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Fast täglich räumt die Polizei auf

Fundgrube Autobahn Fast täglich räumt die Polizei auf

Eine Maurerbütt geistert nahezu täglich durch den Verkehrsfunk, Kanthölzer sind beinahe Massenware. Vor Planen wird gewarnt, und im Dezember vor Tannenbäumen. Die Autobahn als Fundgrube: Lkw, Transporter, Pkw mit Anhänger – sie alle verlieren Ladung. Manchmal ist etwas Spektakuläres dabei.

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Jochen Einfeldt ist Revierleiter der Autobahnpolizei Neumünster. Fundstücke auf der Autobahn gehören „zum Alltag“, es bleibt trotzdem gefährlich. Ob es die Maurerbütt, ein Kantholz, ein Fahrrad oder ein Sofa ist.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. „Wir hatten mal ein Sofa“ erinnert sich Jochen Einfeldt, Revierleiter der Autobahnpolizei Neumünster mit Sitz an der Auffahrt Neumünster-Nord. Egal was verloren wird, es ist gefährlich. Da heißt es, schnell zu handeln.

 Die Dienststelle ist für 126 Autobahnkilometer zuständig, auf der A 7 vom Hamburger Stadtrand bis zur Rampe der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal, dazu kommen die A 210 und die A 215. 77000 Fahrzeuge fahren hier durchschnittlich pro Tag. Verlorene Gegenstände haben eine große Brisanz auf der Autobahn. Die Gefahr von Unfällen steigt mit der Geschwindigkeit.

 Es ist ein alltägliches Problem. Innerhalb einer Woche sind beispielsweise 14 Einsätze aufgelaufen, weil etwas auf der Fahrbahn lag. Umgestürzte Leitkegel im Baustellenbereich, Holzlatten bei Bad Bramstedt, ein toter Dachs, eine Lkw-Plane, Befestigungsmaterial für Container, Kanthölzer, zwei Verkehrszeichen, Bleche, drei Reifen. Eine lose Stoßstange versprühte schon Funken, hing aber noch am Wagen. Per Notruf alarmiert, zog die Autobahnpolizei das Fahrzeug aus dem Verkehr. Der Fahrer durfte erst weiterfahren, als er die Stoßstange abmontiert hatte.

 Und dann lag da noch eine Handtasche. „Das wird schwierig“, sagt Einfeldt. Natürlich versuchen seine Beamten, die Besitzerin ausfindig zu machen. Doch in der Tasche waren keine Ausweise oder andere Papiere.

 14 Fund-Einsätze in sieben Tagen, aber null Unfälle dadurch. „In der Woche ist alles gut gegangen“, sagt Einfeldt. In der Regel ist es falsch gesicherte Ladung, die sich selbstständig macht. Manchmal sogar unbemerkt vom Fahrer. Doch dann gibt es aufmerksame Autofahrer, die helfen, Schlimmeres zu verhindern. Ein Anruf über 110, und bei der Polizei schrillen die Alarmglocken. Mit Sonderrechten geht es zum „Tatort“, per Streifenwagen wird die Autobahn halbseitig gesperrt und dann aufgeräumt. Die Autobahnmeisterei mit schwerem Gerät wird bei größeren Teilen geholt. Lebensgefährlich wäre es, selber seine Fundstücke wieder einzusammeln.

 Was passiert mit den Fundstücken? Zunächst versucht die Polizei zu ermitteln, wer den Gegenstand verloren hat. „Oft ist das aussichtslos“, sagt Einfeldt. Freiwillig kommt auch niemand – schließlich ist schlecht gesicherte Ladung kein Kavaliersdelikt. Selbst ohne schwerwiegende Folgen ist schnell ein Verwarnungsgeld (35 Euro) oder ein Bußgeld (100 Euro) verhängt. Fundstücke landen deshalb in den Fundbüros der zuständigen Ämter.

 Zur Urlaubszeit wird die Autobahn noch mehr zur Fundgrube. Fahrräder, Skier, auch ein Surfbrett waren auf der A 7, auf der A 210 und der A 215 schon auf Abwegen. „Ich kann nur an alle Autofahrer appellieren, sich beim Verstauen der Ladung Zeit zu nehmen, gewissenhaft zu arbeiten, alles gut abzusichern“, sagt Einfeldt.

 Dann wäre eines Nachmittags auch nicht das Sofa auf der Autobahn gelandet. Überladene Anhänger, wilde Konstruktionen – die Autobahnpolizei kann ein Lied davon singen. Und muss wieder das Martinshorn anschalten und hoffen, dass alle die Verkehrsfunkdurchsage gehört haben und vorsichtig fahren, bis sie aufräumen.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung

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