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Frauenhaus schlägt Alarm

Einrichtung oft überfüllt Frauenhaus schlägt Alarm

2200 Brötchentüten sind Mittwoch im Rathaus gepackt und dann auf 24 Kitas im Stadtgebiet verteilt worden. Auf den Papiertüten steht die Nummer des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“: 08000116016. Das Thema ist ernst, und auch das Frauenhaus schlägt Alarm. Denn die Einrichtung ist immer öfter voll belegt.

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2200 Brötchentüten sind gestern in 24 Kitas in der Stadt verteilt worden. An der Aktion gegen häusliche Gewalt sind beteiligt (von links) Eilika Degenhardt (Frauenhaus), Sabine Bröcker und Michaela Zöllner (Gleichstellungsstelle), Lars Heimann (JVA-Bäckerei), Jörg Scharnberg (Bäckerei Andresen), Angela Kohls (Brot Rock), Heidi Basting (Gleichstellungsstelle), Sevim Kiraz-Döhring (Frauenhaus), Oberbürgermeister Olaf Tauras, Fachdienstleiter Jörg Asmussen, Hans-Jürgen Tackmann (Bäckerei Tackmann)

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen stapeln sich auch in der Kita Schubertstraße die Brötchentüten auf einem langen Tisch. Gegenüber liegt in dieser Woche Informationsmaterial, das die Gleichstellungsstelle der Stadt zusammengestellt hat. Nach Kita-Schluss durfte jedes Kind mindestens eine Brötchentüte mitnehmen. 1800 Kita-Kinder sollten so das Motto mit nach Hause tragen: Gewalt kommt mir nicht in die Tüte. Dafür haben die sieben Innungs-Bäckereien 1400 Brötchen spendiert, die auf rund 2200 Brötchen aufgestockt wurden.

 „So kommt das Thema in den Familien auf den Tisch“, sagte Oberbürgermeister Olaf Tauras. Nachbarn, Freunde und Verwandte müssen sensibilisiert werden, „alle müssen hinsehen und auch handeln“, erklärte Gleichstellungsbeauftragte Michaela Zöllner. In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr 2031 polizeiliche Einsätze bei häuslicher Gewalt.

 Das Autonome Frauenhaus in Neumünster quillt über. 20 Plätze gibt es dort für Frauen, Jungen und Mädchen. Bis zum 20. November suchten dieses Jahr dort 139 Frauen sowie 147 Mädchen und Jungen Hilfe. „Und das Jahr ist noch nicht zu Ende“, mahnt Eilika Degenhardt, Mitarbeiterin im Frauenhaus. 2014 waren es 117 Frauen und 117 Kinder. Zeitweise waren alle Frauenhäuser im Land voll belegt. Und wenn dann jemand Hilfe braucht? „Wir nehmen jede Frau erstmal auf, und wenn sie auf dem Sofa oder auf einer Matratze auf dem Fußboden schlafen muss“, so Eilika Degenhardt. Am nächsten Tag wird versucht, sie weiter zu vermitteln. Im Schnitt bleiben Mütter mit ihren Kindern 30 Tage im Frauenhaus, einige bleiben drei Monate.

 Hier bekommen sie Hilfe zur Selbsthilfe, suchen sich eine Wohnung, fangen ein neues Leben ohne Gewalt an. Und auch dann gibt das Frauenhaus noch Unterstützung. „Wenn es Probleme bei Formularen oder Anträgen gibt, helfen wir gerne“, sagt Eilika Degenhardt. Das Gros der Frauen, die vor häuslicher Gewalt ins Frauenhaus flüchten, ist zwischen 20 und 40 Jahren. „Ich erinnere mich aber auch an eine 72-Jährige“, berichtet Sevim Kiraz-Döhring. „Sie sagte damals, dass sie sich nun endlich traut, nein zu sagen“, weiß sie noch.

 Info: Autonomes Frauenhaus in Neumünster; Beratung und Zuflucht, rund um die Uhr erreichbar unter Tel. 04321/46733; weitere Informationen im Internet unter www.frauenhaus-neumuenster.de

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