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Flüchtlinge besser kennenlernen

Schüler diskutierten mit Albig Flüchtlinge besser kennenlernen

Die Klasse 12b der Gemeinschaftsschule Brachenfeld hat es eindrucksvoll vorgemacht. Problemen mit Flüchtlingen oder gar Fremdenhass begegnet man am besten, indem man mit den Leuten spricht, sie besser kennenlernt. Das erzählten sie auch Ministerpräsident Torsten Albig, der zur Diskussionsrunde gekommen war.

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Im Kreis mit 25 Schülern der 12b und umrahmt von rund 100 weiteren Schülern und Lehrern unterhielt sich Ministerpräsident Torsten Albig über das Thema „Respekt – Zusammenleben in Vielfalt".

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Im Rahmen der Gesprächsreihe „Dialog mit Zukunft“ stattete der Landeschef den Neumünsteranern einen Besuch ab, bis zum Jahresende will er bei acht oder neun Schulen vorbeigeschaut haben. Brachenfeld war Station zwei. „Klug und selbstbewusst“ lobte Albig die Schüler anschließend.

 Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ waren die Voraussetzungen hier bestens für das Thema „Respekt – Zusammenleben in Vielfalt“. Und die 12b ist fast schon eine Vorzeigeklasse. Als im Juni vergangenen Jahres kurzfristig die Sporthalle der Schule zum Erstaufnahmelager wurde, unterbrachen die Schüler ihre Projektwoche. „Wir haben uns sofort bereit erklärt zu helfen“, erinnert sich Wilko Schmidt. Die 12b sammelte Spenden, spielte mit den Flüchtlingen Fußball, brachte den Fremden die ersten deutschen Wörter bei.

 Mit 25 Schülern setzte sich Albig jetzt zusammen, rund 100 weitere Schüler und Lehrer verfolgten das Gespräch. „Rund 20 Prozent der Deutschen haben rassistische Tendenzen. Ist das auch an der Schule so? Was muss man tun, um die Zahl zu verkleinern?“, fragte Albig. „Wir sitzen ab der fünften Klasse mit Türken oder Schülern aus anderen Kulturen zusammen. Für uns ist das normal“, sagte ein Schüler. Und schnell wurde klar, wenn man Fremde besser kennenlernt, sie sogar zu Freunden werden, kann kein Hass entstehen.

 Albig überraschte die Schüler mit einem sehr persönlichen Erlebnis. Als seine Tochter einen jungen Mann aus Syrien als neuen Freund vorstellte, „zuckte es in mir zusammen“, sagte er. Die Schüler hörten interessiert zu, dass sein erster Gedanke „oh je oh je“ gewesen sei. „Es war nicht einfach, bis ich ihn dann näher kennengelernt habe“, gab Albig offen zu.

 Der Schlüssel sei mehr Kontakt. „Wir könnten Flüchtlinge zu uns in die Schule einladen und sie erzählen lassen“, schlug ein Schüler vor. Oder man gehe für einen Tag in die Erstaufnahme am Haart. „Eine tolle Idee“, lobte Albig diesen Gedanken vom Meet & Greet oder auch, „Pate für einen Tag zu werden“. Wichtig sei, angstfrei an das Thema heranzugehen.

 Konkret ging es außerdem um die Ausbildung von Flüchtlingen. Noch müssen sie erst Deutsch können, bevor sie einen Beruf erlernen. Vielleicht ist die Ausbildungsordnung zu ändern und in einigen Fällen diese Reihenfolge umzudrehen, schlug ein Schüler vor. Einfach loslegen. Albig denkt darüber nach.

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