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Flüchtlinge lernen gerne

Integration an der Walther-Lehmkuhl-Schule Flüchtlinge lernen gerne

Khalil El Kassem hat Geburtstag, der Syrer ist 19 Jahre alt geworden. Er ist Schüler der Walther-Lehmkuhl-Schule, hat hier Deutsch gelernt und jetzt einen Ausbildungsvertrag als Kfz-Mechatroniker bei Nissan in der Tasche. Die Berufsbezeichnung ist trotz der inzwischen richtig guten Sprachkenntnisse noch etwas schwer, und gemeinsam mit seinem afghanischen Mitschüler Halim Schalmali hat er sich darauf geeinigt, seinen Beruf „Autofachmann“ zu nennen. Halim wird bei Mercedes lernen.

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Sie haben ein erfolgreiches Schuljahr an der Walther-Lehmkuhl-Schule hinter sich: (von links) Ghulam Karimi, Shaheer Yusufi, Ella Engel, Halim Schalmali und Khalil El Kassem.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Die Walther-Lehmkuhl-Schule (WLS) engagiert sich seit sechs Jahren für die Integration von Jugendlichen, vornehmlich unbegleiteten Flüchtlingen. Mit zwölf Stunden Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) fängt es an, je nach Niveau steigt dann auch die Stundenzahl. 20 Flüchtlinge waren am Anfang dabei, derzeit werden rund 100 an der Roonstraße unterrichtet, Tendenz steigend. Und es bleibt nicht beim Deutsch-Unterricht. Im Ausbildungsvorbereitenden Jahr (AVJ) geht es zielstrebig Richtung Erster allgemeinbildender Schulabschluss (ehemals Hauptschulabschluss).

 Den hat Ghulam Karimi jetzt in der Tasche. Der junge Afghane lebt inzwischen in Bad Segeberg und möchte weiter zur Schule gehen, um den Realschulabschluss zu machen. Ein Praktikum im Kreishaus in Bad Segeberg steht auch auf seinem Zettel, außerdem engagiert er sich in der Arbeit mit Asylbewerbern und übersetzt für afghanische oder iranische Flüchtlinge. „Wenn man etwas will, dann schafft man das auch“, sagt Ghulam.

 Shaheer Yusufi aus Afghanistan ist seit anderthalb Jahren in Neumünster und hat an der Walther-Lehmkuhl-Schule Deutsch gelernt, jetzt will er Koch werden und fängt bei den Holstenhallen eine Ausbildung an. „Jeder kann etwas machen aus seinem Leben“, pflichtet ihm auch der künftige „Autofachmann“ Halim zu.

 Mit im Deutsch-Unterricht hat auch Ella Engel gesessen und jetzt die Bescheinigung in der Hand. Die 17-jährige Russin lebt mit ihrer Familie in Kaltenkirchen. Mit den besseren Deutschkenntnissen möchte sie nun weiter lernen und den Realschulabschluss machen.

 Marlies Kozielski-Nuske, Fachbereichsleiterin Berufsvorbereitung an der WLS, freut sich, dass die Flüchtlinge so lernwillig sind. „Die Schüler bedanken sich für den Unterricht“, sagt sie – das erleben Lehrer nicht alle Tage. „Der Bereich boomt, und allen Lehrkräften bringt es Spaß“, erklärt sie. Auch wenn es mit viel Fortbildung zu tun hat, denn die Anforderungen ändern sich ständig, Konzepte müssen angepasst werden. Im kommenden Schuljahr rechnet sie mit mindestens 30 Flüchtlingen, die den Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (Hauptschulabschluss) machen werden. Und dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sich Lehrer und Schüler in den ersten Tagen mit Händen und Füßen unterhalten mussten.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
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