der Cateringdienst, der die Versorgung mit Mahlzeiten in der Boostedter Unterkunft leistet, soll jetzt auch die Turnhallenbewohner versorgen. Der DRK-Kreisverband Neumünster, der mit 65 Mitarbeítern die Flüchtlinge in den Unterkünften in Neumünster und Boostedt betreut, hat jeweils 400 Hygiene-und Begrüßungsbeutel gepackt. „Die werden den Neuankömmlingen in der Turnhalle überreicht“, kündigte Sven Lorenz vom DRK Neumünster an. Ob dort auch eine weitere Betreuung durch den Wohlfahrtsverband geleistet werden kann, sieht Lorenz skeptisch. Die Mitarbeiter seien durch die Überbelegungen in den bisherigen Einrichtungen bis aufs Äußerste gefordert. Sicher sei, dass ein medizinischer Dienst den Neulingen zur Verfügung stehen wird.

Schulleiterin Silke Rohwer sieht der Situation recht entspannt entgegen. „Natürlich sind uns die Flüchtlinge willkommen. Wir werden versuchen, in der kommenden und letzten Schulwoche vor den Ferien ein Miteinander mit ihnen und den Schülern zu organisieren. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen.“

Von Patrick Tiede und Karsten Leng

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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Zwischen Neumünster und Lübeck liegen keine 70 Kilometer, in der Flüchtlingspolitik aber Welten. Die Stadt an der Schwale beherbergt bereits die größte Erstaufnahme-Einrichtung des Landes und macht angesichts eines erwarteten Ansturms von Asylbewerbern kurzerhand Platz in einer Sporthalle. Die Stadt an der Trave hat eine Erstaufnahme abgelehnt und zeigt ihre Solidarität mit Flüchtlingen vor allem in Sonntagsreden.

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