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Die Allee ist sterbenskrank

Kastanienallee in Gefahr Die Allee ist sterbenskrank

Fast alle Kastanien der Allee, die vom Wasserturm an der Christianstraße zum Wasserwerk am Brüningswerk führt, sind krank. Vier Bäume mussten wegen akuter Gefahr gefällt werden, 18 weitere sollen folgen. Eine neue Aufforstung ist geplant.

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Im April fiel diese Kastanie einfach um. Der Brandkrustenpilz hatte das Wurzelwerk angegriffen und den Baum ausgehöhlt. Egon Blitza vom Naturschutzbeirat zeigt die wie verbrannt aussehenden Stellen im Holz.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Im tristen Wintergrau liegt sie da: Die Kastanienallee, die vom Wasserturm an der Christianstraße zum Wasserwerk am Brüningsweg führt. 1926 wurde sie mit rund 120 Bäumen angelegt, inzwischen stehen nur noch 84 Kastanien. Und fast alle sind krank, einige nicht mehr zu retten. Vier Bäume mussten jetzt wegen akuter Gefahr schon gefällt werden, 18 weitere tragen bereits den grünen Farb-Punkt am Stamm, der für die Kastanien das Ende bedeutet.

Seit rund 15 Jahren steht die rund 600 Meter lange Allee unter Denkmalschutz. In den 1940er-Jahren wurde der Zugang zur Allee an der Christianstraße für die Öffentlichkeit gesperrt, als das Gebiet zur Trinkwasserschutzzone erklärt wurde. Die Allee verläuft über das Gelände der Stadtwerke Neumünster (SWN) und wird von fünf Brunnenhäuschen flankiert. Nach all den Jahren kränkelt sie nicht mehr nur, sie ist ernsthaft gefährdet, sozusagen sterbenskrank.

2013 entdeckte Friedwart Pütz von der Unteren Naturschutzbehörde an einer Kastanie den Brandkrustenpilz, der das Wurzelwerk zerstört. „Inzwischen haben die Bäume alles“, sagt Egon Blitza vom Naturschutzbeirat. Die Ursache für das in den vergangenen Monaten weit um sich greifende Kastaniensterben ist noch nicht geklärt. Ist die Miniermotte schuld? „Sie schwächt natürlich den Baum“, sagt Blitza. Inzwischen sind die Kastanien von einem Bakterium namens Pseudomonas infiziert. „Die Bäume werden dadurch noch weiter geschwächt und sind dann natürlich anfällig für alle Arten von Pilzen“, so Blitza weiter.

Die Stadtwerke beauftragten das Hamburger Institut für Baumpflege unter Leitung des renommierten Professors Dirk Dujesiefken, ein Gutachten zu erstellen. „Die Kosten dafür betrugen fast 7500 Euro“, so Wasserwerksleiter Alexander Diertens. Und das Ergebnis ist niederschmetternd. Von den 86 untersuchten Bäumen („die haben sich wirklich jeden Baum ganz genau angesehen, sind sogar hochgeklettert“) bekamen 22 den Stempel „fällen“ – in Form eines grünen Farbkleckses auf der Rinde.

Die Fäll-Arbeiten werden jetzt ausgeschrieben, das Herunternehmen der Bäume soll zeitnah geschehen, da die Bäume vielleicht schweren Stürmen nicht mehr viel entgegenzusetzen haben. Kippt ein Baum und zerstört dabei eines der Brunnenhäuschen, wird es teuer. Mit Pumpe und Aggregat kostet es rund 60000 Euro. Schlimmer wäre aber noch der Bruch einer Leitung, vor allem wenn danach das Trinkwasser verschmutzt und die ganze Stadt damit beliefert wird. Unter der Allee verläuft ein dickes Rohr – die Hauptleitung für die Innenstadt. Es stammt noch aus den 1930er-Jahren. Im Moment drohen die Wurzeln der Kastanien das Rohr zu umwuchern und dann hochzudrücken.

Wird nach der Fällung wieder aufgeforstet? Blitza und Diertens nicken. Im Frühjahr werden die SWN mit der Naturschutzbehörde Gespräche führen, ob die Kastanie der Baum der Zukunft sein wird, wenn er weiter so anfällig bleibt. Je nach Größe kostet eine neue Kastanie übrigens zwischen 100 und 200 Euro. „Das Herunternehmen ist teurer“, sagt Blitza.

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Ein Artikel von
Anja Rüstmann
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Kreis Plön
Foto: Niels Kessal (links) und Stefan Nipp zerlegen eine gefällte Kastanie.

Das Kastaniensterben im Kreis Plön setzt sich weiter fort. Am Wochenende fiel eine Allee in der Gemeinde Klamp mit 36 Bäumen. Der Großteil von ihnen war mit dem Bakterium Pseudomonas Syringae pv. Aesculi befallen. Er sorgt dafür, dass die Rinde zerspringt und Holzpilze in den Stamm eindringen können.

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