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Plastiktüten sind mehr als out

Umweltschutz beim Einkaufen Plastiktüten sind mehr als out

Die Plastiktüte im Supermarkt kostet bereits seit geraumer Zeit Geld. Nun sollen die Verbraucher ab dem 1. April auch in anderen Branchen für Kunststoff in die Tasche greifen. EU und Umweltministerium wollen den Verbrauch der Tüten drosseln, um die Umwelt zu schonen. Neumünsteraner überlegen noch.

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Ein häufiges Bild in den Innenstädten: Menschen tragen nach ihren Shopping-Touren eine ganze Menge Plastiktüten mit sich herum. Das soll bald ein Ende haben. Die Kunstoffbeutel bekommen Konkurrenz durch Jute.

Quelle: Florian Sötje

Neumünster. Handelsverband (HDE) und Apothekerverband (DAV) haben ihren Mitgliedern empfohlen, ebenfalls eine Gebühr für Plastiktüten zu erheben. Große Unternehmen wie H&M, Media Markt oder Karstadt wollen in allen Filialen Plastik nur noch gegen Bares herausgeben. Von 5 bis 30 Cent pro Tüte ist die Rede. Wir haben nachgefragt, wie Neumünsteraner Händler mit der empfohlenen Selbstverpflichtung zur Plastik-Gebühr umgehen.

 Beim Mode-Center Nortex ist noch keine endgültige Entscheidung in Sachen Plastik gefallen. Klar ist aber: Die hochwertige Textilware muss ordentlich verpackt sein, sagt Geschäftsführerin Ingrid Först. „Wir sind an dem Thema schon länger dran und hatten auch schon über Papiertüten nachgedacht. Aber die sind meistens gelackt, damit sie länger halten. Zusätzlich ist der Kleber, der die Tüte zusammenhält, giftig“, erklärt Först. Eine Alternative für Kunden biete das Unternehmen in Form von Kleidersäcken an, meint die Geschäftsführerin. Sollte man sich doch für eine Plastik-Gebühr entscheiden, könne das Geld für gemeinnützige Organisationen gespendet werden, erläutert Först die bisherigen Überlegungen. „Wir sondieren gerade alles, haben aber noch keine Entscheidung gefällt“, sagt sie.

 Das Management des Designer Outlet Centers (DOC) ist in eine solche Entscheidungsfindung nicht involviert: „Da haben wir nichts mit zu tun. Die Marken und Stores handeln bei diesem Thema eigenverantwortlich“, erklärt Marketingleiter Torsten Wiedelmann.

 Apotheker Rüdiger Metzner, Inhaber der Flora-Apotheke am Neumünsteraner Bahnhof, hat ebenfalls noch keine endgültige Entscheidung zur Plastik-Gebühr getroffen: „Da werde ich nochmal eine Nacht drüber schlafen. Wir haben aber bereits soweit reagiert, dass wir auf Recyclingtüten umgestellt haben“, erklärt der Apotheker.

 Ein paar Meter weiter bei der Fleischerei Brinkop möchte man auch etwas für die Umwelt tun, nur gestaltet sich das in der Praxis schwierig. „Mit unseren Lebensmitteln ist es einfach nicht umsetzbar. Natürlich kann ich verstehen, dass jemand eine Tüte haben will, wenn er ein Kilo Hackfleisch kauft“, meint Verkäuferin Diana Reimer. Manchmal bringen Kunden ihre eigene Tupperdose für den Transport der eingekauften Ware mit. Doch aus hygienischen Gründen darf so kein Fleisch mitgegeben werden, erklärt Reimer.

 In der Hieronymus Buchhandlung ist sich Mitarbeiterin Silke Dudda sicher, dass eine Gebühr ab dem 1. April kommen wird. „Wir haben von der Filialleitung aber noch keine Anweisung bekommen. Ich finde eine Gebühr vernünftig und würde es begrüßen, wenn jeder eine eigene Tasche zum Einkauf mitbringen würde“, sagt Dudda und bezieht Stellung.

 Dieses Umdenken der Verbraucher erkennt Harald Meyer, lange Jahre Vorsitzender der Kreisgruppe Neumünster des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bereits heute: „Ich sehe viele Leute, die zum Einkaufen mit ihrer alten Tüte wiederkommen“, sagt er. 2014 ließ Meyer in Kooperation mit einer Warenhauskette Jutetaschen mit dem Aufdruck „Jute statt Plastik“ herstellen, um auf die Alternativen zur Kunststofftasche hinzuweisen.

 Ihren Zweck erfüllen Baumwoll- oder Jutebeutel allerdings erst nach einer gewissen Zeit. Damit diese eine positivere Ökobilanz als die Plastiktüte aufweisen, müssen sie etwa 30 Mal wiederverwendet werden.

 Info: Die Europäische Union verpflichtet ihre Mitgliedsstaaten, den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten, der momentan bei 198 liegt, in zwei Schritten zu senken. Bis Ende des Jahres 2019 soll der Verbrauch auf 90 Plastiktüten pro Bürger und Jahr eingedämmt werden. 2025 soll sich die Zahl auf 40 weiter reduziert haben. Deutschland erfüllt die erste Vorgabe mit momentan 71 Plastiktüten pro Kopf und Jahr bereits jetzt.

 Laut Handelsverband (HDE) beteiligen sich an einer freiwilligen Selbstverpflichtung zur Plastiktüten-Gebühr so viele Händler, dass ab dem 1. April 60 Prozent der Plastiktüten im Handel kostenpflichtig sein werden. Bis 2018 sollen auf diese Weise 80 Prozent der Kunststofftaschen erfasst werden. Sollte die freiwillige Lösung nicht zum Erfolg führen, behält sich Umweltministerin Barbara Hendricks eine gesetzliche Regelung vor.

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