14 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Clearingstelle für Boostedt gefordert

Junge Flüchtlinge Clearingstelle für Boostedt gefordert

Einen neuen, konkreten Aspekt in die Debatte um die gesetzlich vorgeschriebene Inobhutnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge hat Grünen-Ratsherr Heinrich Voigt gebracht: Das Land soll endlich Clearingstellen einrichten, freie Kapazitäten dafür sieht er in der Kaserne in Boostedt.

Voriger Artikel
Nicht krimineller als andere Städte
Nächster Artikel
Sieben Wochen lang komplett ohne ...

Deutschunterricht in der Erstaufnahme für junge Flüchtlinge in der Parkstraße.

Quelle: Sven Detlefsen

Neumünster. Hintergrund ist die überdimensionale Belastung der Stadt Neumünster, die mit 478 rund 28 Prozent der Unbegleiteten im Lande abfedern muss. Entlastung erhofft sich die Verwaltung von der Kooperation mit freien Trägern, weshalb derzeit in den Fachausschüssen über einen möglichen Verkauf von zwei städtischen Grundstücken an der Memelland- und an der Slevogtstraße diskutiert wird.

 „Wir müssen rund 140 Plätze vorhalten, haben aber nur 56 in der Parkstraße. 20 sind in Planung in der Brachenfelder Straße; bleiben noch 60, die wir dringend brauchen“, sagte am Dienstagabend im Jugendhilfeausschuss Thorben Pries, bei der Stadt Koordinator für das Thema Flüchtlinge.

 Voigt, bis vor fünf Jahren Fachdienstleiter von Neumünsters Allgemeinem Sozialen Dienst (ASD) sieht die Lösung in den Clearingstellen nach dem Vorbild von Brandenburg oder Hessen. Sie könnten in Verantwortung der Jugendhilfe (wie das Gesetz es für die Inobhutnahme vorsieht) und vom Land finanziert für eine schnellere Bearbeitung sorgen: „Die Jugendlichen würden das Verfahren in ein bis drei statt jetzt vier bis sechs Wochen durchlaufen, um dann bundesweit verteilt zu werden.“

 Wenn die Aufgabe bei der Stadt bleibe, müssten dazu im Nachtragshaushalt 2016 allein für die Betreuung dieser Klientel die Anzahl der Stellen im ASD um 19 auf 35 aufgestockt werden. „Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden“, erklärte Voigt.

 Ebenfalls nicht einverstanden ist er damit, dass sich durch den möglichen Verkauf der Grundstücke (beschlossen ist noch nichts; Oberbürgermeister Olaf Tauras wollte zunächst ein Meinungsbild einholen) der Hamburger Jugendhilfeträger Sternipark in Neumünster niederlässt, gegen den sich bereits die BfB-Ratsfrau Esther Hartmann ausgesprochen hatte. „Es ist nett, dass die uns helfen wollen, aber wir haben im Land genügend andere Träger“, meinte Voigt.

 Dessen Amtsnachfolger Jörg Hellberg schilderte die Situation anders: „Eine Umfrage unter ortsansässigen Trägern im Jahr 2015 hat eine sehr beschränkte Resonanz ergeben.“ Deshalb sei die Stadt auch auf Sternipark, den Betreiber der neuen 20-Plätze-Einrichtung in Rathaus-Nähe, zugegangen. „Die haben uns schon einmal aus der Patsche geholfen. Mangels freier Kapazitäten in Neumünster mussten wir Jugendliche nach Schleswig-Flensburg karren und hätten sie von hier aus betreuen sollen.“

 Abschließend stellte Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth fest: „Das Land muss uns endlich helfen.“ Er sieht die seit Wochen eingetretene Funkstille aus Kiel „wohl aufgehoben, wir werden miteinander reden“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Sabine Nitschke
Holsteiner Zeitung

Mehr aus Nachrichten aus Neumünster 2/3